Riedlingen Museum in der Schönen Stiege zeigt "Feierabendziegel" des Münsters

Im Museum in der Schönen Stiege in Riedlingen startet die Ausstellung "Schätze aus dem Depot": Museumsleiter Winfried Aßfalg mit dem Feierabendziegel vom Münster Zwiefalten. Foto: Waltraud Wolf
Im Museum in der Schönen Stiege in Riedlingen startet die Ausstellung "Schätze aus dem Depot": Museumsleiter Winfried Aßfalg mit dem Feierabendziegel vom Münster Zwiefalten. Foto: Waltraud Wolf
Riedlingen / WALTRAUD WOLF 05.04.2013
In Riedlingen ist die Museumssaison im neuen Jahr eröffnet worden. Auf die Besucher wartet eine erweiterte Hinterglas- und die neu arrangierte Archäologie-Sammlung sowie eine attraktive Wechselausstellung.

Museumsleiter Winfried Aßfalg strahlt. Seine Museumsmannschaft hat von seinem "Meisterstück" gesprochen. Das lässt er sich über die neue Wechselausstellung in der "Schönen Stiege" gerne sagen. Nicht Leihgeber aus nah und fern hat er diesmal angesprochen, sondern "Schätze aus dem Depot" ans Tageslicht befördert, damit interessierte Museumsbesucher erkennen können, was der Altertumsverein Riedlingen in seiner 162-jährigen Geschichte gesammelt hat und das nicht nur aus der Donaustadt selber, sondern aus der ganzen Raumschaft. "Ohne dieses Bewahren und Restaurieren. . . wären viele kostbare Zeugen des Handwerks, der Kunst und des Brauchtums verloren gegangen", hält Aßfalg fest und lobt das finanzielle Engagement der Stadt Riedlingen und des Landes Baden-Württemberg.

Wieder ist das dritte Obergeschoss für die Wechselausstellung reserviert, zu dem des "Goldschmieds Töchterlein" die Besucher empfängt. Eine der vielen Arbeiten des Unlinger Bildhauers Joseph von Kopf, der auch von Königin Olga von Württemberg eine Büste schuf und ein Relief von Kaiserin Auguste und Kaiser Wilhelm. Entstanden ist es 1886 in Rom. Von dort brachte seine Witwe die Kunstwerke mit und schenkte sie dem Altertumsverein. Auch der Briefwechsel zwischen ihr und dem Verein ist ausgestellt.

Betritt man den Ausstellungsraum, hat man bereits die Münzsammlung passiert mit keltischem Zahlmittel um 500 vor Christus bis zum Notgeld mit Stadtansicht. Eine "zerbrochene irdene Figur, gefunden im Schutt bei der Bussenruine" verdeutlicht die enge Verbindung des Altertumsvereins zum Bussen.

Eine mit Dachlandschaft gestaltete Ecke ist den handgestrichenen Feierabendziegeln gewidmet, für die Aßfalgs Herz schlägt. Die älteste Datierung nennt das Jahr 1536. Außer Ziegeln des Kapuzinerklosters ist auch ein Dachziegel vom Münster in Zwiefalten dabei. Er zeigt zwei Schlüssel. Aßfalg: Mit ihnen könnten Tabernakel-Schlüssel abgebildet sein. Andere sind mit Sprüchen versehen, das jüngste Exemplar stammt aus dem Jahr 1954 der Firma Gairing mit dem Vermerk: "Prosit Neujahr" und einem Glücksschwein. Auf einem Bruchstück ist das Riedlinger Stadtwappen zu erkennen.

Dem Handwerk wird zudem mit den frühen Zeugen der Hafner Rechnung getragen mit Bodenfliesen oder Ofenkacheln und auch dem Schmiedehandwerk mit kunstvoll gefertigten Türschlössern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert und gotischen Bartschlüsseln, von denen Aßfalg vermutet, dass sie einmal Kirchentüren schlossen. Besonders stolz ist er auf einen Dolch. Die gravierten, noch lesbaren Zeichen weisen auf das 17. Jahrhundert hin. Gefunden wurde die Waffe beim Ackern bei Dietelhofen. Steht sie im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg?

Holzmodel für Backwerk vom Barock bis zur Biedermeierzeit sind ebenfalls zu bewundern. Besonders beeindruckend findet Aßfalg zwei Butter-Model. Mit Gabriel Lämmle aus Laupheim, der von 1883 bis 1905 in Riedlingen ein Atelier hatte, wird ein zweiter Bildhauer gewürdigt, der unter anderem den Ölberg für das Kapuzinerkloster schuf.

Zum golden glänzenden Wappen der Fürsten von Hohenzollern gehören Auftragsbücher von Friedrich und Xaver Arnold, die nicht nur Hoflieferanten waren, sondern mit ihrer Feinkost exclusive Hotels belieferten.

Bibeln und andere Bücher, wie die Lebensbeschreibungen von Kapuzinern 1664, ergänzen die Ausstellung genauso wie ein Ehevertrag und Hauskaufbriefe. Unter "Kurioses" präsentiert das Museum eine achtseitige Doktorarbeit von Franz Joseph Bayz, aber auch zwei Briefe des einstigen Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel, der 1945 auf dem Weg zu seiner Mutter nach Herrlingen in Riedlingen von den Franzosen verhaftet wurde. In ihnen bedankt er sich bei dem damaligen Bürgermeister Kilian Fischer für die gute Behandlung, die ihm zuteil wurde.

Info Das Museum in der "Schönen Stiege" ist - parallel zur Galerie im einstigen Hospital zum Heiligen Geist - bis 1. Dezember freitags und samstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet und sonntags von 14 bis 17 Uhr. Die offizielle Eröffnung findet am Samstag, 6. April, 15 Uhr, mit Führungen statt.