Wimsen Ob Stoiber, Seehofer oder Gauck: Krebs kann sie alle

Edmund Stoiber ist Wolfgang Krebs' Glanzrolle. Den früheren bayerischen Ministerpräsidenten ahmt er in Gestik, Mimik und Körpersprache perfekt nach.
Edmund Stoiber ist Wolfgang Krebs' Glanzrolle. Den früheren bayerischen Ministerpräsidenten ahmt er in Gestik, Mimik und Körpersprache perfekt nach. © Foto: Sabine Herder
Wimsen / SABINE HERDER 27.06.2016
Frech, politisch und parodistisch glänzte am Freitag der Kabarettist Wolfgang Krebs in die Wimsener Mühle. "Können Sie Bayern?" heißt sein Programm.

Er ist so eine Art bayerischer Andreas Müller: Stimmenimitator mit viel kabarettistischem Potential, Profi nicht nur am Mikrofon, sondern auch in Körpersprache und Gestik. Wolfgang Krebs' Paraderolle: der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Da braucht's nicht viele Accessoires auf der Bühne, um auch in der ausverkauften Wimsener Mühle zu punkten. Es reichen ein Rednerpult und eine große Bayernfahne.

Dahinter und davor lässt Wolfgang Krebs seine Protagonisten antreten - zum verbalen Wortgefecht hinten in der "Garderobe", wer als nächster auf die Bühne darf oder zur wortreichen Parodie politischer Größen vorne vor den weiß-blauen Rauten mit Staatswappen.

Mit grandioser Wandlungsfähigkeit "kann" Wolfgang Krebs nicht nur Bayern. Neben Horst Seehofer, Günther Beckstein und Markus Söder gefällt er auch als Angela Merkel, Bundespräsident Gauck, Schlagerstar Meggy Montana und Gemeinderat Schorsch aus dem bayerischen Provinzkaff, das 30 Vereine hat und nur einen Vorstand: Schorsch.

Krebs' unüberbietbar brillante Rolle aber ist Edmund Stoiber. Den gibt er mit einer Präsenz, die ihresgleichen sucht: Gestik, Mimik, Körpersprache hat er dem ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten fantastisch abgeschaut, und damit nicht genug: Neben dem Grüß Gott an alle Baden-Württemberger, aus Württemberg und Dings, äh. . . geht auch ein besonders charmanter Gruß an die "Frau Baronin von St. äh, Dings". Dem Stoiberschen Verbal-Feuerwerk der unvollendeten Sätze und komischen Versprecher folgten die zwar weit behäbiger dargebrachten, aber nicht minder Zwerchfell erschütternden Pointen seines aktuellen Nachfolgers. "Entweder konsequent oder inkonsequent, aber nicht dieses dauernde Hin und Her" stellte "Seehofer" seine Einstellung klar. Hat er der Kanzlerin eventuell deshalb einen Dobrindt, äh, Drohbrief, geschickt?

Nachdem schließlich auch die Gäste in Wimsen dank Krebs' semmelblondem Provinzburschen Schorsch erfahren durften, wie gute Jugendarbeit funktioniert (Schutz vor Bildung dank Ganzjahresbierzelt und Freibier für schlechte Schulnoten), kam die Pause gerade recht: "Trinken Sie sich am besten auf das Niveau des heutigen Abends herab".

Markus Söder, Bayerns Finanzminister, hatte da ganz andere Vorschläge: Kapitalvermehrung durch aberwitzige Banktransaktionen - das Konto ist am Ende leergeräumt, aber die Rechnung sieht super aus. So funktioniert bayerische Finanzpolitik!

Und nochmal holte Krebs als brillanter Stoiber aus: "Ich bin eine politische Konifere!" "Flinten-Uschi", AfD-Chefin Frauke Petri, all die Ronnies und Mandies aus dem Osten, das Fracking ("Beim Fracking kommt Öl raus und beim Söder nur heíße Luft") lässt er sich zur Belustigung des Publikums "auf der Zunge zerreiben". Das gipfelt in der Abbildung von strickenden Männern im Aldi-Prospekt. Den könnte man doch an der Grenze an die Flüchtlinge verteilen, schlägt er vor: "Ihr könnt jederzeit zu uns kommen, aber so schaut bei uns der Alltag aus."

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel