Großengstingen Vom Hofkonzert zur Swingtime

Die Backen ganz schön voll nahmen die Musiker beim Frühjahrskonzert in Großengstingen. Foto: Zeller-Rauscher
Die Backen ganz schön voll nahmen die Musiker beim Frühjahrskonzert in Großengstingen. Foto: Zeller-Rauscher
Großengstingen / SABINE ZELLER-RAUSCHER 17.04.2012
Facettenreicher Hörgenuss bot sich am Samstagabend den Blasmusikfreunden in der Festhalle Großengstingen. Der Musikverein spielte mit großem Repertoire zum traditionellen Frühjahrskonzert auf.

Seit 85 Jahren schon bereichert der Musikverein das musikalische Geschehen in der Gemeinde. Wie lange das Frühjahrskonzert bereits für frische Klänge im Lenz sorgt, wusste am Konzertabend keiner der Befragten ganz genau. Alle waren sich jedoch einig, dass das traditionelle Konzert schon vor einer Ewigkeit seinen Lauf nahm. Unter der Leitung von Mathias Leippert zeigte zum Auftakt die Jugendkapelle mit "The Olympic Spirit", "Paean" und "Du, nur du", was der Nachwuchs kann. Im Anschluss daran verliehen Originalnoten aus dem Jahr 1929 der Veranstaltung Jubiläumscharakter. Von Hettingen nach Afrika führten die Gedanken bei "Adebars Reise". Auf musikalische Weise schildert das Stück den Flug der Störche in Richtung Süden. Im musikalischen Direktflug gings zurück in Richtung Europa, zum Hofkonzert mit Strauß, bevor mit "Reet petite", Swingtime mit dem süßesten Mädchen der Stadt angesagt war.

Ein leichter Hauch von Festzeltstimmung wehte bei dem Stück "Gruß an Schloß Lichtenstein" durch den Konzertsaal. Komponiert wurde das Stück vom Gründungsdirigenten Paul Freudigmann. Nostalgisches Feeling kehrte mit der Veteranenkapelle ein. Mit den Stücken "Unter der Dorflinde", "Böhmischer Sonntag" und "Deutschmeister Regimentsmarsch" erinnerten die in die Jahre gekommenen Musiker an alte Zeiten.

Marsch und Polka wechselten sich im zweiten Teil der Schwäbische Alb Musikanten ab, wobei Klassiker wie der Strohwitwer von Blasmusiklegende Ernst Mosch nicht fehlen durften. Warmer Egerländer Sound ging bei dem Stück "Späte Liebe" ins Herz der Musikfreunde und mit dem "Montana-Marsch" landete nicht nur der Allgäuer Komponist Heinz Herrmanndörfer einen echten Kracher. Wohl kaum ein anderes Stück hätte zum krönenden Abschluss besser gepasst als "Auf Wiedersehen bei Blasmusik". Dass auch heuer zahlreiche Spender durch ihr "Notenblätter-Sponsoring" die dargebotene Konzertvielfalt ermöglichten, erfreute Vorstandschaft, Musiker und Konzertgäste gleichermaßen.

Der 88-Jährige Josef Freudigmann könnte von all den Konzerten, die er in den vergangenen 75 Jahren erlebt hat, sicherlich mehr als ein Lied singen. Als junger Bursche trat er am 1. Januar 1937 in den Musikverein ein und hält ihm seither die Treue. Eine Leistung, die sicherlich nicht alle Musiker schaffen und deshalb eine ganz besondere Ehre durch den Vorsitzenden Martin Maier verdient hat. Für seine langjährige Treue wurde Freudigmann mit der Ehrennadel in Gold samt Diamant ausgezeichnet.

Dass sich nicht nur betagte Musiker für die Blasmusik begeistern, belegten die Zahlen, die Karl-Heinz Herthorn vom Blasmusikverband Neckar-Alb zur Ehrung mitbrachte. Auf rund 6300 Musiker könne der Verband derzeit blicken, darunter 2700 Mitglieder unter 18 Jahren.

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