Engstingen Teil der dörflichen Struktur

Das Unterstützungszentrum Engstingen ist eröffnet. Von links: Architektin Silja Hirning, Reinhard Wolf (Immobilienmanagement BruderhausDiakonie), Architekt Thomas Bamberg, Fachbereichsleiter Markus Rank und Bereichsleiterin Dorothee Damaschke.
Das Unterstützungszentrum Engstingen ist eröffnet. Von links: Architektin Silja Hirning, Reinhard Wolf (Immobilienmanagement BruderhausDiakonie), Architekt Thomas Bamberg, Fachbereichsleiter Markus Rank und Bereichsleiterin Dorothee Damaschke. © Foto: Maria Bloching
Teil haben / Von Maria Bloching 23.06.2018

Teil sein“ – mit dem Unterstützungszentrum in Engstingen bleibt die BruderhausDiakonie ihrer Philosophie treu, wonach Teilhabe ermöglicht werden soll. 16 Einzelappartements sind in zwei getrennten Gebäudeteilen für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Menschen mit geistigen Behinderungen entstanden. Dazu noch ein Gebäudeteil zur gemeinschaftlichen Nutzung, in dem künftig Angebote zur Tagesstruktur und zur Beschäftigung stattfinden können. In diesem Bereich lassen sich auch tagsüber Menschen betreuen, die wegen ihrer Behinderung oder Krankheit nicht in der Lage sind, eine Werkstatt zu besuchen.

„Von einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung bis hin zum Erlernen von Selbständigkeit ist alles möglich“, machte Achim Dochat, Leiter des Geschäftsfeldes Sozialpsychiatrie der BruderhausDiakonie, deutlich. Entstanden ist kein klassisches Wohnheim, sondern ein Appartementhaus für eine ganz individuelle und bedarfsgerechte Betreuung.

Die Bamberg-Architektur stand vor der Aufgabe, Visionen und Ziele in einen spürbaren Raum umzuwandeln. Drei aneinander gestellte Körper mit Pultdächern dienen der Behindertenhilfe, der Sozialpsychiatrie und der Tagesstruktur zur ambulanten Begleitung von psychisch bedürftigen Menschen. Räume für „Rückzug und Geborgenheit sowie Öffnung und Kommunikation“, beschrieb Architekt Thomas Bamberg.

Die Wohnungen sind größtenteils auf den Grünbereich ausgerichtet und werden mit einem separaten Eingang im rückwärtigen Bereich erschlossen, ein Aufzug ermöglicht die barrierefreie Nutzung der beiden Einheiten. Ein besonderes Farbkonzept ordnet das klar strukturierte Gebäude in die einzelnen Gruppen: „Jede Einheit ein kleines Haus im großen Haus“.

Zwei eigene Aufenthaltsbereiche ermöglichen Kommunikation und gemeinschaftliches Leben, sie können auch von Vereinen und Gruppen aus dem Ort genutzt werden.

2,2 Millionen investiert

Insgesamt hat die BruderhausDiakonie 2,2 Millionen Euro in dieses Neubauprojekt investiert. Vom Land gab es einen Zuschuss in Höhe von 270 000 Euro und von der Aktion Mensch in Höhe von 380 000 Euro. Bereits vor sieben Jahren beschlossen Vorstandschaft und Stiftungsrat der BruderhausDiakonie den Bau dieses Unterstützungszentrums, vor drei Wochen sind die ersten Bewohner von Buttenhausen in ihre Einzelappartements gezogen.

„Zentral, mitten in der Gesellschaft“, wie Lothar Bauer, Vorstandsvorsitzender, betonte. Klienten aus Buttenhausen hätten ihre gewohnte Heimat aufgegeben und seien bereit, hier eine neue zu finden. Ein Veränderungsprozess für den Standort Buttenhausen, aber auch für die Gemeinde Engstingen, die sich geöffnet und dieses Projekt unterstützt hat.

Bürgermeister Mario Storz beschrieb diesen Neubau als eine städtebauliche Bereicherung, die den Abschluss der Ortskernsanierung durch die Schließung einer Baulücke darstellt. „Wahrlich ein gutes Ding“, lobte er und meinte, dieses Haus könne eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. „Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen werden Teil der örtlichen Gemeinschaft und der dörflichen Struktur“.

Wichtig sei, dass sie nun aktiv präsent seien und die Berührungs- und Anknüpfungspunkte in der Gemeinde nutzen würden. Sozialdezernent Andreas Bauer vom Landratsamt Reutlingen ging auf den Entwicklungsprozess der BruderhausDiakonie bezüglich der Dezentralisierung ein.

Der Standort Buttenhausen hätte eine lange Tradition in der Behindertenhilfe, hier fühlten sich Menschen wohl: „Sie sind im Dorf integriert und freuen sich über attraktive Wohn- und Arbeitsplätze“, so Bauer.

Dennoch sei es wichtig und richtig neue Angebote zu schaffen: „Der bisherige Standort wurde modernisiert und gestärkt, aber auch andere Standorte wurden aufgebaut. Mehr als 80 Plätze konnten von Buttenhausen abgezogen und woandershin verlegt werden“.

So auch die 16 Plätze ins neue Unterstützungszentrum Engstingen, das ein innovativer und inklusiver Begegnungsstandort und eins der ersten Projekte sei, die vom Land mit einem Förderzuschlag in diesem Bereich bedacht wurden.

Dies wohl vor allem deshalb, weil sich die BruderhausDiakonie laut Jochen Ziegler, Leiter der Abteilung Behindertenhilfe und Psychiatrie im Diakonischen Werk Württemberg, bereits früh auf die veränderten Bedarfe eingestellt hat. Vorbei die Zeiten, in denen alle Klienten im selben Programm und in der gleichen Struktur unterkommen oder umziehen müssen, weil sich ihr Unterstützungsbedarf geändert hat. Für ihn steht fest: „Diese Appartementkonzeption ist für die Zukunft gebaut“.

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