Die Stadt Reutlingen passt nicht in den Landkreis: So lautet unterm Strich das Credo im Ergebnisbericht der Stadt, der den Antrag auf Auskreisung mit Daten unterfüttern soll.

Aus der Sicht der Stadt belegen dies unter anderem die Einwohnerzahl, die Höhe der Kreisumlage und vor allem die Vielzahl der Aufgaben, die Reutlingen in seiner Rolle als Großstadt wahrnimmt: "Dies geschieht freiwillig und auf eigene Kosten ohne dafür einen finanziellen Ausgleich zu bekommen".

Im Gegenzug dazu müsse sich die Stadt im gleichen Umfang an der Kreisumlage beteiligen wie andere Gemeinden auch. Reutlingen steuert 43 Prozent zur gesamten Kreisumlage bei, das entspricht einem Anteil von 18,1 Prozent an den Gesamteinnahmen des Landkreises. Letztlich, so heißt es im Ergebnisbericht, zahlt die Stadt Reutlingen im Vergleich zur Einwohnerzahl drei Millionen Euro mehr in die Kreisumlage.

Das hängt freilich unmittelbar mit der Steuerkraftsumme zusammen, die in Reutlingen bei 1300 Euro liegt und damit um gut 80 Euro höher als kreisweit im Schnitt. Metzingen (1364 Euro) und Dettingen (1423 Euro) rangieren in der Steuerkraft noch vor Reutlingen und zahlen demnach ebenfalls mehr Kreisumlage als dies ihrer Einwohnerzahl entspricht.

Die Einwohnerzahl selbst gilt der Stadt als Beleg dafür, dass sie nicht mehr in den Kreis passt. 40,4 Prozent der Kreisbewohner leben in der Stadt Reutlingen. Das ist im Vergleich zum Nachbarkreis Tübingen, dort sind es 39,5 Prozent, kein großer Unterschied. Bereits bei der Kreisreform 1973 hatte der Anteil der Reutlinger Einwohner am Gesamtkreis 40,6 Prozent betragen. Und während die Einwohnerzahl von Tübingen laut Prognose des Statistischen Landesamtes noch bis Ende des kommenden Jahrzehnts wachsen wird, ist in Reutlingen bereits ab 2021 mit einem leichten Bevölkerungsrückgang zu rechnen.

Wie sieht es nun mit den Aufgaben einer Großstadt aus? Im Ergebnisbericht klagt die Stadt darüber, dass sie eine Vielzahl von freiwilligen Leistungen erbringe, die ins Portfolio eines Stadtkreises gehörten. In der Summe handle es sich um 13 Millionen Euro, die aus diesem Grund jährlich ausgegeben werden müssten. Pro Einwohner wende Reutlingen 1678 Euro auf, um ihren Aufgaben nachzukommen. In Metzingen liege dieser Betrag bei 1414 Euro, kreisweit im Schnitt bei 1054 Euro. Dazu gehören beispielsweise das städtische Theater, das philharmonische Orchester, das soziokulturelle Zentrum, die Stadthalle, vier Sonderschulen, die quartiersbezogene Sozialplanung, Zuschüsse für ambulante Pflegeinfrastruktur oder eine Berufsfeuerwehr.

Abgesehen davon, dass letztgenannte Einrichtung in einer Großstadt gesetzlich vorgeschrieben ist, resultieren die anderen Aufgaben ganz überwiegend aus dem Status eines Oberzentrums, den der Regionalverband der Stadt Reutlingen zusammen mit Tübingen zugewiesen hat. "Das Oberzentrum dient als Schwerpunkt für Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und die öffentliche Verwaltung", heißt es im Regionalplan. Das als "eigenständiger Pol" innerhalb der europäischen Metropolregion Stuttgart geführte Oberzentrum Reutlingen-Tübingen genießt Privilegien bei der Standortvergabe und somit gewichtige wirtschaftliche Vorteile, die sich in Einnahmemöglichkeiten auf Seiten der Gewerbesteuer niederschlagen.

In diesem Punkt erweist sich die Stadt Tübingen in den vergangenen Jahren als erfolgreicher: Dort ist die Steuerkraftsumme im vergangenen Jahr um 130 auf nunmehr 1505 Euro gestiegen, während in Reutlingen im selben Zeitraum ein Rückgang um knapp 30 Euro zu verzeichnen war. In die Steuerkraftsumme fließen unter anderem auch Grund- und Gewerbesteuern als originäre Einnahmequellen der Gemeinden.

Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg beziehungsweise die Charakteristik der Region ist nach einem vom Landkreis in Auftrag gegebenen Gutachten der Prognos AG der hohe Verflechtungsgrad in der Region. Reutlingen ist als Dienstleistungszentrum auf die Einpendler angewiesen.

Auf der anderen Seite thront die Stadt mit Blick auf verschiedene wirtschaftliche Indikatoren im Vergleich mit anderen Kreisgemeinden keineswegs einsam an der Spitze. So ist die Arbeitsplatzdichte in Metzingen und Dettingen pro 100 Einwohner höher und der Zuwachs seit 2005 fiel mit 5,1 Prozent in Reutlingen deutlich geringer aus als im Landkreisschnitt (10,1 Prozent).

Bei der Fertigstellung von Bauobjekten ergibt sich für Reutlingen ein besonders niedriger Wert und auch das Kaufkraftniveau liegt in Reutlingen leicht unterhalb des Durchschnitts im Kreis.

Großstädtische Aufgaben, die Reutlingen in seiner Rolle als Oberzentrum erfüllt, werden jedoch auch bei den Schlüsselzuweisungen des Landes berücksichtigt. Diese lagen im Haushaltsjahr 2013 in Reutlingen bei immerhin 54,7 Millionen Euro. Das entsprach 17,7 Prozent der gesamten Einnahmen. Für die Höhe ist einerseits die Steuerkraftmesszahl entscheidend. Diese errechnet sich aus dem Grundsteuer- und Gewerbesteuernettoaufkommen, den Anteilen der Gemeinde an der Einkommens- und Umsatzsteuer sowie den Zuweisungen innerhalb des Familienleistungsausgleichs. Auf der anderen Seite steht die Bedarfsmesszahl, errechnet aus der Einwohnerzahl und einem so genannten "Grundkopfbetrag", den das Finanzministerium alljährlich neu festsetzt. Dieser erhöht sich je nach Einwohnerzahl. Genau dort berücksichtigt das Land also, dass die Aufgaben von Städten im Verhältnis zu ihrer Größe überproportional zunehmen.