Das Münster prägt Zwiefalten seit über 250 Jahren. Es ist ein Monument des Spätbarocks, zählt zu den besterhaltenen Kulturgütern nördlich der Alpen und erinnert an die Geschichte des Benediktinerklosters, das im Jahr 1089 gegründet und schließlich im Zuge der Säkularisierung 1803 aufgelöst wurde. Der Bau dieses Meisterwerks unter Baumeister Johann Michael Fischer dauerte von den ersten Planungen im Jahr 1739 über die Grundsteinlegung 1744 bis zur abschließenden Vollendung im Jahr 1785. Während dieser Zeit wurden mehrere Weihejubiläen gefeiert, wie etwa die Weihe des Hochaltars am 18. Oktober 1952, als die Klosterkirche ihrer Bestimmung übergeben wurde.

Die sechs Vierungsaltäre, deren Jubiläum nun auch mit dem Pontifikalamt gefeiert wurde, erhielten am 1. September 1765 ihre Weihe. Darunter der Martinsaltar, der ebenso wie die Diözese Rottenburg-Stuttgart den Namen des Heiligen Martin trägt. "Das ist ein Zeichen dafür, dass auch wir den Mantel der Gerechtigkeit teilen sollen", schlug Bischof Gebhard Fürst in seiner Ansprache die Brücke zur Gegenwart. Gerechtigkeit müsse Anwendung auf Menschen in der Gesellschaft finden, die Schutz und eine Beheimatung suchen. Das Marienmünster sei ein Haus voll Glorie, ein steinernes Haus und Zeichen des Glaubens. Hier werde nicht verkauft, gearbeitet und verhandelt, hier werde gebetet. Mitten in diesem Raum könne man hineinversinken in die Begegnung mit dem Herrn und Schöpfer.

Schon beim feierlichen Einzug sei ihm die Strahlenkranzmadonna am Hochaltar aufgefallen. Von ihr gehe ein Glanz in die Welt, auch deshalb, weil sie als junge schwangere Frau ihre Heimat verlassen, ihr Kind in einem Stall gebären und nach Ägypten fliehen musste. "Was wir heute selbst erleben, ist auch in ihrem Leben vorgekommen: Not, Flucht, Vertreibung, Entbehrung und die Aussicht auf eine ungewisse Zukunft", so der Bischof.

Er selbst hätte kürzlich ein Flüchtlingslager in Jordanien besucht und dort verfolgte Christen angetroffen, die alles zurücklassen mussten und ihre Hoffnung auf eine menschenwürdige Zukunft verloren haben. Angesichts des enormen Flüchtlingsstroms sei aktives Teilen der Maßstab für die Glaubwürdigkeit der Kirche: "Deshalb möchte ich dazu aufrufen, jene Menschen ohne Heimstätte und Herberge zu unterstützen, ihnen zu helfen und Wohnraum zur Verfügung zu stellen".

Hier im Münster Zwiefalten werde besonders dieser Mantel der Gerechtigkeit und die Beheimatung in ganzer Großartigkeit dargestellt. Dies sei ein Ort des Pilgerns, ein Gnadenort, an dem jeder Mensch sein Herz ausschütten, sein persönliches Päckchen und seine ganze Geschichte mit allem Schönen und Schweren, das sein Leben ausmache, mitbringen könne.

Musikalisch wurde das Pontifikalamt vom Münsterchor, vom Kirchenchor der evangelischen Kirchengemeinde und von Gastsängern des Weinrauchchors sowie dem Münsterorchester gestaltet. Dabei kamen auch die kleine Orgelsolomesse von Joseph Haydn sowie das "Salve Regina in C-Dur" von Pater Ernestus Weinrauch zur Aufführung. Mit einem Sopran-Solo war Ulrike Härter zu hören, an der Orgel spielte Marco Muggianu. Den feierlichen Gottesdienst zelebrierte Bischof Gebhard Fürst gemeinsam mit Pfarrer Paul Zeller, Pfarrer Erwin Binder und Diakon Steffen Tröster.