Leidenschaft für Wetterinstrumente

Gerhard Stöhr sammelt leidenschaftlich Wetterinstrumente. Die 100 schönsten zeigt er derzeit im Museum in der "Schönen Stiege" in Riedlingen. Foto: Waltraud Wolf
Gerhard Stöhr sammelt leidenschaftlich Wetterinstrumente. Die 100 schönsten zeigt er derzeit im Museum in der "Schönen Stiege" in Riedlingen. Foto: Waltraud Wolf
WALTRAUD WOLF 06.08.2012
Gerhard Stöhr sammelt seit 30 Jahren historische Wetterinstrumente. Jetzt zeigt er eine Auswahl seiner schönsten im Riedlinger Museum "Schöne Stiege". Die Stücke sind noch bis Dezember zu besichtigen.

Riedlingen. Der Uhrmacher, Augenoptiker- und Hörgeräteakustiker-Meister hatte schon beruflich mit meteorologischen Wetterinstrumenten zu tun, gehörte das Wissen um ihre Funktion doch bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts noch zum Berufsbild des Augenoptikers.

Seit 1980 pflegt er sie vor allem als private Passion. Sein Interessengebiet gilt dabei dem Beobachten und Messen der Wetterphänomene, des Luftdrucks mit dem Barometer, der Temperatur mit dem Thermometer, der Luftfeuchtigkeit mit dem Hygrometer und der Luftbewegung mit dem Anemometer. Eine Barometer-Ausstellung in Bremen und mehrere Reisen nach England, dem Land der Quecksilberbarometer, machten ihn zum begeisterten Sammler. Seine Leidenschaft präsentiert er heuer in der Wechselausstellung des Museums.

Er hat ganz besondere Wetterinstrumente dafür ausgewählt: bei den Barometern solche der vergangenen 200 Jahre, wie ein Louis XVI - Quecksilberbarometer um 1780 und ein sehr frühes Dosenbarometer des Franzosen Vidie aus den Vierziger-Jahren des 19. Jahrhunderts. Seine Sammlung der Hygrometer ist ziemlich vollständig, vom frühen Fichtenzweig bis zu den thermometrischen Methoden mit dem "Psychometer". Bei den Thermometern erwarten die ersten Flüssigkeitsthermometer, aber auch interessante Metallthermometer, die Besucher, verspricht Stöhr. Was ihm wichtig ist: Die Ausstellung soll dokumentieren, dass es nicht unbedingt eines dicken Geldbeutels bedarf, um eine bedeutende Sammlung zusammenzutragen. Er setzt hier mehr auf Zusammenhänge und Wissen.

Deshalb kümmerte er sich von Anfang an nicht nur um die Instrumente selber, sondern auch um ihre geschichtliche Entwicklung und erwarb dazu - häufig antiquarisch - eine große Anzahl von Büchern. Sie wiederum versetzten ihn in die Lage, sich ein profundes Wissen anzueignen und wiederzugeben. Dies geschieht einerseits auf einem virtuellen Museum der "Freunde alter Wetterinstrumente", das er mit anderen Sammlern 2001 einrichtete und seither pflegt, und andererseits in Fachbüchern, die er zusammen mit Rainer Holland verfasste: "Die Geschichte der Hygrometer" und das "Handbuch zu den Quecksilberbarometern" sind bereits erschienen. Das dritte über Thermometer ist in Vorbereitung.

Das Sammlerportal führte ihn zu einer Anfrage der Universität Kopenhagen und bescherte ihm jüngst im Museum Besuch eines Dänen, der die Rückfahrt aus seinem Urlaub in der Schweiz zu Besichtigung und Gespräch nutzte. Am Sonntag, 9. September, gibt Gerhard Stöhr wieder Auskünfte zu den rund 100 Exponaten in der "Schönen Stiege".

Info Die Ausstellung "Leidenschaften" mit Sammlungen von Tonträgern und einem Fernschreiber von Kurt Gehweiler, Messgeräten, wie Barometern oder Thermometern von Gerhard Stöhr und Foto- und Filmapparaten von Max Haberbosch im Museum in der Schönen Stiege ist bis Dezember freitags von 15 bis 17 Uhr und samstags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.