Vertreterversammlung Volksbank: Die Weichen für die Zukunft werden jetzt gestellt

Münsingen / Von Reiner Frenz 27.06.2018

Mit Spannung war die Vertreterversammlung der Volksbank Münsingen am Dienstagabend in der Alenberghalle erwartet worden. Und die rund 140 erschienenen Vertreter sollten nach knapp zweieinhalb Stunden wieder mit einigen Neuigkeiten den Heimweg antreten. Immer noch geht es bei der Volksbank auch um die Aufarbeitung der turbulenten Vergangenheit. Vorstandsmitglied Andreas Deiß, der seit Ende 2017 Nachfolger des aus Gesundheitsgründen ausgeschiedenen Bruno Ragg ist, erinnerte daran, dass das Landgericht Tübingen im August die Klage gegen die ehemaligen Aufsichtsratsmitglieder abgewiesen hatte.

Der Vorstand habe sich in der Folge für den Verzicht auf Rechtsmittel entschieden. Eine Fortführung des Verfahrens mit ungewissem Ausgang hätte bis zu fünf Jahre gedauert,  Mehrkosten verursacht, weitere Negativberichte gebracht. Es sei an der Zeit, einen Schlussstrich zu ziehen, pflichtete ihm Aufsichtsratsvorsitzender Werner Hagmaier bei. Man dürfe nicht vergessen, dass das ehemalige Aufsichtsratsgremium über Jahre viel Kraft und Zeit investiert habe. Noch nicht beendet ist hingegen der Rechtsstreit gegen den einstigen Vorstandssprecher Werner Leichtle. Seit Monaten warte man auf die Urteilsverkündung, so Hagmaier.

Vorstandsmitglied Christian Bückle sprach in seinem Bericht von einem insgesamt zufrieden­stellenden Geschäftsjahr. Die Rahmenbedingungen hätten sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert. Zum einen durch den enormen Verfall der Zinsen, was zum Rückgang des Zinsergebnisses führe. Die Politik der Europäischen Zentralbank schade vor allem kleineren Banken, die den Mittelstand mit Krediten versorgen. Es sei eine baldige Zinserhöhung erforderlich, forderte Bückle.

Die am häufigsten besuchte Geschäftsstelle der Volksbank sei die Homepage der Bank. Das Mobile Banking sei weiter auf dem Vormarsch, zugleich wachse aber auch der Bedarf nach umfassender persönlicher Beratung. Eine Folge aus dieser Entwicklung sei die Anpassung der Filialstruktur mit der Schließung von Filialen. „Wir bekennen uns aber ausdrücklich zu den Regionalgeschäftsstellen“, bekräftigte Bückle.

Die Volksbank stehe unter Veränderungsdruck. Es habe 2017 viele Prüfungen gegeben, jeder Stein sei zweimal umgedreht worden. Man habe die Innenrevision durch Einstellung von Dr. Jochen Stiehle gestärkt, stark in die Fortbildung von Mitarbeitern investiert. Bückles Fazit: „Wir müssen uns den veränderten Bedingungen anpassen und dürfen nicht einfach zuwarten“.

Andreas Deiß ging auf die konkreten Zahlen (siehe Kasten) ein. Er betonte, dass man bei der Bearbeitung der Problemkredite bis Ende des Jahres einen wesentlichen Schritt nach vorne machen werde. Deren Zahl sei überdurchschnittlich hoch, was aus der Vergangenheit herrühre. Unter dem Strich sei man mit der Entwicklung 2017 zufrieden. Man weise eine gute Finanz- und Vermögenslage auf. Der noch hohe Verwaltungsaufwand müsse jetzt stark reduziert werden.

Insgesamt 18 Mal ist der Aufsichtsrat 2017 zusammengekommen, berichtete Werner Hagmaier. Im Gremium gibt es eine Veränderung: Stefan Huber scheidet nach Ablauf seiner Wahlzeit aus. Das Mandat wird nicht wieder besetzt. Wieder gewählt wurden am Dienstag Albrecht Müller, Markus Stoll und Robert Vollmayer.

Der Jahresgewinn von 781 000 Euro wandert zum großen Teil (627 000 Euro) in die Rücklage. An die Mitglieder wird zudem eine Dividende von zwei Prozent (153 578 Euro) ausbezahlt.

Manfred Führinger verlas den Prüfbericht des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes. Er erklärte, dass die von der Volksbank eingeleiteten Maßnahmen geeignet seien zur Stabilisierung der Bank und zur Behebung der weiterhin festgestellten Mängel: „Das ist aber mit einer Menge Arbeit verbunden. Zu beneiden sind weder Vorstand noch Aufsichtsrat“. Beanstandungen gab es auch 2017. So liege das Betriebsergebnis deutlich unter den Vergleichswerten. Die Anforderungen der Bankenaufsicht beim Kreditgeschäft seien nur mit Einschränkungen beachtet worden. Bemängelt wurde die Quantität der Personalausstattung. Von den zehn höchsten Krediten würden neun auf schlechte Bonitätsklassen entfallen. Führinger: „Der Ball liegt jetzt im Spielfeld des Vorstandes, der gehalten ist, die Mängel zeitnah abzustellen“.

Die Jahresbilanz der Volksbank in Zahlen

Die Bilanzsumme betrug 2017 378,6 Millionen Euro (2016: 370 Mill.). Das betreute Kundenvolumen belief sich auf 727,4 Millionen Euro (710). Forderungen an Kunden: 222,3 Millionen Euro (231,6). Wertpapiere: 109,3 Millionen Euro (91,8); Sachanlagen: 2,6 Millionen Euro (2,9); Einlagen von Kunden: 307,7 Millionen Euro (299,6) – davon Spareinlagen: 137,3 Millionen Euro (137,4), Sichteinlagen: 155,2 Millionen Euro (142,9), befristete Einlagen: 15,2 Millionen Euro (19,3). Bilanziertes Eigenkapital: 41,4 Millionen Euro (40).

Erzielt wurde ein Zinsüberschuss von 8,85 Millionen Euro (9,4). Der Provisionsüberschuss betrug 2,3 Millionen Euro (2,09). Die Verwaltungsaufwendungen schlugen mit 8,8 Millionen Euro zu Buche (8,9). Es gab einen Jahresüberschuss von 780 000 Euro (762 000). rene

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