Anhausen Raben töten und fressen junge Gänse

Anhausen / Reiner Frenz 05.06.2018

Szenen, die aus dem Hitchcock-Kultschocker „Die Vögel“ stammen könnten, haben sich in den vergangenen Wochen in Anhausen zugetragen.

Dort betreibt „Adler“-Wirt Vitus Frey bekanntlich seine Gänsezucht, und zwar auf einer knapp drei Hektar großen Weide hinter der Gaststätte und den Stallungen. 1982 hatte er die Wirtschaft übernommen und die Gänsezucht als wichtiges Standbein ausgeweitet. Bis zu 300 Gänse waren es früher, die zwischen Martini und Weihnachten die Speisekarte der Gaststätte bereicherten, in den vergangenen Jahren hat Frey die Zahl der schmackhaften Vögel auf 250 begrenzt.

250 Küken aus Paderborn

Mitte Mai kommen die 250 Küken aus Paderborn auf die Alb, knapp zwei Wochen sind sie dann alt. Zunächst picken sie Mastfutter, sobald sie Federn haben bekommen sie Getreide aus eigenem Anbau und fressen zudem Gras. Wenn sie in Gruppen oder einzeln auf der großen Weide hin und her tippeln, ist das ein idyllisches Bild, das schon zahllose Wanderer und Urlauber genossen haben.

Doch das Idyll hat heuer ein fürchterliches Ende gefunden. „Am ersten schönen Tag nach Pfingsten habe ich die Küken erstmals rausgelassen“, berichtet Frey. Wenige Stunden später der große Schock: „Als ich sie wieder in den Stall reinholen wollte, lagen einige der Küken tot auf der Weide, halb aufgefressen“.

Das sollte kein Einzelfall bleiben. Und die „Mörder“ waren auch bald gefunden. Es handelt sich um Raben, die sich auf die kleinen Gänse stürzen, ihnen zuerst die Augen aushacken, „und dann hauen sie weiter in den Grind nei“, bis diese tot sind und sie sie dann fressen: „Bis heute habe ich etwa 10 Prozent Verlust“, sagt Frey im Gespräch mit unserer Zeitung. Was tun? Frey baute um einen kleinen Teil der Weide einen Zaun und spannte ein Netz über diesen Bereich. Von Gras ist hier jetzt nichts mehr zu sehen und alle Gänse passen nicht hinein. Sein erster Gang führte aber zum Jagdaufseher, von dem er erfuhr, dass die Raben Schonzeit hätten, nicht geschossen werden dürften. Der Landwirt und Gastronom wandte sich daher ans Regierungspräsidium, erhielt auch rasch eine Ausnahmegenehmigung. „Aber jedes Mal, wenn der Jäger kommt, ist kein Rabe zu sehen. Die Viecher kennen wohl schon das Auto des Jägers“. Raben seien ja für ihre Intelligenz bekannt, weiß Frey.

Stall halten keine Alternative

Der Anhausener hofft, dass die Gänse bald groß genug sind, um von den Raben in Ruhe gelassen zu werden. In den nächsten Tagen und Wochen allerdings gilt weiter große Vorsicht und stets ist ein mulmiges Gefühl dabei, wenn die Vögel auf die Weide gelassen werden. Frey schaut dann immer wieder nach den Tieren, seine Frau Charlotte setzt sich manchmal stundenlang auf ein Bänkle am Futtersilo.

Der Wirt hofft, dass es nicht mehr solch schreckliche Bilder gibt wie nach Pfingsten: „Das hat unsere ganze Familie belastet“, sagt er. Wie es im kommenden Jahr weitergehen wird, weiß er noch nicht. Die Gänse die ganze Zeit im Stall halten sei keine Alternative: „Die haben es doch auf der Weide so schön, können sogar in der Lauter baden“.

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