Bernloch Von "higg heels" und "verg'rodene Kender"

"Fleggarätscha"Karlene und Emma brachten ihre Gäste in Bernloch zum Lachen und Applaudieren.
"Fleggarätscha"Karlene und Emma brachten ihre Gäste in Bernloch zum Lachen und Applaudieren. © Foto: Sabine Herder
SABINE HERDER 21.03.2016
Lachende Landfrauen im Gemeindehaus: Am Freitag kamen die "Fleggarätscha" und nahmen das dörfliche Leben unter die Lupe. Breit schwäbisch gestaltete das Comedy-Duo einen herrlich komischen Abend.

Karlene und Emma "schwätzad a bissle broid" - eben "der Figur entsprechend", wie Emma selbstkritisch anmerkte. Blickdichte Strumpfhosen, einlagengerechte Bequemschuhe, gefältelter und Borten besetzter Blümchen-Chic, dazu unsäglich fesche Hüte tragen nichts, aber auch gar nichts dazu bei, die beiden "Fleggarätscha" in irgendeine andere Rubrik als die der ältlichen Dorftratsch-Weiber zu stecken. Im Laufe des Abends machten die beiden Comedy-Damen aus Genkingen diesem Image alle Ehre.

"Ha Narr, du glaubsch es nicht!": Ein Standard-Satz im Repertoire, mit dem die beiden Klatschweiber immer wieder unterstreichen, welch unglaublich wichtige Dinge sich in ihrem eigenen und im Leben ihrer Mitmenschen ereignen. Wer "verg'rodene Kender" hat, zu wem der Gerichtsvollzieher kommt, wer welche Wäsche aufhängt ("Leit, wa dia fir Wäsch hent!") und was passiert, wenn man in "higg heels" durch's Dorf stöckelt - Emma und Karlene wissen bestens Bescheid, und was die eine nicht weiß, wird ihr von der anderen gewiss bald brühwarm erzählt.

Indigniert gucken und schadenfroh kichern können die beiden gut, und beim Kichern schlossen sich auch die Gäste des Landfrauenverbandes im Bernlocher Gemeindehaus bald an: Bei den Pointen im Tratsch-Geplänkel des Duos paaren sich humorvolle Einsichten mit schlüpfrigen Schlussfolgerungen und selbstkritischen Erkenntnissen. So plätscherte der Dorfklatsch auch in Bernloch amüsant und ohne Pause von der kleinen Bühne und wurde nur dann unterbrochen, wenn Emma und Karlene zu ihren Gitarren griffen.

Jeder Landfrau, die ein Gärtle hat, sprach das "Schneckenlied" der "Fleggarätscha" gewiss aus der Seele: Mordlust angesichts der abgenagten Salatsetzlinge, auf gut schwäbisch auf den Punkt gebracht: "Schnegga in mei'm Garda, i ko nemme warta, am beschda isch glei starta - mit d'r Scher oder Salz oder Korn!", sangen die beiden und waren sich einig: "Des isch ja voll brudaal!"

Viel netter und sehr liebenswert besangen die beiden dagegen das "Biosphärengebiet" samt seiner Fauna und Flora - "das ist die Landschaft, die jeder so liebt" - und belegten ihr Heimatgefühl als "bekennende Älbler" unisono in einer weiteren musikalischen Darbietung: "Sehenswert, ja das ist unser Ländle". Da stimmte auch das Landfrauen- Publikum (Männer waren am Freitag in der Minderheit!) gerne mit ein und belohnte das Duo abschließend dankbar mit begeistertem Applaus.

Auch dass sie sich als "Frauen vom Land" selbst gut auf die Schippe nehmen können, belegten die beiden mit Schmunzelgarantie. Die Episode vom Landfrauen-Ausflug zur Staatsgalerie (peinlich, peinlich!), bei dem Emma auf der Suche nach dem Van Gogh von einem Fettnäpfchen ins andere tritt, ist einfach zum Brüllen komisch!

Nur der Zugabe-Titel "Ciao Amore" war am Ende "ausgeliehen", alles andere stammte aus eigener Feder der beiden witzig kreativen und mimisch sehenswerten "Fleggarätscha". Der Applaus der Landfrauen war ihnen sicher, die Forderung nach Zugabe natürlich auch. Noch ein "Heiligtum" dörflichen Lebens musste dafür Federn lassen. Im Lied vom "Schissele" demontierten die beiden voller Ironie die Tupperparty!