Steingebronn Verdichtung und Feuchtigkeit müssen stimmen

Steingebronn / Von Maria Bloching 05.06.2018

Armin und Annegret Weber haben viele hungrige Tiermäuler zu stopfen. Sie beherbergen 120 Kühe und weibliche Nachzucht in ihrem lichtdurchfluteten Freiluftstall in Steingebronn und sind auf bestes Futter angewiesen. Denn gutes Futter bringt Energie für die Milchproduktion und sorgt für gesunde Tiere.

Die Landwirte legen Wert auf ein gleichmäßiges Grundfutter, dessen Basis eine Silage aus Gras und Mais bildet, die mit Melasse aus Zuckerrüben und Getreideschrot aus Weizen und Gerste gemischt wird. Beim Silieren geht es um einen Konservierungsvorgang durch natürliche Milchsäurebakterien, vergleichbar mit Sauerkraut. „Unsere Kühe können dadurch jeden Tag die gleiche Energiedichte aufnehmen, das hält sie gesund“. Silage kann vom Kuhmagen gut verdaut werden und führt zu einer hohen Milchleistung, einem schnellen Aufwuchs und zu einer guten Mastleistung.

Rund sechs Tonnen Futtergemisch werden pro Tag verfüttert, wobei auf wertvolle Inhaltsstoffe wie Rohfaser, Eiweiß, Zucker, Kalzium und Phosphor geachtet wird. Dass all dies in einer Silage enthalten ist, lassen sich Armin und Annegret Weber nach jedem Siloschnitt von einem Labor bei einer Futteruntersuchung bestätigen. „Mein Mann sagt immer, er manage und trainiere eine Sportlermannschaft und müsse dafür sorgen, dass sie fit und gesund bleibt, um beste Leistung zu erbringen“, lacht Annegret Weber. Pro Kuh und Tag melkt sie derzeit rund 28 Liter: „Das zeigt mir, dass es der Kuh gut geht“.

Doch so etwas kommt nicht von ungefähr. Um eine hochwertige Grassilage zu erhalten, müssen die Bedingungen perfekt sein. Das fängt bei der Schnitthöhe an und hört beim Wetter auf. Und auf das, so hat das Ehepaar die Erfahrung gemacht, kann man sich auf der Alb nicht immer verlassen. Eigentlich wären die Wiesen jetzt schon eine Woche früher reif zum Mähen gewesen, doch die unstabile Wetterlage ließ ein Silieren nicht zu. Im April haben die Bauern hierzulande die Trockenheit mit Sorge zur Kenntnis genommen. Doch Wärme und Regen im Mai ließen das Gras in die Höhe schießen, sodass es nun reichlich zu ernten gibt. Allerdings ist man beim Silieren zumindest auf zwei Tage stabiles und vor allem trockenes Wetter angewiesen.

Um für ein gutes Anwelken zu sorgen, hat Armin Weber bereits früh am Freitagmorgen auf insgesamt 45 Hektar Gras und auf fünf Hektar Kleegras gemäht. Unter Mithilfe seiner Söhne Tobias und Timo wurde das Gras mit dem Kreisler großflächig verteilt und schließlich mit dem Schwader auf großen Schwaden zusammengebracht. Die Feldliegezeit sollte so kurz wie möglich aber gerade lange genug gehalten werden, denn immerhin ist ein Trockensubstanzgehalt von 33 Prozent erstrebenswert. „Beim Einmähen enthält Gras über 80 Prozent Wasser, das wird durch Anwelken heraus getrocknet. Um eine hohe Qualität bei der Silage zu erreichen, muss ganz genau gearbeitet werden. Sie darf nicht zu nass und nicht zu trocken sein“, erklärt Christoph Schrade vom Kreislandwirtschaftsamt. Ist Silage alt oder nass, fängt sie an zu schimmeln und zu stinken, der Energiegehalt sinkt dadurch deutlich. Deshalb ist eine gut aufeinander abgestimmte Technik auch entscheidend für ein Gelingen der Silage. Mit sieben Mann und einer hohen Schlagkraft wurde gleich am Tag nach dem Schnitt die Silage eingebracht, wobei das Einhalten der Silierkette sehr wichtig waren. „Wir setzen Maschinen gezielt ein und haben Aushilfskräfte sowie einen Lohnunternehmer aktiviert. Anders geht es nicht“, so Armin Weber. Der Häcksler auf dem Feld sorgte gleich für die richtige Schnittlänge und füllte Wagen um Wagen, die dann in das Fahrsilo beim Hof in einer gleichmäßigen Schicht abgeladen wurden.

