Aichelau Ohne Eigenleistungen geht es nicht

Pfronstetten / Jürgen Kühnemund 16.05.2018

Knapp 260 Einwohner zählt Aichelau, 70 davon waren am Montagabend zur Bürgerversammlung im Schul- und Rathaus erschienen. Kein Wunder, dass nahezu jeder Dritte sich die Ausführungen des Planungsbüros Künster nicht entgehen lassen wollte, ging es doch um den Neubau des Dorfgemeinschaftshauses.

Die Geschichte reicht zurück ins Jahr 2011, als eine erste Bürgerversammlung die Weichen  für eine Begegnungsstätte in Aichelau stellen sollte. Damals dachten alle noch an eine entsprechende Ertüchtigung des Schul- und Rathauses. Schnell wurde aber klar, dass dort eine Sanierung sehr kostenintensiv würde. Die Planungen kamen etwas ins Stocken, da Bürgermeister Reinhold Teufel unmissverständlich klarmachte, dass es einen Neubau nur geben werde, wenn das alte Schulhaus verkauft werden könnte. Roland Arnold wurde 2017 zum Heilsbringer, da er das Gebäude der Gemeinde abkaufte. Nun konnte die Planung in die Vollen gehen, zumal die Wünsche der Aichelauer längst feststanden: Versammlungsraum für 80 bis 100 Besucher, Küche und Sanitäranlagen in angemessener Größe, zusätzlicher Raum für die örtlichen Vereine, eventuell als Proben und Besprechungsraum, Feuerwehrgerätehaus und Backhaus integrieren.

Mit diesen Maßgaben machte sich das Planungsbüro Künster ans Werk, immer in enger Abstimmung mit dem Gemeinderat und dem Bauausschuss. Oberste Prämisse war stets Funktionalität und Kosteneffizienz, denn eine Elbphilharmonie kann sich Pfronstetten nicht leisten.

Für Julian Jakober war es dann am Montagabend ein Heimspiel den Planentwurf vorzustellen, arbeitet der Pfronstetter doch seit 2011 im Büro Künster. Die Planung basiert auf zwei Gebäudeteilen in L-Form, die auf dem 3850 Quadratmeter großen Grundstück untergebracht sind.

Da ist zum einen das Hauptgebäude mit feldsteingrauem Mauerwerk, das mit einem Satteldach versehen ist. Die Nebengebäude sollen in Flachdachbauweise erstellt werden und werden mit Lärchenholz verkleidet. Der Saal im Hauptgebäude misst 156 Quadratmeter und bietet 120 Personen Platz. Dazu kommen Nebenräume (Küche und Lager), sowie ein Technikraum für Heizung und Haustechnik, führte Jakober aus. Hinter dem Windfang mit Flur und Garderobe befinden sich die Toiletten.

Der westliche Gebäudeteil beinhaltet eine normgerechte Fahrzeughalle für die Feuerwehr, ein Backhaus in vergleichbarer Größe wie in Huldstetten, einen Vereins- und Besprechungsraum und ein separates WC.  Das Backhaus wird allerdings elektrisch betrieben, was aber in den meisten Pfronstetter Ortsteilen eh schon der Fall ist. Vor den Gebäuden befindet sich ein freier Platz, zum Beispiel für eine Hockete, Raum für einen Spielplatz ist ebenfalls vorhanden. Alles Zugänge sind ebenerdig, also behindertengerecht, so Jakober weiter.

Und dann sind da noch die Kosten. Ohne Außenanlage kostet das neue Dorfgemeinschaftshaus 1,27 Millionen Euro. Die Gemeinde will dazu Mittel aus dem Ausgleichsstock und dem ELR-Programm beantragen. Bürgermeister Reinhold  Teufel hofft da auf einen Betrag um die 700 000 Euro. Durch das neue Haushaltswesen wird die Kommune 2020 umsatzsteuerpflichtig, womit dann auch die Mehrwertsteuer bei diesem Vorhaben berücksichtigt werden könne. Alles in allem bleibe aber ein Eigenanteil von rund 500 000 Euro, was für die Gemeinde das größte Hochbauvorhaben der letzten 40 Jahre darstelle.

Anträge im Oktober

Auf jeden Fall sei man auf Eigenleistungen der Aichelauer angewiesen. Hier liege nochmals ein Einsparungspotential von 20 bis 30 Prozent. Und dass die Aichelauer mitziehen, das hat die Dorfgemeinschaft schon im Vorfeld signalisiert, sie wird beim nächsten Pfronstetter Advent die Bewirtung übernehmen.

Der weitere Ablauf sieht wie folgt aus: Im Oktober werden die Anträge gestellt. Zum April 2019 rechnet man mit den Förderbescheiden. Im Sommer wird die Werkplanung fertiggestellt, Ende 2019 sollen die Vergaben für den Rohbau erfolgen, Baubeginn wird dann 2020 sein.

Und die Aichelauer? Sie sind mit dem Konzept zufrieden. In der Bürgerversammlung  gab es nur geringen Informationsbedarf, beispielsweise über Spielgeräte, Maße des Feuerwehrhauses, holzbefeuertes Backhaus oder Sinn und Zweck von Flachdächern. Auf die alles entscheidende Frage des Schultes: „Wollen wir es so machen?“, kam im alten Schul- und Rathaus donnernder Applaus.

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