Als die Sirenen am Samstag um 16 Uhr in allen Erbacher Teilorten heulten, sah die Sache nicht gut aus: Arbeiten in einem großen landwirtschaftlichen Gebäude hatten eine Verpuffung ausgelöst. Schlagartig breitete sich dicker Rauch aus und auf einer Etage entzündete sich Feuer. Ob und wie schwer die Männer verletzt waren, die im Gebäude arbeiteten, konnte niemand abschätzen. Klar war nur: Rauch und Feuer machten ein Verlassen unmöglich.

So sah das Szenario für die diesjährige Hauptübung der sechs Erbacher Feuerwehren aus, erklärte Gesamtkommandant Matthias Remlinger den etwa 100 Zuschauern.

Das zu erwartende Spektakel ließ dann auch nicht lange auf sich warten. Schon nach wenigen Minuten kündigten Martinshorn und Blaulicht Michael Seitel als Einsatzleiter vom Dienst mit dem Kommandowagen an.

Rettung hat Vorrang

Seitel verschaffte sich rasch einen Überblick: Wo können die Löschfahrzeuge Stellung beziehen und von welcher Seite die Atemschutzträger am besten in das Gebäude gelangen? Weil die Rettung von Menschen stets Vorrang hat, sind immer sie es, die zuerst mitten in das Geschehen gehen. Die Schläuche, die sie mitnehmen, dienen dabei vornehmlich der eigenen Sicherheit und der der möglichen Opfer.

Als erstes traf die Abteilung Bach am Übungsort ein, sie machte sich daran, das Feuer von Osten her in den Griff zu bekommen. Währenddessen begannen die Atemschutzträger, die Vermissten aufzuspüren. Schon bald führten sie den ersten Arbeiter ins Freie, der vom Rauch eingeschlossen worden war. Eine so genannte Brandfluchthaube schützte ihn während der Rettung vor giftigen Gasen. War ein Vermisster gerettet, durchkämmte der nächste Trupp das Gebäude.

Auf diese Weise sollen die Atemschutzträger vor Überlastung geschützt werden, erklärte Remlinger den Zuschauern. Denn diese sind Schwerstarbeiter: Allein das Atemschutzgerät wiegt 15 Kilogramm. Zusammen mit Einsatzkleidung und Ausrüstung werden zusätzliche 25 Kilogramm und mehr erreicht. Hinzu kommt auch das erschwerte Atmen unter der Maske.

Inzwischen waren bei der Übung mehrere Löschtrupps in Stellung gegangen, auch mit der Drehleiter. Nach gut einer Dreiviertelstunde meldeten die Einsatzkräfte „Feuer schwarz“, sprich: Der Brand war gelöscht. Die fünf Vermissten waren da schon in Sicherheit und dem DRK Erbach übergeben worden, das von der Ortsgruppe Oberdischingen verstärkt wurde. Unterstützung gab es auch von der interkommunalen Führungsgruppe Erbach/Hüttisheim/Staig, die den Überblick behielt und das Geschehen minutiös protokollierte.

Bei der Nachbesprechung in der Mehrzweckhalle zollte Remlinger den 100 Einsatzkräften großes Lob. Das Meiste habe wie aus dem Lehrbuch geklappt. Dass bei einer solchen Großübung auch Fehler passieren, sei unumgänglich und auch gut:  „Denn daraus lernen wir und werden besser.“

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180 Einsatzkräfte für alle Teilorte


Personal Erbach unterhält in der Kernstadt und den Teilorten Bach, Dellmensingen, Donaurieden,  Ersingen und Ringingen eine Feuerwehr. Die Gesamtfeuerwehr zählt insgesamt rund 180 Einsatzkräfte.

Ausrüstung Auch die kleineren Teilorte werden aktuell mit Löschfahrzeugen ausgerüstet. In Ringingen steht bereits eines, Bach und Ersingen kommen als nächstes dran. Vorzeigefahrzeuge in Erbach sind eine Drehleiter und das Katastrophenschutzfahrzeug LFKatS. Es kann während der Fahrt 600 Meter Schlauch auslegen. Demnächst soll auch das Gerätehaus in Erbach erweitert werden.