Marbach/Reutlingen / JOACHIM LENK  Uhr
"Das ist nur ein Gerücht. Kein Mensch hat vor, das Haupt- und Landgestüt zu privatisieren." Das sagt Finanzminister Nils Schmid (SPD) auf Anfrage, nachdem eine dpa-Meldung für Wirbel gesorgt hatte.

Die Presseagentur dpa berichtete vergangene Woche darüber, dass im Zusammenhang mit den Sparüberlegungen der Landesregierung auch das defizitäre Haupt- und Landgestüt in Marbach im Gespräch sei. Im gleichen Atemzug wurde der Name von Finanzminister Nils Schmid genannt, der demnächst seinen Erstwohnsitz in den Landkreis Reutlingen verlegt. In jenen Landkreis, im dem sich das älteste deutsche Staatsgestüt seit knapp 500 Jahren befindet. "Ich stehe voll und ganz hinter unserem traditionsreichen Landesbetrieb", sagt Schmid ohne Wenn und Aber. "Es wäre falsch, das Gestüt zu privatisieren."

Sein Sprecher vermutet gar, dass "diese Falschinformationen für Irritationen im Bundestagswahlkampf" sorgen sollen. "Aber das halten wir aus."

In der Vergangenheit ist immer wieder von Politikern laut darüber nachgedacht worden, das Gestüt zu privatisieren. Vor acht Jahren hatten das die Grünen im Landtag gefordert. Auch Birgit Homburger (FDP) hat schon einmal ins gleiche Horn geblasen. Letztendlich sind sie alle von dieser Idee wieder abgekommen.

Vielleicht haben sie sich von der Warnung des ehemaligen Landwirtschaftsministers Willi Stächele beeinflussen lassen, der bei einer Hengstparade einmal sagte: "Wer am Haupt- und Landgestüt Hand anlegen möchte, dem werde ich sie persönlich abhacken." Und Günther Oettinger sagte während seiner Amtszeit als Ministerpräsident, dass "Marbach mit zum Besten des Landes gehört".

Daran erinnert auch der Landtagsabgeordnete Karl-Wilhelm Röhm (CDU), der in Marbach aufgewachsen ist. Immer wieder werde von anderen Parteien das Gestüt infrage gestellt. "Wer so etwas sagt, der soll zuerst sein Hirn einstellen. Wer soll sich das Gestüt finanziell leisten können?", sagt der Christdemokrat, der jedem "auf die Finger klopft", der sich "an diesem Kulturgut und Erholungsort" zu schaffen macht.

So sieht es auch Parteifreund und Bundestagskandidat Michael Donth. Es beruhige ihn, dass der Finanzminister aus Baden-Württemberg nicht daran denke, das Gestüt im Sparmaßnahmenkatalog der Landesregierung aufzunehmen. Marbach sei nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region, sondern ein wesentlicher Besuchermagnet im Biosphärengebiet Schwäbische Alb, gibt Donth zu bedenken. "Deshalb müssen wir auch in Zukunft wachsam sein, damit niemand das Gestüt infrage stellt." Sowohl er als auch Röhm werden in ein paar Wochen zu Gast bei der Hengstparade sein.

Nachdem der Besuch des Finanzministers dort aus Termingründen nicht möglich ist, hat ihn der Wahlkreisabgeordnete Klaus Käppeler (SPD) im Herbst nach Marbach eingeladen. Der Sozialdemokrat zeigt sich erleichtert, dass die Angelegenheit um die Privatisierung jetzt vom Tisch sei und mit diesem Thema kein Wahlkampf mehr gemacht werde.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Pascal Kober freut sich ebenfalls, dass Schmid sich "zum Gestüt bekennt". Der FDP-Landtagsabgeordnete Andreas Glück ist erleichtert, dass "Marbach nicht zum Spielball der Landesregierung wird". Der Protest von allen Seiten in den vergangenen Tagen habe "Wirkung gezeigt". Beide Liberale kommen übrigens ebenfalls zur Hengstparade im nächsten Monat.