Bürgermeister Reinhold Teufel hatte kurzerhand zu einer Informationsveranstaltung zum Thema "Flurneuordnung" eingeladen. Eine Expertenrunde informierte über den aktuellen Stand und notwendige Maßnahmen. Außer einigen wichtigen Referenten waren sechs Mitglieder des Gemeinderats und sechs Obmänner der Ortsverbände des Landesbauernverbandes mit von der Partie.

Ernst Braun, der Leiter des Kreisamts für Landentwicklung und Vermessung, stellte gleich zu Beginn klar: "Erste Untersuchungen im Bereich der Gemeinde Pfronstetten ergaben viel Potenzial für eine Flurneuordnung." Denkbar sind drei Verfahren und zwar für Geisingen/Huldstetten mit 1400 Hektar und 700 Hektar landwirtschaftlicher Fläche, für Aichstetten/Tigerfeld mit 1555 Hektar und 931 Hektar landwirtschaftlicher Fläche sowie für Pfronstetten mit 1047 Hektar und 628 Hektar landwirtschaftlicher Fläche. Beim Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung Stuttgart wurde die Aufnahme in das Arbeitsprogramm 2012 beantragt.

Weil aber seit dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg die Flurneuordnung "auf dem Prüfstand" ist, weil eine stärkere Ökologisierung gefordert wird, ist der Fortgang unsicher. Jetzt wurde bekannt, dass gewisse Vorleistungen notwendig werden und deutlich mehr Bürgerbeteiligung eingefordert wird. Laut dem Leiter des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung Reinhard Wagner hat ein Arbeitskreis zur Ökologisierung der Flurneuordnung nach vier Sitzungen Kriterien vorgelegt. In einem ersten Schwerpunkt soll eine deutlich breitere Bürgerbeteiligung mehr Transparenz und mehr Akzeptanz bringen. Außer den Grundstückseigentümern sollen alle interessierten Bürger teilhaben können und auch eine Internet-Begleitung möglich sein.

Mit der agrarischen Flurneuordnung soll in einem zweiten Schwerpunkt künftig zwingend ein ökologischer Mehrwert entstehen. Diese zusätzlichen ökologischen Maßnahmen sollen vor den Aufnahmen ins Arbeitsverfahren bereits sichergestellt werden. Auch die Träger von Maßnahmen für bestimmte Aufgaben sollen festgelegt werden. In weiteren Detailfragen ging es um den Wegebau. Dieser erfolgt weiterhin nach individuellen Erfordernissen, das bedeutet, dass wichtige Hauptwirtschaftswege standardmäßig mit einer Fahrbahnbreite von 3,5 Metern gebaut werden.

Nach den Aussagen von Reinhard Wagner wird an den Grundzuschüssen der Flurneuordnung nicht gerüttelt. Neu ist aber der Ökozuschlag für den ökologischen Mehrwert. Die Förderung wird gewährt, wenn die Nachhaltigkeit sichergestellt ist. Das heißt, dass notwendige Landschaftspflegemaßnahmen langfristig unterhalten und gepflegt werden müssen. Auch ein Monitoring wurde eingeführt: Nach der Übergabe der Flurstücke wird geprüft, ob die ökologische Ressourcenanalyse von der Ersterfassung bis zum Abschluss des Verfahrens durchgängig eingehalten wurde. Bei Erfüllung dieser Bedingungen kann die Flurneuordnung erfolgreich ausgeführt werden.

St. Johanns Bürgermeister Eberhard Wolf berichtete über fünf in den Jahren 1985 bis 2012 durchgeführte Flurneuordnungsverfahren. Er sagte ganz klar: "Es wurden über 2600 Hektar Fläche neu geordnet und die Erfahrungen sind alle positiv und sehr gut. Es wurde eine Entwicklung eingeleitet, welche die Gemeinde allein nie geschafft hätte. Natur und Ökologie waren immer im Blickfeld. Profitiert haben die Gemeinde, die Landwirte, die Bürger, der Tourismus und die Natur."

Er führte weiter aus, dass die örtlichen Vertreter das erwartete Vertrauen voll gerechtfertigt hätten. Im Lauf der Jahre sei ein deutlicher Wandel in der Landwirtschaft eingetreten, mit den Flurneuordnungsmaßnahmen wurden für junge Landwirte neue Perspektiven geschaffen.

Im Verlauf der nachfolgenden Diskussion wurden weitere Grundsätze angesprochen wie Größenordnung und Veränderungsmöglichkeiten des Landabzuges. Auch der Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler brachte aus seiner Kenntnis und Mitarbeit im Landtagsausschuss für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz positive Argumente mit ein. Bürgermeister Teufel war nach dem Informationsgespräch von den Vorteilen der Flurneuordnung überzeugt. "Wir werden die Idee offen weiter verfolgen und wünschen uns, dass alle Gesichtspunkte in das Verfahren eingebracht werden."