Kultur Prozess ist in der Kunst entscheidend

Ausstellungseröffnung bei der Firma Immobilien Reutter (von links): Uwe Reutter, Ingeborg Siegler-Harrer und Karl Striebel.
Ausstellungseröffnung bei der Firma Immobilien Reutter (von links): Uwe Reutter, Ingeborg Siegler-Harrer und Karl Striebel. © Foto: ©Immobilien Reutter
Münsingen / swp 12.11.2017

Die Vernissage zur Ausstellung „Experimentelle Acrylarbeiten“ der Künstlerin Ingeborg Siegler-Harrer fand am Donnerstagabend in den Büroräumen von Immobilien Reutter in Münsingen statt. Geschäftsführer Uwe Reutter zeigte sich bei der Begrüßung sehr erfreut und überrascht von der großen Zahl an Interessierten, die der Einladung zu einem Abend der Kunst und der Begegnung gefolgt waren.

An die 120 Gäste, Freunde und Kunden der Firma waren zur Ausstellungseröffnung gekommen. Bereits seit zehn Jahren wird Künstlerinnen und Künstlern aus der Region die Möglichkeit geboten, in den Räumlichkeiten von Immobilien Reutter ihre Werke auszustellen. Dieses Engagement im Bereich der Kunst wird von Kunstschaffenden geschätzt und ebenso von Kunstinteressierten honoriert, wie es im Pressebericht heißt. Für 2019 laufen bereits die Planungen der nächsten Ausstellungen.

Das Duo Klaus-Jürgen Zickler, Geschäftsführer und Inhaber von Zickler Immobilien Reutlingen, an Saxophon und Klarinette und Karl-Heinz Wallner am Kontrabass gestaltete den Abend mit jazzigen, gutgelaunten Rhythmen. Der Künstlerin Ingeborg Siegler-Harrer dankte Reutter für die maßgeschneiderten Werke, die sie für die Räumlichkeiten von Immobilien Reutter mit einer ausdrucksstarken Bildsprache geschaffen hat.

Siegler-Harrer, freiberufliche Werbefachfrau, absolvierte ihre künstlerische Ausbildung bei verschieden Dozenten im In- und Ausland. Sie lässt sich mit Neugier und Sensibilität auf das Abenteuer Kunst ein.

Karl Striebel, dessen Schülerin Siegler-Harrer war, hielt als Laudator die Einführungsrede. Er stellte die  Initiative Reutters heraus, in Münsingen im schönen Ambiente Kunstausstellungen zu ermöglichen. Durch diese Privatinitiative finde die Kunst in Münsingen noch ein Podium.

Die Bilder Siegler-Harrers sah er ähnlich angelegt wie ihren eigenen Garten. Im Rahmen eines Gehölzes zeigen sich im gepflegten Innenbereich sparsame Details, denen dadurch die Möglichkeit gegeben wird, sich zu entfalten. Das „Titelbild“ der Ausstellung „Blaue Lagune“ sieht er als eine große hellgraue Rasenfläche, die bis zum Horizont reicht und dort ins Blau des Himmels übergeht.

Auch von weitem ist sichtbar, dass hier viele Schichten übereinander gelagert wurden, von Blau über Rot und Gelb und – als letzte Schicht gesetzt – dieses fast meditative Weiß-grau. Genau so hat die Künstlerin die obere, die blaue Fläche sich erarbeitet. Auf diesem Grund schweben zwei Formen, die miteinander kommunizieren, vom Untergrund aber nicht scharf getrennt wurden, die Ränder der Formen verschwimmen mal mehr mal weniger stark mit dem Untergrund. Das Bild ist sehr sparsam in der Farbigkeit, lediglich ein Blau und die Palette von Weiss bis Schwarz und ganz wenig Rot, das das Bild zum Leuchten bringt. Für Ingeborg Siegler-Harrer war das tiefe Blau in der rechten Form sehr wichtig, deshalb kam sie auf den Titel „Blaue Lagune“.

Striebel empfahl den Zuhörern, sich nicht vom Bildtitel beeinflussen zu lassen, sondern der eigenen Fantasie Raum zu geben und darüber nachzudenken, was man selbst auf diesem Bild sieht.

Siegler-Harrer versucht in ihren Arbeiten eine Gegenständlichkeit zu vermeiden und arbeitet überwiegend abstrakt. Die meisten Bilder haben keinen Titel. Ungefiltert erreichen ihre Botschaften aus Formen, Flächen und Farben so den Betrachter, fordern die Fantasie heraus. Dies macht die Bilder ungemein reizvoll. Sie geht in ihrer Vorgehensweise nicht von einem konkreten Thema aus. Das einzig Vorgegebene, an dem sie festhält, ist das Format.

Der malerisch-gestaltende Prozess ist bestimmt von Zweifeln an jeder Entscheidung des Farbauftrags, seiner Stärke, des Farbtons. Die meisten Bilder sind „Kampfbilder“, auch wenn sie am Schluss so luftig und leicht erscheinen. Durch den ständigen Kampf, das viele Übermalen, meist nur in dünnen, durchscheinenden Schichten entsteht eine malerische und lebendige Tiefenwirkung – verbunden mit einer kraftvollen Dynamik. Ingeborg Stiegler-Harrer experimentiert mit Acrylfarbe, Ölfarbe und Tusche. Selbst Bitumen wird von ihr verwendet. Sie bewirkt mit den speziellen Eigenschaften von Bitumen reizvolle Effekte, die malerisch nur schwer zu erzielen wären. Der Künstlerin ist in jedem Fall das Prozesshafte von Kunst wichtig, nicht die Kunst als statisches Ergebnis.

Info Die Ausstellung bei Reutter Immobilien (Hauptstraße 11) in Münsingen ist bis 22. Dezember während der Bürozeiten von Montag bis Freitag geöffnet.

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