Dapfen Soziale Absicherung der Bäuerinnen im Mittelpunkt

Die Ortsvorsitzenden-Tagung stand unter dem Thema "Vorsorgen statt Sorgen". Foto: Bloching
Die Ortsvorsitzenden-Tagung stand unter dem Thema "Vorsorgen statt Sorgen". Foto: Bloching
MARIA BLOCHING 26.10.2012
Um die "Soziale Sicherung von Frauen" ging es vorgestern bei der Tagung der Landfrauen im Landkreis Reutlingen. Damit im Ehrenamt auch stets die Motivation bleibt, entdeckten sie für sich die Kraft des Lachens.

Viele der Frauen, die sich im Landfrauenverband Reutlingen als Ortsvorsitzende ehrenamtlich engagieren, haben zu Hause einen eigenen landwirtschaftlichen Hof, der von der Familie oft schon über Generationen hinweg betrieben wird. Jede Arbeitskraft ist wichtig und sorgt für ein sicheres Einkommen.

Was aber passiert, wenn der Bauer oder die Bäuerin krankheitsbedingt ausfällt? Der einst solide Betrieb kann nur auf eigene Faust weiterbetrieben werden, wenn im Vorfeld ein Betreuer für diesen Fall festgelegt worden ist. Dafür bedarf es einer Betreuungsverfügung, ansonsten wird von Rechts wegen ein Berufsanwalt eingesetzt.

"In rund 30 Prozent solcher Fälle gibt es Betreuer außerhalb der Familie und der Verwandtschaft", berichtete Nicole Spieß, Rechtsanwältin beim Landesbauernverband Baden-Württemberg. Sie führte die Notwendigkeit einer formlosen Betreuungsverfügung und einer Vorsorgevollmacht vor Augen, auf die selbst beim Vorliegen einer Generalvollmacht nicht verzichtet werden sollte und die detaillierte Festlegungen ermöglichen kann. "Der landwirtschaftliche Betrieb gehört zum Leben und muss deshalb auch abgesichert werden", betonte Spieß. Jedem Einzelnen könne etwas passieren, sodass er nicht mehr in der Lage sein kann, für sich selbst zu sorgen.

Nur Eltern von minderjährigen Kindern könnten diese rechtswirksam vertreten, alles andere bedarf einer Rechtserklärung, auch die Ermächtigung von Ehepartnern. "Vorsorgen statt Sorgen" - so lautete deshalb das Motto der Ortsvorsitzenden-Tagung, die vorgestern in Dapfen stattfand. Denn dem Landfrauenverband ist es wichtig, dass Frauen sozial abgesichert sind und dass sie sich für eine bessere Familien- und Altersabsicherung stark machen.

So bietet das umfangreiche und anspruchsvolle Weiterbildungsprogramm von Verband und Kreislandwirtschaftsamt auch im nächsten Jahr wieder zahlreiche Möglichkeiten, sich über unterschiedliche Themen aus den Bereichen Leben, Arbeiten, Gesundheit und Kunst zu informieren und sich selbst zu engagieren, wie Kreisverbandsvorsitzende Elsbeth Laux betonte. Sie verwies auch auf die im März turnusmäßig anstehenden Wahlen und forderte dazu auf, Ausschau nach geeigneten Kandidatinnen zu halten, da sich im Vorstandsgremium einige gravierende Änderungen ergeben werden.

Denn auch hier im Landfrauenverband ist man auf das Ehrenamt angewiesen. Wie man sich dafür stärken und motivieren kann, machte Werner Blumrich deutlich. Der Lachdoktor trainierte mit den Frauen, wie sie mit verschiedenen Übungen die heilsamen Kräfte des Lachens und eine positive Lebenseinstellung aktivieren können.

Kreisbauernverbandsvorsitzender Gebhard Aierstock dankte den Landfrauen für ihre tatkräftige Unterstützung im ablaufenden Jahr bei verschiedenen Gelegenheiten und ging auf die Situation der Landwirtschaft ein. Derzeit spielten Themen wie die politische Agrarreform, Massentierhaltung und Preisdiskussionen eine große Rolle. Besonders bedroht sei die Schweinezucht aufgrund der Tierschutzvorgaben: "30 bis 40 Prozent der Erzeuger werden wohl ihren Betrieb einstellen", wagte Aierstock die Prognose.

Die Lebensmittelpreise hätten angezogen, dies vor allem aufgrund massiver Ernteausfälle in anderen Ländern und einer höheren Nachfrage nach Lebensmitteln weltweit. "Der Milchpreis soll deshalb um rund 10 Cent steigen, wir hoffen, dass das auch stimmt. Unsere Bauern brauchen das Geld, um ausreichende Einkommen zu erzielen und ihre Betriebe weiterführen zu können", machte Aierstock klar. In jedem Wirtschaftsunternehmen werde es als selbstverständlich angesehen, sich am Gewinn zu orientieren. Nur bei der Landwirtschaft werde dies immer wieder in Frage gestellt. "Wir müssen uns verteidigen, weil wir gute Lebensmittel produzieren. Das kann nicht sein".

Um die Leitziele des Biosphärengebiets umzusetzen, seien alle Landwirte gefragt, man sei froh an jeder guten Idee: "Vor allem von unseren Landfrauen". Hinsichtlich der Wildschweinproblematik kennt Gebhard Aierstock in diesen "Wilden Wochen" nur eine Lösung: "Die beste Bekämpfung ist, dass man sie aufisst".