Riedlingen Künstlers Gedanken - zum Werk und zur Kunst überhaupt

Wolf Kalz erläutert einer Besucherin eines seiner Werke. Foto: Waltraud Wolf
Wolf Kalz erläutert einer Besucherin eines seiner Werke. Foto: Waltraud Wolf
Riedlingen / WALTRAUD WOLF 08.10.2013
Der 80. Geburtstag von Wolf Kalz war für den Kunstkreis 84 Riedlingen Anlass, seinem Gründungsmitglied eine Ausstellung zu widmen.

Die jüngste Bronze ist nur wenige Tage alt und eine von 51 Plastiken, die neben 13 Zeichnungen im Kaplaneihaus in Riedlingen gezeigt werden, verriet Kunstkreis-Vorsitzender Michael Noelle bei der Eröffnung am Freitag. Der Künstler selber führte in die Ausstellung ein und wollte dabei nicht nur das Geschaffene betrachtet wissen, sondern auch die Gedanken vermitteln, die er mit der Kunst im Allgemeinen und seinen Werken im Besonderen verbindet, so die Eroberung der Neuen Welt mit dem Holzbalken aus dem Jahre 1492 aus einem Abrisshaus, versehen mit einem Kreuz aus roter Farbe, aber auch die Darstellung des Königlichen und damit von Hoheit und Würde, Geist und Willen als Voraussetzungen zur Ordnung einer "schon immer aus den Fugen geratenden Welt".

Dass er dem Schönen zugetan ist, verhehlte er nicht. Das Hässliche setze erst Exempel, bald gewöhne sich das Auge daran, schließlich verbilde sich der Sinn. Es gehe nicht darum, ständig neue Gestaltungen zu finden und zu erfinden, sondern aus dem Bestand des seit jeher Gefundenen zu schöpfen, es in Erinnerung zu rufen und ihm mit neuen Mitteln neuen Ausdruck zu verleihen, ließ Kalz wissen, der bemängelte: "Etwas stimmt nicht an der Kunst von heute, die so passioniert ,gegenstandslos sein will, dass am Ende alle Ähnliches pinseln, Ähnliches klempern, ähnlich Gegenstandsloses aus der Esse ziehen. Dabei müsse die Kunst beileibe nicht gegenständlich sein, aber sie müsste das auch nicht um jeden Preis nicht sein wollen und obendrein alle Gegenständlichkeit mit Verachtung strafen. Es scheine, führte er seine Kritik weiter aus, als könne eine Kunst, die den Anspruch auf Modernität erhebe, sich nur noch im Gewande des Perversen präsentieren. Das Schöne gelte ihr schlechthin für "provinziell", das Natürliche für entartet, das Wahre für reaktionär. Geltung finde nurmehr "das Interessante", der Effekt.

Man habe oft Verdruss an seinem Publikum, wandte er sich an die Besucher der Vernissage. "Denn was wüsste dieses schon zu schätzen?" Es sehe das Augenfällige, das Wesentliche bleibe seinen Sinnen unerkannt. "Und was einer sich an Gedanken und Mühe gemacht und an Liebe und Schweiß hat ins Werk fließen lassen, das findet nur selten einen Fragenden oder gar einen Kenner". Die Besucher der Vernissage verdross dieses Urteil nicht. Sie bewunderten Wolf und Nymphe, die Lady und den Schwerttänzer, setzten sich auch mit kritisierenden Werken, wie "Big Brother" oder dem "Lauschangriff" auseinander, stellten Fragen und erwiesen sich hier und da durchaus als Kenner.

Info Die Ausstellung im Kaplaneihaus in Riedlingen ist bis 20. Oktober freitags, samstags und sonntags jeweils von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

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