Zwiefalten/La Tessoualle / RALF OTT  Uhr
Seit 40 Jahren besteht die Partnerschaft zwischen Zwiefalten und La Tessoualle: Freunde aus beiden Gemeinden feierten das Jubiläum vier Tage lang in Frankreich. Redner würdigten die Verbindung als "Schatz".

Bewegende Momente und viel Spaß: 200 Zwiefalter feierten bis Sonntagabend den 40. Geburtstag der Partnerschaft mit La Tessoualle. Der Sonntagvormittag markierte dabei zweifellos einen wichtigen Höhepunkt. Nach der festlichen deutsch-französischen Messe fand auf dem Zwiefalter Platz vor dem Cercle St. Louis der offizielle Festakt statt. Mehrere hundert Zuhörer hatten sich unterhalb der Kirche versammelt.

Es war Bürgermeister Marc Gental, der eingangs an die schwierigen Anfänge der Partnerschaft erinnerte und die Rede von Charles de Gaulle an die deutsche Jugend im September 1962 als Meilenstein wertete. "Nach dem Inferno des Nazismus in Europa wäre solche eine Rede zuvor undenkbar gewesen", sagte Gental. Einige Monate später schuf der deutsch-französische Vertrag dann eine offizielle Grundlage für die Annäherung beider Länder. Im Hinblick auf die beiden Gemeinden spielte zunächst der Zufall die entscheidende Rolle, denn junge Leute aus der Region gewannen jeweils bei einem Wettbewerb eine Reise nach Deutschland, die sie nach Zwiefalten führte.

"Damit war die Saat für eine lange und schöne Geschichte gelegt", freute sich der Bürgermeister von La Tessoualle, "es mussten nur noch die Gärtner gefunden werden". Doch der Elan der jungen Leute sei so groß gewesen, das diese notfalls auch Berge versetzt hätten. "Jetzt, 40 Jahre nach der Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrags, ist die Flamme nicht erloschen". Die Verbindung spiegele sich heute auf politischer, kultureller und der sportlichen Ebene. Gental erinnerte an einige Pioniere wie Rolf Baader, Maurice Maudet, Henri Girardeau und Karl Ragg, deren Pionierarbeit den Weg "für dieses tolle Beispiel für die europäische Zusammenarbeit" geebnet habe. Und die heutigen Chefs der Partnerschaftskomitees, Jochen Fundel und Gildas Ferchaud, seien würdige Erben.

"Als Visionär oder gar Phantast wäre derjenige bezeichnet worden, der vor 40 Jahren dieses Fest vorhergesagt hätte", rief der Zwiefalter Bürgermeister Hubertus-Jörg Riedlinger aus. Doch diese Visionäre habe es mit Ragg und Girardeau gegeben. Das "gemeinsame Projekt der Jugend" habe die jahrhundertelange Fehde zwischen den Völkern beendet. Hier hätten sich Zwiefalten und La Tessoualle als Pioniere erwiesen. Seit 40 Jahren setze die Jugend das Ziel eines friedlichen Europa in die Tat um. Zahlreiche Treffen auch abseits offizieller Anlässe sorgten für eine unverbrüchliche Grundlage der Beziehungen zwischen den Menschen in beiden Gemeinden.

Gilles Bourdouleix, Abgeordneter in der Nationalversammlung für die Region Maine et Loire, wertete die deutsch-französischen Partnerschaften auf Gemeindeebene als "lokales Spiegelbild" für die Freundschaft zwischen den beiden Ländern. "Die beiden Staaten haben sich versöhnt, um zusammen der Motor des Aufbaus von Europa zu sein", so Bourdouleix.

"Es erfüllt mich mit Freude und Dankbarkeit, dass wir alle hier zusammen sind", gestand der SPD-Landtagsabgeordnete Klaus Käppeler. Seit 68 Jahren habe es in Europa keinen Krieg mehr gegeben. Doch der Frieden als "selbstverständliches Ziel" können nur funktionieren, wenn die Menschen sich "in die Bürgergesellschaft einbringen". Die Partnerschaft zwischen La Tessoualle und Zwiefalten sei ein wichtiger Stein im Fundament der Freundschaft zwischen beiden Ländern. "Wir fahren nicht als Touristen hierher, sondern kommen als Freunde. Das ist mehr als ein Schatz", betonte Käppeler.

Gildas Ferchaud, Chef des Partnerschaftskomitees in La Tessoualle, erinnerte an die wichtige Rolle der Jugend. "Damals hat die Jugend entschieden, das Schicksal in die Hand zu nehmen". Und heute besitze die Jugend den Schlüssel zur weiteren Freundschaft. Damit sie diesen nutzen könne, müsse ihr aber auch das Vertrauen entgegengebracht werden. "Wenn Liebe schön macht, sind wir schön, weil wir uns lieben", rief Ferchaud unter dem Beifall der Zuhörer aus.

Sein Zwiefalter Amtskollege Jochen Fundel erinnerte an das "kleine Bäumchen", das vor 40 Jahren gepflanzt und aus dem "ein besonders großer Baum mit starken Wurzeln" geworden sei. So wie ein Baum Wasser brauche, sei Essen für die Menschen unverzichtbar, sagte Fundel weiter und überreichte anschließend den französischen Rednern die ersten Exemplare des Kochbuchs "Zu Tisch mit Freunden" (siehe rechts).