Bildung Jetzt eigenständige Schule

Thomas Seyfarth, KBF-Stiftungsratsvorsitzender, führte Angelika Baum (links) und Tina Kaiser in ihre neuen Ämter als Leiterin und Stellvertreterin an der Münsinger Dreifürstensteinschule ein.
Thomas Seyfarth, KBF-Stiftungsratsvorsitzender, führte Angelika Baum (links) und Tina Kaiser in ihre neuen Ämter als Leiterin und Stellvertreterin an der Münsinger Dreifürstensteinschule ein. © Foto: Reiner Frenz
Münsingen / Von Reiner Frenz 11.04.2018

Aus der Außenstelle ist jetzt eine eigenständige Schule geworden, und die hat natürlich auch eine Schulleitung. Gemeint ist die Münsinger Dreifürstensteinschule. Die war von der KBF (Körperbehindertenförderung Neckar-Alb) als Dependance der Mössinger Dreifürstensteinschule gegründet worden. Gestern Mittag war offizielle Amtseinsetzung der Schulleiterin Angelika Baum und ihrer Stellvertreterin Tina Kaiser.

In seiner Begrüßung führte Thomas Seyfarth, Stiftungsratsvorsitzender der KBF, aus, dass die Eigenständigkeit der Münsinger Dreifürstensteinschule die logische Folge der stabilen Entwicklung, die die Schule in Münsingen genommen habe, sei, stabil sowohl bei der qualitativen fachlich-konzeptionellen Ausrichtung als auch bei der Zahl der Schüler. Die Beibehaltung des Namens Dreifürstensteinschule bringe die weiterhin enge Verbindung zur gleichnamigen Schule in Mössingen und die Einbindung in den Verbund der KBF-Einrichtungen zum Ausdruck.

Für eine Schule geeignete Führungspersönlichkeiten zu gewinnen, sei heute beileibe keine Selbstverständlichkeit mehr. Das gelte für ein eigenständig gewordenes Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) im Spannungsfeld zwischen Förder- und Inklusionsanspruch im Besonderen. Deshalb sei er glücklich, dass zwei derart geeignete Kandidatinnen gewonnen werden konnten.

Wichtig für diese Aufgabe sei die Motivation, Leistungsverantwortung zu übernehmen, die fachliche Qualifikation für die pädagogische Ausrichtung der Schule und die persönliche Eignung, ein interdisziplinäres Team zu führen, so Seyfarth weiter.

Angelika Baum sei 2001 für KBF gekommen. Der Schulstandort Münsingen sei damals fünf Jahre alt gewesen. Sie habe also nicht die Gründung miterlebt, aber den Auf- und Ausbau der Schule mitgeprägt. 2008 habe Angelika Baum die Abteilungsleitung für die Außenstelle Münsingen übernommen. Fachlich habe sie ihr besonderes Augenmerk auf den Förderschwerpunkt „körperliche und motorische Entwicklung“  gelegt. Bewegungsprojekte, Lauftreff oder Rollstuhltraining seien Beispiele für die erfolgreiche Arbeit.

Nicht dem Zufall überlassen

Wichtig sei die Einrichtung des nachschulischen Dienstes gewesen, betonte der Stiftungsratsvorsitzende. Somit werde der biografische Übergang der Schüler nach dem Abschluss nicht dem Zufall überlassen.

Tina Kaiser sei sei 2005 als Lehrerin an der Dreifürstensteinschule tätig, habe aber schon davor die „klassische KBF-Laufbahn“ eingeschlagen. Schon im Freiwilligen Sozialen Jahr sei sie im Grundstufenbereich der Dreifürstensteinschule in Mössingen, tätig gewesen. Tina Kaiser sei in der Frühberatung in der Kooperation tätig gewesen, habe dabei den Blick über den Tellerrand der eigenen Schule hinaus gerichtet.

Innerhalb der Schule habe sie die Koordination der Hauptstufe und später zusätzlich der Berufschulstufe übernommen. Zu erwähnen sei ihr Engagement beim Aufbau des therapeutischen Reitens. Für die neuen Aufgaben wünschte Seyfarth dem Schulleitungs-Duo viel Erfolg, Kraft, Humor und Freude bei der Arbeit, ehe er die Amtseinführung durch Urkundenübergabe vollzog.

„Hier ist etwas los“

Schulrat Martin Schüler erklärte, dass er mit Angelika Baum stets in gutem Austausch gestanden habe über fachliche Zusammenhänge. In Münsingen sei ein Lern- und Lebensraum entstanden, in dem sich die Schüler wohlfühlen könnten: „Hier wird intensiv gearbeitet. Hier ist immer etwas los“, so Schüler. Er erinnerte an die Geschichte der Schule, deren Gebäude für die Belange der Kinder hervorragend geeignet sei. 28 Lehrer seien in Münsingen tätig, viele davon in Teilzeit.

Andreas Bauer, Sozialdezernent im Landkreis Reutlingen, drückte seine Freude aus, bei der Amtseinsetzung dabei sein zu können. Die Schullandschaft im Landkreis werde durch eine weitere eigenständige Schule bereichert. Er wisse, dass an der Dreifürstensteinschule hervorragende Arbeit geleistet werde, eine „tolle Atmosphäre“ herrsche: „Hier wird auf jeden Einzelnen individuell eingegangen“. Auch Kinder, die sich nicht verbal ausdrücken könnten, hätten hier eine Stimme.

Er halte die Anerkennung als eigenständige Schule für ein wichtiges Zeichen, schließlich habe es ja schon Befürchtungen gegeben, dass in Zeiten der Inklusion die sonderpädagogischen Zentren Auslaufmodelle seien.

Es sei gut, dass Eltern und Schüler die Möglichkeit hätten, das Angebot zu wählen, das individuell am besten passe. Wünschenswert wäre freilich eine bessere Bündelung aller Kräfte, weil der Koordinations- und Abstimmungsaufwand sehr groß sei und so viel Zeit auf der Strecke bleibe.

Angelika Baum erklärte, dass sie mit der Übernahme der Abteilungsleitung in Münsingen berufliches Neuland betreten habe: Ich bekam Einfluss auf die Gestaltung der noch jungen Schule, konnte ihr Profil schärfen“. In den vergangenen Jahren habe man vieles auf einen guten Weg gebracht und nun werde man die neuen Herausforderungen meistern, so Baum.

Tina Kaiser wollte schon als kleines Mädchen Lehrerin und Springreiterin werden, das Reiten ist ihr Hobby geworden. Nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr in Mössingen sei ihr klar gewesen, dass die Sonderschule ihre Schule sein werde. Sie betonte, dass die Schüler im Vordergrund stünden: „Ihr seid es, für die es sich jeden Tag lohnt, an die Schule zu kommen.“

Die Schüler waren es auch, die mit Liedern und Stepdance für eine bunte Feier sorgten.

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Schülerinnen und Schüler besuchen aktuell die Münsinger Dreifürstensteinschule. Sie werden vom KBF-Fahrdienst zur Schule und wieder nach Hause gebracht.

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