Zwiefalten Mercedes hängt Motorräder ab

Akribisch kontrollierte die Polizei die Motorräder auf der Zwiefalter Steige.
Akribisch kontrollierte die Polizei die Motorräder auf der Zwiefalter Steige. © Foto: sh
Zwiefalten / Sabine Herder 04.06.2018

Zu schnell unterwegs oder technische Mängel am Motorrad? Biker, die am Sonntag zwischen 11.30 und 16 Uhr die Zwiefalter Steige befuhren, mussten oberhalb der Strecke am Gewerbegebiet Gürst mit einer eingehenden Kontrolle von Papieren und Motorrad rechnen. Jene, die zu schnell unterwegs waren, hatte die Kamera bereits weiter unten im vierspurigen Streckenabschnitt erwischt. Per Funk wurden sie dem Posten im Gewerbegebiet gemeldet und dort gleich herausgewunken. Motorrad-Spezialisten der Polizei nahmen sich den Bikern und ihrer Maschinen an.

100 Stundenkilometer sind auf der beliebten Motorradstrecke aus Zwiefalten heraus erlaubt. Trotzdem stürzte erst kürzlich wieder ein Motorradfahrer in der Steige wegen zu hoher Geschwindigkeit, in Verbindung mit einem Fahrfehler. „Unfälle sind stark zurückgegangen durch die Polizeipräsenz“, räumte der Leiter der Verkehrsüberwachung, Polizeihauptkommissar Wolfgang Riegert ein, „aber wir wollen die Ausreißer.“

Ausreißer, unter den Fachleuten auch „Knieschleifer“ genannt, sind jene, die die kurvige Strecke der Steige entschieden zu schnell hinaufjagen und dies teilweise ein- bis zwei Mal wiederholen. Michael Schütte, Beamter der Tübinger Verkehrspolizeidirektion, dort für den Zweiradverkehr verantwortlich und als Motorradpolizist viel um Zwiefalten unterwegs, kann das bestätigen: „Es wird auch hin- und hergefahren, zum Spaß, es kostet ja kein Geld.“

Es geht um die schwarzen Schafe auf der stark frequentierten, kurvenreichen und deshalb unfallträchtigen Zwiefalter Strecke. Aber „es gelingt uns immer wieder, die zu erwischen und herauszuziehen“, zeigte sich Riegert zuversichtlich. Aus der im vergangenen Jahr durchgeführten Kontrollaktion, so resümierte er, werden derzeit noch etliche Fahrverbote verhandelt.

Tatsächlich war auch gleich der zweite Biker am Sonntag viel zu schnell unterwegs. 131 km/h zeigte die Überwachungskamera der Kontrollstelle an. Damit wird ein Bußgeld fällig, und Punkte in Flensburg gibt‘s auch. Bei vielen anderen Bikern hingegen ging die Kontrolle glimpflicher aus, etwa bei dem sechsköpfigen Team aus dem Raum Köln, die mit ihren Motorrädern unterwegs ins Tannheimer Tal waren. Steffen Schwarzkopf, Karlsruher Experte vom „Kompetenzteam Motorrad“ und seine technisch versierten Tübinger Kollegen fanden nichts zu beanstanden. Sie ließen die „Genuss-Biker“ älteren Semesters mit einem freundlichen „Gute Fahrt“ wieder ziehen.

Ein Reutlinger Harley-Davidson-Fahrer hingegen hatte weniger Glück. Der Grund: Er trug nur ein so genanntes „Brain Cap“, was zwar stilecht aussieht, aber überhaupt keine Schutzfunktion besitzt. Ende der Fahrt. Das Bußgeld in Höhe von 30 Euro gibt‘s für „Fahren ohne Helm“. Eine Weiterfahrt ist in dem Fall nur möglich, wenn der Biker einen zweiten, zulässigen Schutzhelm mitführt.

Ganz arg traf‘s letztlich jedoch einen Auto-Fahrer mit getuntem AMG Mercedes. Der war mit 158 Sachen die Steige heraufgebrezelt und konnte für diverse Veränderungen an seinem Fahrzeug keine Eintragungen vorweisen. Sein Ausflug endete im Gürst mit der Auflage, direkt nach Hause zu fahren. Neben einem hohen Bußgeld und Punkten im Verkehrsregister ist dem Fahrer auch ein Fahrverbot sicher.

Insgesamt wurden vom Tübinger Einsatzteam am Sonntag 127 Motorräder kontrolliert. 22 davon wiesen technische Mängel auf, 26 waren zu schnell unterwegs. Der schnellste Biker brachte es auf 140 km/h, was – wie sieben weitere Geschwindigkeitsverstöße – zur Anzeige gebracht wird. In den restlichen 18 Fällen reichte eine Verwarnung aus.

Die Polizei händigte außerdem 15 Mängelberichte aus, fünf Bikern wurde wegen technischen Mängeln oder unzulässigen Schutzhelmen die Weiterfahrt untersagt.

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