KOMMENTAR: Vertrauen

RALF OTT 24.05.2012

Obwohl "Sparen" als schwäbische Grundtugend gilt, sieht es bei Einsparungen in Unternehmen, Behörden oder, wie nun erforderlich, im Klinikbereich anders aus. Kritik ist schnell formuliert und der Verdacht, funktionierende Strukturen wegen ein paar Euros zu Lasten von Patienten und Personal zu zerschlagen, keimt rasch. Das bestätigte die Informationsveranstaltung der Patienteninitiative, zumindest wenn der Beifall der Zuhörer als Gradmesser gilt. Der beschränkte sich überwiegend auf Einwände gegenüber der Umstrukturierung. Zu Recht? Die beabsichtigte Schließung des Riedlinger Krankenhauses weist in eine andere Richtung. Den Verantwortlichen bleibt keine andere Wahl, als Kosten zu senken. Darauf, dass dies sinnvoll geschieht, sollten die Bürger vertrauen. Wer sich auf dem OP-Tisch der Kunst der Ärzte anvertraut, sollte der Klinikorganisation auch die Fähigkeit zugestehen, für sauberes OP-Besteck und eine funktionierende Intensivstation sorgen zu können. Doch ein Einwand bleibt: Wenn das Wohl des Patienten Maßgabe für Einsparungen ist, erscheint der Verzicht auf die CT-Diagnostik nicht angebracht. Im Notfall kann Reutlingen weit weg sein.