Geisingen / MARIA BLOCHING  Uhr
Auf der Gemarkung Geisingen wird es keine Windkraftanlage geben. So will es zumindest die Mehrheit der Einwohner. Bei der Bürgerversammlung war das Meinungsbild gegen das Vorhaben eindeutig.

Vor einer Woche wurden in Upflamör bei der Bürgerversammlung Fakten geschaffen, die nicht bei allen gut ankamen. 80 Prozent der Grundstückseigentümer auf dem Tautschbuch haben bereits Pachtverträge mit der Firma Green City Energy unterschrieben, ein Gutachten für die geplante Windkraftanlage kann somit wohl bald in Auftrag gegeben werden. In Geisingen ist dies nicht der Fall.

"Es muss mit der Bevölkerung gehen, nicht an der Bevölkerung vorbei", betonte Bürgermeister Reinhold Teufel bei der mittlerweile zweiten Bürgerversammlung zu diesem Thema und zeigte sich hocherfreut, dass bisher im Ort noch kein Eigentümer irgendetwas unterschrieben hat. Man könne zwar davon ausgehen, dass das Vorhaben in Upflamör zur Ausführung komme. Für Geisingen sehe er allerdings "keine Notwendigkeit".

Die Gemeinde Pfronstetten sei Regionalsieger im Bereich Photovoltaik, hätte drei Biogasanlagen und erzeuge deutlich mehr erneuerbare Energie, als verbraucht werde. "Eine Windkraftanlage auf unserer Gemarkung ist vielleicht vertretbar, doch eine Gebotenheit sehe ich nicht als gegeben", so Teufel. Er gab auch zu bedenken, dass der Standort mit Hauptwindrichtung Südwest - sprich also Richtung Geisingen - nicht glücklich gewählt sei: "Man hört diese Dinger auf jeden Fall." Er appellierte an die Eigentümer, auf den Willen der Bürgerschaft Rücksicht zu nehmen: "Das wird der Gemeinderat auf jeden Fall auch tun."

Teufel bat aber auch die Bürger, die Lage der Grundstückseigentümer zu sehen. Demnach bringt die Pacht ein Vielfaches mehr, als wenn eine Fläche landwirtschaftlich genutzt wird. "Wenn jemand einige Tausend Euro mehr pro Jahr verdienen kann, überlegt er anders." Dass die Bürger alles andere als glücklich über die Upflamörer Entscheidung sind, daran blieb an diesem Abend kein Zweifel.

Helga Meitinger von Green City Energy stellte die Firma mit bereits 280 umgesetzten Projekten samt Bürgerbeteiligung vor und betonte, dass von der Standortsuche über die Planung bis hin zum Bau, zur Finanzierung und Betriebsführung alles in der Hand von Green City Energy bleibe. Überzeugen konnte sie aber mit ihren Ausführungen nicht.

Vier Anlagen werden auf der Gemarkung Upflamör angestrebt, eine Anlage soll auf freiem Gelände der Gemarkung Geisingen gebaut werden. "Wir wollen möglichst wenig Natur kaputt machen", versprach Meitinger.

Das zog Rudolf Beck erheblich in Zweifel: "Wir haben hier nicht viel zu bieten. Unser einziges Kapital ist unsere Landschaft und die würden wir mit einer solchen Anlage leichtfertig aufs Spiel setzen." Eine maximale Wertschöpfung sieht er deshalb nicht in Windrädern, sondern in der Erhaltung der Landschaft.

Für Diskussion unter den aufgebrachten Bürgern sorgte allein schon der Windatlas, der nach Aussage von TÜV Süd ein "Grobgutachten mit modellierter Windgeschwindigkeit" ist. Laut Regionalverband sind in diesem Gebiet 13 Anlagen möglich: "Wenn wir jetzt mit fünf Windrädern anfangen, können es später noch viel mehr werden", warnte ein Geisinger Bürger. Doch Bürgermeister Reinhold Teufel beruhigte: "Wenn niemand unterschreibt, kommt gar nichts auf die Geisinger Gemarkung." Bereits vor dieser Bürgerversammlung sind einige der insgesamt 194 Einwohner aktiv geworden und haben insgesamt 106 Unterschriften gegen den Windpark gesammelt. Diese wurden offiziell an den Schultes überreicht und mit der mehrheitlichen Abstimmung bestätigt.

"Wir leben in einem kleinen Dorf - jeder für jeden", machten die Bürger deutlich, einige sahen durch den Windpark ihre Lebensqualität und den Wert ihres Hauses in Gefahr. "Wie soll man da jungen Leuten Geisingen als lebenswerten Wohnort schmackhaft machen? Es ist nicht fair, wenn man mit Begehrlichkeit wie Pachtverträge Leute überzeugt", meinte Rudolf Beck.

Teufel versprach nach der Abstimmung der Bürger dem Gemeinderat zu empfehlen, gemeindeeigene Flächen nicht zu verpachten und appellierte an die privaten Grundstückseigentümer, die Meinung der Bürger zu akzeptieren: "Sonst bricht das ganze Dorf auseinander."