Kabarett Schwäbisch-allgäuerische Denkweise

Die „Königlich privilegierte Waschhausvereinigung“ begeisterte in Zwiefalten.
Die „Königlich privilegierte Waschhausvereinigung“ begeisterte in Zwiefalten. © Foto: Heike Feuchter
Zwiefalten / Heike Feuchter 16.04.2018

Das derzeitige Programm der beiden Unterhaltungskünstler aus dem Allgäu  heißt „Spargelzeit“ und bietet mit Themen rund um den Frühling  und das Leben an sich ein breites Feld, auf dem sich die Waschhäusler „Toni H & Toni K.“ austoben können. Und das machen sie in Zwiefalten auf musikalisch und textlich so kreative Weise, dass es neben Unterhaltung noch ein Lachmuskeltraining gratis obendrauf gibt.

Humorvoll und hintersinnig gehen sie an die Themen heran, die das Leben ihnen so in den Weg wirft und besingen den allseits bekannten Alltagswahnsinn. Und der hört nicht an der eigenen Haustüre auf, sondern bietet, beim Blick über den eigenen Misthaufen hinaus, noch viele Themen.  Das Liedgut, konsequent aus eigener Feder, hat Charme auf mehreren Ebenen. Zum einen begeistern die vielen Instrumente, die die beiden Tonis mühelos und gerne wechseln – ob Banjo, Gitarre, Klarinette, Saxophon, Akkordeon,  Mundharmonika, Fußbass,  Flaschenflöte oder selbstgebastelte Krachmacher – sie beherrschen alles.

Die damit produzierten Lieder kommen frisch  alpenländisch-folkloristisch daher, haben rockig-poppige Anklänge, Ohrwurmniveau und urige Texte, die die bodenständige schwäbisch-allgäuerische Denkweise aufs „I-Tüpfele“ treffen. Und nicht zuletzt sind die beiden Unterhaltungskünstler mit unzähligen Verkleidungen, Brillen und Hüten echte Hingucker auf der Bühne. So konnte sich das Publikum mit den  Waschhäuslern auf eine vergnügliche Tour durch die wichtigen Themen der Zeit begeben, die vor nichts und niemand Halt macht.

Da kamen die „Henna“ von der Nachbarin ebenso dran wie der allseits bekannte „Odelduft“ der Düngerfässer samt Biogasanlage und  „Gaskuh“, deren „Fiedla“ auf der Bühne musikalisch dargestellt wurde. Das Leid mit dem Geld ist den Tonis ebenso vertraut wie die positiven Auswirkungen des Radfahrens, welches sie nach Windschattenfahren, Melkfettbehandlung und Franzbranntwein oral doch lieber wieder sein ließen. Während Industrie und Politik noch Wege aus dem Dieselskandal suchen, haben die Waschhäusler die Lösung längst parat: „Die Hardware, die I brauch die schlummert in meim Bauch, I fahr an saubra Diesel seit I en Tank neipiesl“.

Sie erzählten vom Leiden der Grippe, von der Last der rektalen Temperaturbestimmung, empfahlen als  Erkältungsprohylaxe Schnupftabak in XXL-Portionen, schwenkten dann über zum Glimmstängel und priesen diesen unter anderem als Abführmittel an: „Glüht die Kippe an der Lippe ziehst du bald schon an der Strippe“.

Der Publikumschor sang begeistert die Hommage an die schwäbische Küche mit: „ Gschupfte Nudla, saure Kuttla, Habermus mit Flädlesuppa, Grumbiera mit Mill und Käs, an Moscht vom Keller, gar et räs“. Und dass Schwaben und Allgäu sich auch in weiteren Themen finden zeigte der „Bibersong“, samt Biberholz vorgetragen. Zungenbrecherisch ging´s vom  Biberbau zur Biberfrau, zum Biberli und zur Biberkolonie: „Der Biber legt die Bäume flach von Oberstdorf bis Biberach“.

Schlag auf Schlag folgten, ohne Erholungspause für die Lachmuskeln, weitere Kuriositäten des Alltags:  Lanz-Bulldog und Sägewerk wurden ebenso besungen wie   Betonmischen und Bohrmaschinen und brachten die klatschenden  Hände des Publikums zum glühen.

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