Reutlingen. Vorwürfe umfassend eingeräumt

Durch dieses Loch in der Außenwand des ZfP Zwiefalten entflohen die Täter.
Durch dieses Loch in der Außenwand des ZfP Zwiefalten entflohen die Täter. © Foto: Archiv/Maria Bloching
Zwiefalten/Reutlingen / mre 16.05.2018

Im September 2017 sind drei suchtkranke Häftlinge aus dem Zentrum für Psychiatrie in Zwiefalten ausgebrochen. Sie hatten über einen längeren Zeitraum hinweg ein Loch in die Mauer geschlagen und rissen schließlich im zweiten Stock einen Heizkörper heraus und durchschlugen den Putz der Außenwand. Dann seilten sie sich mit zusammengeknoteten Bettlaken aus acht Metern Höhe ab. Der Schaden an der Mauer beträgt rund 10 000 Euro. Vorige Woche hat das Reutlinger Schöffengericht zwei der Ausbrecher zu Haftstrafen verurteilt in Höhe von einem Jahr beziehungsweise einem Jahr und drei Monaten. In beiden Fällen sah das Gericht aufgrund des erheblichen Vorstrafenregisters keine Möglichkeit, die Strafen zur Bewährung auszusetzen (wir berichteten).

Am Montag ist nun in einer weiteren Verhandlung der dritte, heute 33 Jahre alte Ausbrecher, zu einem Jahr und fünf Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt worden.

Zunächst flüchteten die drei gemeinsam, dann trennten sie sich. Der 33-Jährige klaute ein Auto, das hinter einem Aussiedlerhof abgestellt war. Der Schlüssel lag im Fahrzeug. Auf seiner Flucht, die über Bergisch-Gladbach und Frankfurt führte, montierte er zweimal auf Firmengrundstücken Autokennzeichen ab, die er ans Fluchtfahrzeug montierte. Außerdem tankte er einmal für 65 Euro, ohne zu bezahlen. Deshalb ist er nun wegen gemeinschaftlicher „gemeinschädlicher“ Sachbeschädigung, Diebstahls und Betrugs verurteilt worden. Seine Strafe fiel wegen der zusätzlich angeklagten Straftaten höher aus, als bei den beiden anderen aus der Psychiatrie Geflohenen.

Der nun Angeklagte räumte die Vorwürfe umfassend ein. Auf der Flucht wollte er sich eigentlich stellen. Doch als er mit seinem damaligen Anwalt telefonierte, ortete ihn die Polizei über sein Handy und nahm ihn fest. Der Mann ist vielfach vorbestraft. Staatsanwalt Burkhard Werner beantragte unter anderem auch deshalb zwei Jahre Gefängnis. Verteidiger Achim Wizemann plädierte auf zehn Monate. Er konnte aber nicht erreichen, dass der Angeklagte wieder in eine Entziehungsanstalt untergebracht wird, um sein Suchtproblem anzugehen. Der psychiatrische Gutachter sah dafür wenig Erfolgsaussichten.

Das Gericht unter Vorsitz von Eberhard Hausch argumentierte, der Mann sei bereits vom Stuttgarter Landgericht zu Maßregelvollzug verurteilt worden. Das habe er sich selbst kaputtgemacht durch den Ausbruch. Der Mann könne froh sein, sagte Hausch, dass er sich beim Abseilen nicht den Hals gebrochen habe.

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