Der Verdichtungsprozess ist entscheidend für die Herstellung einer hochwertigen Silage. Ein Schlepper, der sowohl die Silierwalze als auch ein zusätzliches Gewicht mit sich trug, sorgte für hohen Druck und mit langsamer Fahrgeschwindigkeit mussten mehrere Überfahrten je Fahrspur erfolgen. „Die Luft muss raus, sonst kann das Gras nicht richtig vergären“, beschreibt Annegret Weber den Siliervorgang. Besser, die Silierkette wartet kurz, als dass man das Risiko einer Nacherwärmung in Kauf nimmt. Diese sogenannte „Anaerobegärung“ erreicht man durch sorgfältiges Einschlagen mit Folien und Abdichtung mit Sandsäcken. Dann können die Bakterien sauber arbeiten. Bereits in den ersten Stunden nach Beendigung des Einsilierens beginnt der Gärprozess, der bis zu sechs Wochen dauern kann. Erst dann darf die Silage geöffnet und verfüttert werden. „Wir brauchen also immer Reserve“, sagt Armin Weber. Denn er füttert das ganze Jahr über Silage mithilfe eines ausgeklügelten Futterrationssystems aus seinen insgesamt fünf Fahrsilos. Der erste Schnitt von insgesamt drei – in Ausnahmefällen vier – pro Jahr bringt das meiste Futter ein. Drei Silos werden mit Grassilage gefüllt, zwei Silos mit Maissilage. Dieser erste Schnitt reicht vier bis fünf Monate. „Eine gute Silage muss schmecken wie Tabak. Man muss sich quasi drin wälzen können“, lacht der Landwirt. Wenn Silage stinkt, ist sie von keiner guten Qualität.

Die kräuterreichen Wiesen auf der Alb bieten die beste Grundlage. Kommt dann noch gutes Wetter, entsprechende Technik und eine kluge Organisation dazu, gelingt der Siliervorgang: „Und damit hat man dann Erfolg im Stall“, ist Weber überzeugt. Früher wurde in Holzhochsilos siliert, diese Zeiten sind endgültig vorbei. „Es gab jedes Jahr Todesfälle beim Öffnen des Silos aufgrund des Kohlenmonoxids, außerdem waren diese Silos zu klein, undicht und mit einer aufwändigen Befüllung verbunden“, erklärt Schrade. Entferntere, kleine Grünlandflächen werden auch mit Siloballen geerntet, dieser Technik bedienen sich auch Kleinbetriebe. Für den Betrieb Weber käme das im Hinblick auf Wirtschaftlichkeit und Müllaufkommen nicht in Frage.

Landwirtschaftsserie: Silage von Grünfutter

Lebensmittel werden zwar täglich benötigt, doch zumeist belässt es der Verbraucher mit dem Einkauf im Supermarkt und denkt nicht über diejenigen nach, die Ausgangsprodukte für unsere Nahrungsmittel erzeugen. Mit einer Serie möchte unsere Zeitung Einblicke in die Arbeits- und Produktionsbedingungen moderner Landwirtschaft bieten. Das Themenspektrum ist letztlich so vielfältig wie der Beruf des Landwirts. Heute geht es um die Grassilage. rot

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