Die Netze BW, vormals EnBW Regional AG, investiert fast eine halbe Million Euro ins 20 000-Volt-Mittelspannungsnetz auf dem Gebiet der Stadt Hayingen. Die Verlegung der Erdkabel soll in einigen Wochen abgeschlossen sein, teilte das Unternehmen gegenüber der Presse mit. Dann sollen Erdkabel zwischen Münzdorf und Ehestetten die Versorgungssicherheit nachhaltig erhöhen. Die Energiewende macht sich auch auf der Alb seit Jahren bemerkbar: Eine Vielzahl von Biogas- und vor allem Fotovoltaikanlagen prägen nicht nur manche Ortschaft und manchen Landschaftsteile. Die stetig steigende Einspeisung dezentral erzeugten Stroms aus erneuerbaren Quellen stellt das Leitungsnetz auch vor immer neue Herausforderungen. Daher hat die Netze BW im Spätherbst 2014 begonnen, vier Kilometer Erdkabel vom Westrand von Münzdorf bis zum südlichen Ortsende Ehestettens zu verlegen. Dieses weist mit 300 Quadratmillimetern einen deutliche höheren Querschnitt und damit eine bessere Aufnahmekapazität als die bisherige Leitung auf. Erdkabel versprechen außerdem generell eine deutlich höhere Versorgungssicherheit als Freileitungen, bei denen Witterungseinflüsse wie Sturm oder Blitzschlag, aber auch Tiere Störungen verursachen können.

Die Trassenführung liege jedoch auch im Sinne der Einwohner im Süden Ehestettens sowie im Bereich Öschäcker und des Maxfelderhofes, so Hans Böhringer, Projektleiter bei der Netze BW. Bislang sind die drei Trafostationen vor Ort, in denen der Strom von 20 000 auf die für Hausanschlüsse erforderlichen 230 Volt umgespannt wird, lediglich im Stich versorgt. Zukünftig werden sie in die bei den Mittelspannungsnetzen gebräuchliche Ringstruktur eingebunden sein. Der entscheidende Vorteil: Im etwaigen Störungsfall können betroffene Verbraucher durch Umschaltmaßnahmen der Netze BW schnell wieder ans Netz genommen werden, meist lange bevor die Reparatur der schadhaften Stelle beginnt.

Mit dem Teilstück von Münzdorf bis zum Maxfelder Hof war Ende 2014 laut Hans Böhringer bereits knapp die Hälfte des Projekts fertiggestellt. Die Baumaßnahmen verlaufen überwiegend über freies Feld und werden größten Teils im Kabelpflugverfahren vorgenommen. Dabei schlitzt ein vorne spitz zulaufendes Pflugschwert den Boden in einer minimalen Breite und der nötigen Tiefe auf. Für diese hier zu verlegenden Kabelsysteme ist der Erdschlitz rund 50 Zentimeter breit und einen Meter tief. Die Stromkabel, die hinten am Kabelpflug mitgeführt werden, gleiten in den Erdschlitz und parallel dazu rieselt über eine Art Trichter feiner Sand um die Kabel, sodass diese in einem schützenden Sandbett zu liegen kommen. Wegen der geringen Breite des Schlitzes fällt das Erdreich, nachdem das Pflugschwert durchgezogen ist, fast von alleine wieder über den Stromkabeln zu.

Innerhalb der bebauten Gebiete, also vor allem im letzten Teilstück, das durch Ehestetten führt, werden die Erdkabel in offener Bauweise in den Gehwegen verlegt. Dieser Abschnitt ist ab Ende April vorgesehen. Lediglich die Unterquerung der L 249 hatte eine Felsbohrung erforderlich gemacht. Als "sehr angenehm und kooperativ" lobte Hans Böhringer die erforderlichen Abstimmungen mit den betroffenen Anliegern.

Jeweils mehr als 40 Millionen Euro gibt die Netze BW in den Jahren 2014 und 2015 insgesamt für Netzbaumaßnahmen im Raum Oberschwaben und auf der Albhochfläche aus. Ein Großteil der Summe entfällt auf derartige Modernisierungen, die sehr oft im Zusammenhang mit stark gestiegenen Einspeisungen aus Solar- oder Biogasanlagen stehen. Der Abbau der, je nach Witterung, ab dem Frühjahr nicht mehr erforderlichen Freileitungen und Masten ist für die "vegetationsarme" Zeit, also im nächsten Winter vorgesehen.