Region Neue Leitung, alte Trasse

Region / REINER FRENZ 26.01.2013
Deutschlands größter Übertragungsnetzbetreiber Amprion plant den Neubau einer 380-kV-Freileitung zwischen Reutlingen und Herbertingen. Es handelt sich um ein 85-Millionen-Euro-Projekt auf alter Trasse.

Hätten Sies gewusst? Die bestehende Hochspannungsleitung zwischen Rommelsbach und Herbertingen, die über die Alb verläuft, ist im Jahr 1920 gebaut worden und damit die älteste deutsche Nord-Süd-Leitung. Die 220 Freileitungsmasten haben also mehr als 90 Jahre auf dem Buckel. Sie sollen noch in diesem Jahrzehnt demontiert werden und durch neue, höhere Masten ersetzt werden.

Im Rahmen einer Informationsveranstaltung im Münsinger Gasthof Herrmann wurden lokale und regionale Interessenvertreter über die Pläne der Dortmunder Amprion GmbH informiert. Unter den rund 30 Veranstaltungsbesuchern waren die Bürgermeister Mike Münzing (Münsingen) und Eberhard Wolf (St. Johann), die CDU-Landtagsabgeordneten Dieter Hillebrand aus Reutlingen und Klaus Burger aus Sigmaringen. Sie erfuhren von den Amprion-Vertretern, dass das Stromnetz zügig ausgebaut werden muss, um die Energiewende realisieren zu können. So gehe es darum, den Strom, der in Offshore-Windparks im Norden Deutschlands produziert wird, in den Süden zu transportieren. Zur Verstärkung dieser sehr wichtigen Nord-Süd-Transportkapazitäten plant Amprion nun den Neubau einer 380 kV-Freileitung in der vorhandenen Trasse zwischen dem Reutlinger Stadtteil Rommelsbach und Herbertingen.

Auf einer Länge von 61 Kilometern soll die alte Stromleitung abgebaut und in der vorhandenen Trasse durch einen Neubau ersetzt werden. Oliver Cronau, Abteilungsleiter Trassenplanung bei Amprion, betonte, dass der Eingriff in die Natur so gering wie möglich gehalten werden solle.

Künftig wird es auf der genannten Strecke weniger Masten geben, statt der 220 bestehenden rechnet das Unternehmen mit 190 Strommasten der Bauform "Tonne D-Typ". Es handelt sich um die schmalste Bauform. Die Masten werden allerdings in die Höhe schießen. Statt 43 Meter beim alten Typ werden sie 55 bis 60 Meter emporragen. Aktuell sind die Strommasten auf der einen Seite mit 220 kV und auf der anderen mit 380 kV bestückt. Künftig sind es beidseitig 380 kV-Leitungen, aus Zweier-Bündeln werden zudem Vierer-Bündel. Die Übertragungsleistung wird so von 1000 MVA auf 1800 MVA pro Stromkreis steigen.

Was Amprion bereits unternommen hat, ist ein Laserscanning mit Flugzeugen für die Bestandsaufnahme der bestehenden Trasse, erläuterte Jörg Weber, der für die Projektkommunikation zuständig ist. Die Daten werden derzeit ausgewertet. In Vorbereitung ist ein sogenanntes Scopingpapier, mit dem der Untersuchungsaufwand für die nötige Umweltstudie festgelegt wird. Daran anschließen soll sich die Fremddatenabfrage bei den Trägern öffentlicher Belange. Ab Herbst soll es zu Gesprächen mit den betroffenen Grundstückseigentümern kommen. Das ganze Verfahren, betont Weber, wird transparent sein. Probleme wie bei Stuttgart 21 soll es erst gar nicht geben: "Wir wollen die Bürger mitnehmen".

So erfolgte im Januar die Erstinformation der Kommunen. In diesem Jahr wird mit einer Reihe von Informationsveranstaltungen begonnen. Bei Bedarf wird das Unternehmen Gemeinderäte informieren. Es gibt eine Wanderausstellung, die beispielsweise in Rathäusern gezeigt werden soll und es ist sogar eine Hotline eingerichtet worden. Frühestens im nächsten Jahr wird das Planfeststellungsverfahren beantragt.

In der Diskussion wurde gefragt, ob es nicht besser wäre, die Leitungen im Boden verschwinden zu lassen. Dafür seien massive Eingriffe notwendig. So brauche man eine 25 Meter breite Trasse, weshalb sich bei aktuellen Pilotprojekten massiver Widerstand aus der Landwirtschaft formiert habe, lautete die Antwort. Zudem würden die Kosten mindestens sieben Mal so hoch liegen.

Info Bei Fragen zum Projekt kann man die kostenlose Hotline anrufen: Telefon: 08 00/58 95 24 74.

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