Zwiefalten / ALEXANDER THOMYS Zum Abschluss der Fasnet wird in Zwiefalten stets kräftig gebruddelt - zum zehnten Mal fand dieses Event nun in der Rentalhalle statt. Sieger beim Bruddeln wurde Valentin Ott - so Jury und Publikum unisono.

Wie es sich gehört, bekamen alle großen und kleinen Persönlichkeiten aus Zwiefalten und der Politik im Rahmen der 42. Bruddelsupp ihr Fett weg. Aber einstecken zu können und über sich selbst zu lachen - das gehört bei den Zwiefalter Narren einfach dazu.

Dieses Mal erwischte es vor allem Peter Baader, den Geschäftsführer der Zwiefalter Klosterbrauerei. Diese hatte im vergangenen Jahr ein Gewinnspiel mit einer Kronkorken-Aktion verbunden. Die passenden Kronkorken gab es trotz der Sommerhitze aber nur bei Vollbierflaschen, bemängelte Bruddler Florian Griesinger. "Blos Vollbier saufen, da muss der Mann schon kräftig schnaufen", bruddelte Griesinger, dem noch mehr Enttäuschungen in dieser Hinsicht einfielen: "Da kaufsch die Fläschle Kistenweis - doch nirgends ein Sofortgewinn." Außerdem habe die Brauerei auf ihrem Ankündigungsplakat für das historische Bierfest in Zwiefalten ein Bild aus Riedlingen veröffentlicht. "Ja muss denn sowas wirklich sein?" Am Ende schlug Griesinger dann doch noch ganz versöhnliche Töne an: "Peter, ich hoff, Du hasts vernommen - und lässt mir später ein Bier zukommen."

Ganz andere Töne ärgerten hingegen Silvia Auchter aus dem Kolping Fanfarenzug, der die Bruddelsupp zusammen mit der Musikkapelle musikalisch umrahmte. Warum müsse der Fanfarenzug in Umzügen stets vor den Zwiefalter Tautschbuch-Gockel mit ihren Rätschen laufen, bruddelte die Musikerin. "Man hört den eigenen Ton nicht mehr." Zum Beweis forderte Auchter den Zunftrat heraus: Die Räte standen prompt auf und sangen den Rälle-Marsch, während zwei Gockeler die Rätschen drehen ließen und die Zunfträte damit locker übertönten.

Damit alles seine Ordnung hat, war natürlich Büttel Herbert Ott zur Stelle. Und kassierte von jedem zwei Euro, der etwa ohne Kopfbedeckung zur Bruddelsupp erschienen war oder vor dem Burggrafenpaar die Rentalhalle betrat. "Und da muss ich mit de Leut noch diskutieren", schimpfte der Büttel, bevor er zur Erinnerung das entsprechende Gesetz verlass.

Doch dieses Mal wurde auch der Büttel Zielscheibe für gut gemeinten Hohn und Spott. "Du haust erst alle in die Pfanne und hinterher gibst Dir die Kante", dichteten die letztjährigen Bruddelsieger Christa und Paul Fischer.

Zum Bruddelsieger wurde in diesem Jahr Valentin Ott gekürt. Dabei stand er nach seiner - mitunter politisch etwas unkorrekteren - Rede aus dem Vorjahr unter strenger Beobachtung von Ehrenzunftrat Eugen Schultes und hatte sich prompt einen "Bodyguard" mit auf die Bühne genommen. "Gereift in Wort und Reim", aber auch "Selbstbewusst wie eh und je" ging Ott dann durchaus selbstironisch seine Bruddelrede an. So ärgerte er sich über die Sauhaufa-Aufkleber, die wie die Hayinger seien. "Keiner will sie, aber überall sieht man sie." Dem Sauhaufen wolle er aber nicht böse sein. "Schon in der Bibel steht geschrieben, auch schwarze Schafe gehören zur Herde", sinnierte Ott - ganz in Schwarz gewandet. Für seine Rede gab es am Ende viel Applaus, ein Extra-Lob vom Ehrenzunftrat und aus den Händen von Burggräfin Josie Gresham.

Die Politik spielte als Thema in diesem Jahr indes keine tragende Rolle, vielleicht auch deshalb blieben die spontanen "Sauerei"-Zwischenrufe zumeist aus. Kritik am Bürgermeister Matthias Henne, als frisch Verheirateter war er gestern in Sigmaringendorf beim Bräuteln, gab es nicht ("net gmeckert isch genug gelobt"), einzig die Biomüll-Pläne des Landrats wurden aufs Korn genommen. Auch der Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler hielt sich vornehm zurück: "Vom Wahlkampf sag ich auch nicht viel, davon keiner was hören will."