Zwei weitere Vorranggebiete für Windkraftanlagen, nämlich die Flächen Schäfbuch sowie Hausberg-Mörsbuch – beide umfassen sowohl Grundstücke auf Hohensteiner wie auch Pfronstetter Gemarkung – haben sich aus dem Suchlauf verabschiedet. Grund: Als Folge der „absehbaren artenschutzfachlichen Konflikte“ wird die Firma wpd onshore GmbH ihre bisherigen Planungen und Voruntersuchungen beenden und in absehbarer Zeit nicht weiterführen. Das teilte das Unternehmen gestern als Träger der Planungen für die beabsichtigte Errichtung von zunächst 16 und später dann insgesamt noch 13 Anlagen mit.

Der Windpark-Projektentwickler und Betreiber mit Sitz in Bietigheim-Bissingen hatte die Planungen seit 2012 vorangetrieben, heißt es in der Mitteilung weiter. Neben einer aufwendigen Messung der Windgeschwindigkeiten am Standort Hausberg wurden über mehrere Jahre hinweg Untersuchungen zu geschützten Vogel- und Fledermausarten durchgeführt.

Diese brachten nun ein ernüchterndes Ergebnis: Die für die Windparks vorgesehenen Flächen werden deutlich stärker vom geschützten Rotmilan überflogen, als dies zu erwarten war, denn beide Flächen liegen nahezu vollständig im Wald. Da der Rotmilan im Offenland jagt, wird der Wald üblicherweise selten überflogen. Konflikte mit Windkraftanlagen seien in größeren Waldgebieten folglich kaum zu erwarten. „Hier haben wir es allerdings mit einem Sonderfall zu tun“, sagt Falco Engelfried, Projektleiter bei wpd. „Die hohe Populationsdichte an Rotmilanen führt offensichtlich dazu, dass die Vögel Revierkämpfe über dem Wald austragen – daher die zahlreichen Überflüge“. Dies sei für die Fachleute völlig überraschend gewesen.

Weder eine Ausweisung der Flächen als Windvorranggebiete in den Flächennutzungsplänen der Gemeinden, noch eine Genehmigung nach Bundesimmissionsschutzgesetz erscheine auf Basis dieses artenschutzfachlichen Befundes nach aktueller rechtlicher Lage in Baden-Württemberg möglich. Da in beiden Gemeinden vor allem aufgrund weiterer festgestellter artenschutzrechtlicher Konflikte die Alternativflächen fehlen, werden Pfronstetten und Hohenstein ihre Verfahren zum Flächennutzungsplan im Bereich Windkraft bis auf weiteres nicht weiterführen.

Hohensteins Bürgermeister Jochen Zeller sagte dazu: „Für uns ist dies kein wünschenswertes Ergebnis, da wir das Instrument zur zentralen Steuerung des Windkraftausbaus in unserer Gemeinde nicht anwenden können.“ Und der Pfronstetter Bürgermeister Reinhold Teufel ergänzte: „Auch wir hätten den Windkraftausbau gerne mit einem Flächennutzungsplan gesteuert. Es ist bedauerlich, dass wir und wpd als zuverlässiger Partner an unserer Seite durch die Rahmenbedingungen nun ausgebremst werden.“

Bedauerlich ist dieses Ergebnis auch für den Windkraftausbau in Baden-Württemberg, insbesondere auf der Alb im Kreis Reutlingen: Einer der letzten verbleibenden großen Potenzialbereiche für die Windkraftnutzung in dieser Region ist damit bis auf weiteres nicht umsetzbar. „Natürlich muss man sich auch fragen, ob wir uns das als Bundesland leisten können. Die hiesige Alb ist eine der windhöffigsten Regionen in Baden-Württemberg mit sehr großen Flächenpotenzialen für die Windkraftnutzung“, sagte Sebastian Grosch, bei wpd Leiter der Projektentwicklung onshore national. „Dass hier nun absehbar keine Windkraftanlagen entstehen können, ist auch Ergebnis der Regularien und Leitfäden zum Thema Windkraft und Artenschutz im Land“, so Grosch weiter.

Wenn der Klimaschutz weiter ernst genommen werden solle,  seien konstruktive, maßgeschneiderte Lösungen für diese Konflikte erforderlich. „Werden zum Beispiel auf die ortsspezifische Situation angepasste Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen im Zuge von Windparkprojekten umgesetzt, kann die Population des Rotmilans hiervon sogar profitieren“, ist Grosch überzeugt. Das aktuelle Regelwerk erscheine der Firma wpd in dieser Hinsicht zu unflexibel und zu wenig pragmatisch: „Pauschale Verbote helfen weder uns noch den Gemeinden weiter.“