Man kann wahrlich nicht sagen, Matthias Berg wäre vom Leben verwöhnt worden. Dennoch strahlt er einen Optimismus und eine Lebensfreude aus, die die Besucher des Biosphärenfrühstücks in ihren Bann zogen. Ihm ist nichts zugeflogen, er hat es sich alles selbst erarbeitet. Dabei hat er schnell erkannt, dass ihn die Frage nach dem Warum im Leben nicht weiterbringt. Geboren wurde er aufgrund einer Contergan-Schädigung mit zwei kurzen Armen und nur drei Finger an einer Hand.

Diese Behinderung hat ihm als Heranwachsender viele Sorgen und tägliche Kämpfe beschert, bis er schließlich erkannte, dass er sich nicht in die Passivität drängen lassen darf, sondern aktiv auf Menschen zugehen muss. Er spielte erstklassig Horn, wusste aber auch, dass er die Musik als Behinderter nicht zu seinem Beruf machen kann. Also studierte Berg parallel zur Musik auch Jura, gleichzeitig war er sowohl in der Leichtathletik- wie auch in der Winterskinationalmannschaft bei den Paralympics aktiv.

Er hatte Ziele vor Augen und musste feststellen, dass er diese nur durch feste Strukturen und perfekte Organisation sowie durch eine richtige Einstellung zu seiner Behinderung erreichen kann. "Ich habe gelernt, dass ich nicht die Probleme meiner Mitmenschen zu meinen eigenen machen darf. Ich wurde innerlich gelassen, seitdem geht es mir gut". Also machte er aus dem Warum ein Wozu und suchte nach seinem eigenen Beitrag für ein besseres Leben. Er nahm sich vor, auch schwierige Dinge anzupacken, für sein eigenes Ich Verantwortung zu übernehmen, sich auf das zu konzentrieren, was er kann anstatt auf seine Defizite. Er begann, andere so zu behandeln wie er selbst behandelt werden möchte und diszipliniert zu sein.

"Ich habe erkannt, dass der Weg über andere der direkte Weg zu mir selbst ist. Dunkle Gedanken über die Zukunft bringen mich nicht weiter und nach Schuldigen zu suchen, lässt mich rückwärts denken und handeln". Schon Aristoteles hätte gewusst, dass "das Geheimnis des Könnens im Wollen liegt". Und Wollen liegt im Kopf: "Wer nicht handelt, wird behandelt", meinte Berg.

Immer wieder wurde er selbst gezwungen zu handeln. Er war stellvertretender Landrat im Landkreis Esslingen, musste seine Arbeit aber aufgrund einer Netzhautablösung im vergangenen Jahr wegen drohender Erblindung aufgeben. Er sei viel in Sachen Biosphärenentwicklung unterwegs gewesen und sehe hierin eine riesige Chance für die Region. Berg outete sich als "großer Fan der Landfrauen", die sich um die Region kümmern und wichtige Bildungsangebote vermitteln. Seine Freude über die Einladung drückte er mit seinem äußerst humorvollen und unterhaltsamen Vortrag aus.