Ob kraftvoll und dynamisch oder pianissimo und zurückhaltend, Chor und Orchester beeindruckten in ihrer Interpretation der "Stabat Mater" von Gioacchino Rossini gleichermaßen, faszinierten mit den musikalischen Nuancierungen. Der Chor überzeugte mit seinem exakten Gesang, einer Zwiesprache gleich.

Die vier Solisten Mirella Hagen, Sopran, Sonja Koppelhuber, Mezzosopran, Joaquin Asiain, Tenor, und Eric Fergusson, Bass, schenkten mit ihren Stimmen und deren enormer Ausdruckskraft der Stunde der geistlichen Musik weitere Glanzpunkte in einem Umfeld barocker Pracht. Gerade in den Arien schwang trotz der Dramatik des Geschehens und des Beweinens von Christi Tod durch seine Mutter Maria zeitweise eine eher heitere Stimmung durch. Grandios war dann das große Finale im "Amen", in dem der Chor noch einmal alle Register seines Könnens zog.

Minutenlanger Applaus für Chor, Orchester und Solisten und den musikalischen Leiter Stephan Beck waren der Lohn der begeisterten rund 600 Besucher für ein nachhaltig musikalisch-geistliches Erlebnis. Dazu beigetragen hat gleichermaßen die Mottete "Sciant gentes" von Luigi Cherubini, in der gerade auch das hervorragende Orchester glänzte. Schon hier wurde deutlich, wie gut die Musiker, Chor und Solisten die Vorgaben des Komponisten umzusetzen verstanden, kraftvoll majestätisch im ersten Satz, in der Begleitung des Basses im zweiten und in den weit gespannten Melodienbögen und großen dynamischen Gegensätzen im dritten, in denen Cherubini die aufwühlenden Worte des Psalmisten musikalisch umsetzte. Und so wurde das im Psalm beschriebene Beben und Erschüttern des Landes dank der gelungenen Interpretation von Sängern und Orchester selbst im Zwiefalter Münster spürbar.