Hohenstein Kontroverse um den richtigen Standort

Zwischen zwei Handwerksbetrieben liegt das Grundstück, das in Bernloch für das Gesundheitszentrum vorgesehen ist. Die Bundesstraße 312 ist nahe.
Zwischen zwei Handwerksbetrieben liegt das Grundstück, das in Bernloch für das Gesundheitszentrum vorgesehen ist. Die Bundesstraße 312 ist nahe. © Foto: Google
Hohenstein / Reiner Frenz 05.07.2018

Es ist ein Pilotprojekt, eines, das neue Wege beschreiten will in Sachen ärztlicher Versorgung im Ländlichen Raum. Das geplante Hohensteiner Gesundheitszentrum stand am Dienstagabend im Mittelpunkt der Sitzung des Gemeinderates. Es gab für die Räte und damit letztlich auch für die Bevölkerung Informationen über den Stand der Dinge – und eine überraschende Auseinandersetzung über den Standort.

Grundstück ist erschlossen

Der ist ja vorgesehen auf einem gemeindeeigenen Grundstück mit 6000 Quadratmeter Fläche zwischen Finkenweg und der Bundesstraße 312. Ins Gesundheitszentrum einziehen will der Allgemeinmediziner Dr. Johannes Müller, der der Sitzung beiwohnte und dem Rederecht eingeräumt worden war. Das Thema angestoßen hatte Georg Steiner mit der Frage, ob in der Standort-Frage Konsens herrsche. Bürgermeister Jochen Zeller antwortete, dass es keine Alternative gebe. Das 6000 Quadratmeter große Grundstück sei erschlossen und genehmigungsfähig. Man rede über eine bebaute Fläche von 1000 Quadratmetern. Ein weiterer Vorteil: Man sei damit nahe an der Bernlocher Ortsmitte.

Müller meldete sich nun zu Wort, äußerte seine Unzufriedenheit mit dem „Bauplatz zwischen zwei Industriestandorten“. Er und weitere künftige Nutzer des Gesundheitszentrums würden sich einen besseren Platz wünschen, und zwar bei der Hohensteinschule. Dieser sei ja zunächst durch das Albgymnasium blockiert gewesen, was ja jetzt nicht mehr so sei. Müller nannte als Pluspunkte das grüne Ambiente, die vorhandenen Parkplätze, die Nähe zu Sporthalle und Schwimmbad. Zeller antwortete, dass das Grundstück nicht zur Diskussion stehe, weil baurechtlich nicht gesichert: „Das würde den zeitlichen Rahmen sprengen. Man müsste vom Baubeginn Ende 2018 abrücken. Es gebe einen Gemeinderatsbeschluss, unterstrich Zeller, deshalb gehe es jetzt nicht um den Bauplatz, beendete der Bürgermeister die Diskussion um diesen Punkt.

Was hat sich seit Mai vergangenen Jahres, also seit der Veranstaltung im Dorfgemeinschaftshaus, getan? Um diese Frage ging es Zeller zu Beginn. Man habe im Lenkungskreis, der sich regelmäßig treffe, Projekte beraten, Finanz- und Zeitpläne erarbeitet, um die Bosch-Fördermittel beantragen zu können. Die Bewilligung sei erfolgt und seit 1. Dezember laufe der dreijährige Förderzeitraum. Man sei dabei, die Rechtsform endgültig zu definieren.

Dabei gelte es auch die Belange der einzelnen Praxen – ins Boot gekommen ist mittlerweile aus Engstingen auch der Physiotherapeut Aleksandar Matkovic, der eine Zweitpraxis im Gesundheitszentrum eröffnen will – zu berücksichtigen. Man wolle weiterdenken, ein Modell für die Zukunft entwickeln: „Das geht nicht von heute auf morgen, will wohlüberlegt sein“. Die Patienten sollen auf jeden Fall durch einen Patientenlotsen betreut und an die richtige Stelle gelotst werden. Baulich soll das Zentrum mit Flying Spaces der Firma Schwörer verwirklicht werden, womit es modulhaft entwickelt werden könne.

Man habe sich für Professor Dr. Barbara Steiner als Projektmanagerin und Koordinatorin entschieden, so Zeller. Diese stellte sich im Gremium auch vor. Sie hat große Erfahrungen in der Altenhilfe gesammelt, ist seit einem Jahr Professorin für Soziale Arbeit an der Hochschule in Heidenheim. Sie wird das Projekt in allen Schritten begleiten und umsetzen.

Das PORT-Zukunftsmodell (Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung) sei anspruchsvoll, zumal  das deutsche Gesundheitssystem noch woanders stehe. Wichtig sei, dass man die Kassen mitnehme.

Andreas Bauer, Sozialdezernent im Landratsamt, betonte, dass das Gesundheitszentrum keine geschlossene Veranstaltung sei. Der Landkreis sei mit dem Pflegestützpunkt dabei, die regionale Gesundheitskonferenz werde räumlich vertreten sein, die Uni Tübingen eine Lehrpraxis unterhalten, Platz für Konziliarärzte sei nötig. Der Lotse solle seine Arbeit nicht auf die Praxen beschränken, sondern durch das gesamte Gesundheitssystem führen bis hin zu Kontakt mit Sportvereinen.

Johannes Müller nannte das Projekt „extrem wichtig“. Noch hänge man fest in der Regulation der 1950-er Jahre, als es eine Ärzteschwemme gab. Vieles erschwere die Umsetzung der hervorragenden Idee.

Es gelte alte Strukturen zu überwinden, pflichtete ihm Zeller bei. Dazu müssten harte Bretter gebohrt werden. Erst letzte Woche habe man die Gelegenheit gehabt, sich das spanische Gesundheitssystem anzuschauen, wo schon in den 80-er Jahren Gesundheitszentren entwickelt wurden und einige Ideen mitgenommen.

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