Mittlere Alb Stahlrösser dampfen über die Alb

Mittlere Alb / JOACHIM LENK 02.04.2013
Wenn zwei alte Dampfloks gemeinsam über die Alb fahren, kommen Eisenbahnfreunde ins Schwärmen. Zwischen Münsingen und Trochtelfingen standen fast 900 Fotografen und Hobbyfilmer an den Gleisen.

Diese Jubiläumsfahrt mit den historischen Dampfrössern hatten die Eisenbahnfreunde Zollernbahn (EFZ) organisiert, die dieses Jahr das Schwabenalter erreicht haben.

Vor 40 Jahren hatten ein paar Eisenbahnbegeisterte im Raum Balingen/Tübingen den inzwischen auf rund 420 Mitglieder angewachsenen Verein gegründet. Zu einer Zeit, zu der die Deutsche Bundesbahn damit begann, ihre dampfenden Stahlrösser nach und nach aufs Abstellgleis zu stellen. Dampflokomotiven waren nicht mehr zeitgemäß und mussten modernen Diesel- und Elektroloks weichen. "Wir wollten die fast 140-jährige Tradition der Dampflokomotive in irgendeiner Form am Leben erhalten", erinnert sich Vereinsvorsitzender Klaus Bogenschütz. Und das ist ihm und seinen Mitstreitern in den vergangenen vier Jahrzehnten gelungen.

Bereits kurz nach der Vereinsgründung rollten die ersten EFZ-Sonderfahrten mit geliehenen Loks über das Netz der Zollern- und Schwarzwaldbahn. 1976 schnaufte dann die erste eigene Maschine "64 289" nach Schruns in Österreich. Reisen in andere Nachbarländer folgten. 1983 begannen die Mitglieder, einen regelmäßig stattfindenden Museumsbahnbetrieb einzurichten. Und zwar auf der Strecke der Hohenzollerischen Landesbahn (HzL) zwischen Kleinengstingen und Gammertingen. Anfangs mit der Lok 10 aus den 1950er Jahren. Hin und wieder wurde sie von der Gastlokomotive "24 009" des Vereins Einbahnkurier unterstützt. Inzwischen fuhren die Mitglieder auch zwischen Hechingen und Eyach sowie auf dem Schienennetz der Kochertalbahn Bad Friedrichshall-Jagstfeld-Ohrnberg, die der Württembergischen Eisenbahn-Gesellschaft gehört.

Zu dieser Zeit herrschte auf den Strecken der Deutschen Bundesbahn (DB) absolutes Dampfverbot für die schwarzen Giganten. Dampfsonderfahrten waren deshalb nur auf Privatbahnen erlaubt. 1993 hob die DB diesen Erlass wieder auf. Seit dieser Zeit sind Fahrten auf den Hauptbahnen wieder möglich.

Anfangs wurde an den EFZ-Fahrzeugen noch im Freien auf Ladegleisen gearbeitet und die Schreibarbeit zuhause von den Vereinsvorständen erledigt. Heute befinden sich Büros, Werkstatt und Lokschuppen im ehemaligen Bahnbetriebswerk in Rottweil. Dort haben die EFZ drei eigene Dampfloks stehen: die "01 519" aus dem Jahr 1936, die "52 7596" (1944) sowie die 1934 gebaute "64 289". Außerdem den roten Schienenbus "796 625", der seit 1956 unterwegs ist. Des Weiteren umfasst der Fuhrpark des Vereins noch 20 Reisezugwagen und Güterwaggons.

Vergangenen Samstag gab es anlässlich des Jubiläums eine Sonderzugreise, die morgens um 9.07 Uhr in Tübingen begann. Unter dem Motto "Preußen-Dampf trifft Badische Dampfloks im Schwabenland" ging es zuerst mit der Lok der Preußischen Staatsbahn "78 468" ("T 18") über Hechingen, Balingen, Albstadt-Ebingen und Sigmaringen nach Schelklingen. Dort wurde die "T 18" abgekoppelt und die badischen Dampflokomotiven "58 311" ("G 12") und "75 1118" ("VIc") angehängt. Die beiden Stahlrösser am Zuganfang brachten die drei Reisezugwagen und den Speisewagen mit den 220 Fahrgästen sicher nach Münsingen, wo reichlich Wasser nachgetankt wurde.

Danach ging es weiter über Kleinengstingen und Gammertingen nach Hechingen, von wo aus am Abend die Heimreise nach Tübingen angetreten wurde. Unterwegs gab es zur Freude der mehreren Hundert Eisenbahnfans in den Waggons und entlang der Strecke immer wieder Fotohalte und sogenannte Scheinanfahrten. Allein in Offenhausen beobachteten mehr als 300 Menschen die beiden einfahrenden dampfenden Stahlrösser. Richtig gefeiert haben die Eisenbahnfreunde Zollernbahn am Ostersonntag und am Ostermontag in und um den Bahnhof in Gammertingen mit einer großen Dampflokomotivenschau und einer Ausstellung. In Erinnerung an die dortige legendäre Jubiläumsveranstaltung zum zehnten Geburtstag an Ostern 1983, als damals sage und schreibe fast 30 000 Besucher zu den Feierlichkeiten strömten. Dieses Mal zählten die Veranstalter nicht ganz so viele Eisenbahnfans. Nach Auskunft des stellvertretenden Vorsitzenden, Michael Stumm, sollen es dieses Mal "nur" ein paar Tausend gewesen sein. Einige davon ließen es sich nicht nehmen, von Kleinengstingen, von der Haid und von Trochtelfingen aus mit der 92-jährigen Dampflok "75 1118" der Ulmer Eisenbahnfreunde zu den Festlichkeiten anzureisen.