Nürtingen/Marbach Landgestüt Marbach spielt wichtige Rolle beim Bachelor-Studiengang Pferdewirtschaft

JOACHIM LENK 10.08.2012
Es gibt ihn erst seit drei Jahren, aber er ist schon ein Renner. Die Rede ist vom Bachelor-Studiengang Pferdewirtschaft der Hochschule Nürtingen, bei dem das Haupt- und Landgestüt Marbach eine wichtige Rolle spielt.

Seit dem Wintersemester 2009/2010 wird der in Deutschland einzigartige Bachelor-Studiengang Pferdewirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen-Geislingen angeboten. Zuvor mussten Interessenten ins Ausland, um einen solchen Abschluss erlangen zu können, weiß Studiendekan Professor Doktor Dirk Winter, der von Anfang an den Lehrstuhl leitet.

Sieben Semester umfasst das Studium, das 48 Studienplätze bietet. Das vierte ist ein praktisches Semester, das die Hochschüler im In- oder Ausland beispielsweise bei einem Pferdebetrieb, einem Futtermittelhersteller oder einer Messeorganisation absolvieren können.

Im kommenden Frühjahr wird es ernst. Dann haben die Studierenden zum ersten Mal die Möglichkeit, das Studium Pferdewirtschaft mit dem Abschluss Bachelor of Science B. Sc. zu beenden.

Ziel des Studienganges ist die Vermittlung fundierter Kenntnisse, um der zunehmenden Nachfrage der Pferdewirtschaft nach hoch qualifizierten Fachkräften Rechnung zu tragen. Die modular aufgebauten, praxisnahen Lehrinhalte decken alle Bereiche der Pferdewirtschaft von Haltung, Fütterung, Zucht, Pferdesport und -marketing bis hin zu Aspekten der Unternehmensführung und des Personalmanagements ab, erklärt Winter.

Das Studienkonzept baut auf Kooperationen der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt mit namhaften Institutionen, der Pferdeklinik in Kirchheim und dem Fink-Planungsbüro in Aufkirchen. "Fundierte Erfahrungen aus erster Hand, praktische Vorführungen und Demonstrationen bilden in Kombination mit der wissenschaftlichen Lehre eine zukunftsorientierte Einheit", weiß Winter. Die Einbindung von externen Lehrbeauftragten aus Sport, Zucht und Industrie unterstreiche die Praxisnähe des Studienkonzeptes.

Einbezogen werden Lehrveranstaltungen zur Reit- und Fahrausbildung, zum therapeutischen Reiten und zur Ausbildung von Pferden. Die Kooperationen mit dem Kompetenzzentrum Pferdezucht und Pferdehaltung Baden-Württemberg sowie dem Haupt- und Landgestüt in Marbach spielen dabei eine wichtige Rolle, sagt Professor Winter.

Nicht nur die räumliche Nähe, auch die "hervorragenden Möglichkeiten bei der Praxisausbildung" und die "sehr gute Zusammenarbeit" mit der Gestütsleiterin und deren Mitarbeiter hebt er hervor. Landoberstallmeisterin Astrid von Velsen-Zerweck selbst hält Vorlesungen an der Hochschule.

Das Haupt- und Landgestüt ist zudem in Forschung und Lehre des innovativen Studiengangs eingebunden. So war zum Beispiel das Projekt "Ausbildungsmethoden von Jungpferden im Vergleich" ein gemeinsames Forschungsprojekt. Im Rahmen der Begleituntersuchungen unter der wissenschaftlichen Regie von Professor Stanislaus von Korn wurden ethologische, physiologische, morphologische sowie röntgenologische Parameter erhoben. Wer mit Reiterhof-Romantik bei diesem Studiengang rechnet, der irrt gewaltig. Rund 80 Prozent der Ausbildung findet in den Hörsälen statt.

"Trotzdem sind die Studenten sehr engagiert und mit viel Feuereifer dabei. Die meisten Vorlesungen sind komplett besucht", freut sich der Studiendekan. Unter den Hochschülern sind vom Abiturienten bis zum über 40-Jährigen, der sich neu orientieren möchte, die unterschiedlichsten Interessenten vertreten. Der Frauenanteil überwiegt mit rund 95 Prozent. "Pferdeleidenschaft ist nach wie vor eher weiblich", schmunzelt Winter.

Mitte Juni haben die Studenten den ersten Tag der Nürtinger Agrar- und Pferdewirtschaft initiiert, organisiert und durchgeführt. Es gab zahlreiche Vorführungen, Vorträge und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Mehr als 5000 Besucher schauten vorbei. "Alles hat wie am Schnürchen geklappt", lobt Winter seine Hochschüler.

Der nächste Studienjahrgang beginnt am 1. Oktober. Bewerbungen nimmt die Hochschule in Nürtingen aber erst wieder für das Wintersemester 2013 entgegen. Dann beginnt der fünfte Studienjahrgang.

Studiendekan Dirk Winter rechnet wieder mit mehr als 400 Bewerbungen aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland für die 48 Plätze.