Die kleine Bühne im "Adler" wirkte diesmal fast zu groß: Sie gehörte am Samstag ganz allein Julian Kehrer, der für sein Akustikprojekt nichts anderes braucht als Stuhl, Mikro, Notenständer, eine auf's Wesentliche reduzierte Technik und natürlich seine Gitarre. Und so sieht er fast verloren aus, wie er in der Mitte der Bühne sitzt und selbstvergessen konzentriert an den Saiten der Gitarre zupft. Was dabei herauskam, schlug jedoch das Publikum in seinen Bann.

Julian Kehrers Solo- und Akustikprojekt (er spielt außerdem in der Band "Matador" und ist Teil des Tübinger Duos "Cosmic July") ist geprägt von den warmen Tönen und dem feinen Klang der Akustikgitarre. "Filigrane Gitarrenmusik", so steht's auf seiner Homepage www.julian-kehrer.de, und wenn man von der Besucherzahl im Adler auf die Fangemeinde schließen kann, dann hat er damit bereits viele Freunde gewonnen.

Am Samstag erfüllte er den recht gut besuchten Adler-Saal scheinbar mühelos mit der Klangfülle seiner im Fingerstyle gespielten Eigenkompositionen.

Die sind ebenso kreativ wie lyrisch und oft von spannender und virtuoser Spieltechnik geprägt. Gefühlvolles Fingerpicking und experimentierfreudige Musikalität verbindet Julian Kehrer an seiner Gitarre geschickt zu einem vielseitigen Spiel mit Einflüssen aus Jazz, Blues und Folk.

So lebt sein Titel "Emotions" beispielsweise nicht nur durch die sanft eingängige Melodieführung, sondern gewinnt seine Spannung ganz nebenbei durch die laut-harten Akkorde, die Kehrer seinem Fingerpicking einfügt. Und auch vor Techniken der experimentellen Gitarrenmusik macht der Gitarrist aus Meidelstetten nicht Halt: In "Spiritual Groove" ist es das "Tapping" (zusätzliche Drumschläge der rechten Hand auf dem Korpus/Saiten), mit dem er dem Titel seinen groovigen Rhythmus gibt. "Es macht Spaß, das zu spielen", gesteht er seinen Fans und dreht dabei an den Wirbeln seiner Gitarre. Die Stücke, so erklärt er den Gästen, haben verschiedene Stimmungen, daher ist auch ein häufiges Umstimmen der Gitarre notwendig.

Einem weiteren selbst komponierten Stück mit dem Titel "Clear as water" folgte schließlich auch noch ein gecoverter Song: "Drifter's wife" hat Julian Kehrer von seinem musikalischen Vorbild J.J. Cales mit ins Programm genommen.

Kein Produzent hat bei Julian Kehrers CD "Colours of Guitar" mitgewirkt, kein Designer das Cover dafür entworfen. Von den Liedern bis zur fertigen Silberscheibe ist die CD eine Eigenproduktion - und deshalb authentisch bis ins Detail. Sein Auftritt im Adler machte da keine Ausnahme: Julian Kehrers Musik braucht keine Show. Nur eine Gitarre!