Interview Interview mit Bürgermeisterin Fransziksa Höchstädter

Fühlt sich in ihrem neu eingerichteten Arbeitszimmer wohl: Mehrstettens Bürgermeisterin Franziska Höchstädter.
Fühlt sich in ihrem neu eingerichteten Arbeitszimmer wohl: Mehrstettens Bürgermeisterin Franziska Höchstädter. © Foto: Ulrike Bührer-Zöfel
ub 30.09.2017

Wie sah vor einem Jahr Ihr erster Arbeitstag aus?

Ich bin an dem Samstag morgens ins Rathaus und habe mir einen Überblick verschafft, die Wiedervorlegen  und die Termine  angeschaut, geprüft, was alles demnächst anliegt. Und dann natürlich meinen Arbeitsplatz eingerichtet und den PC für den Arbeitsstart vorbereitet.

Und – war das gestern oder lange her?

Ich weiß gar nicht, wo die zwölf Monate hin sind. Aber wenn ich nachdenke,  haben wir doch ganz schön viel auf den Weg gebracht in dieser Zeit. Von Feldwegesanierung bis zum Breitbandausbau – ein breites Spektrum.

Sie waren stellvertretende  Hauptamtsleiterin. Was  war neu an der Arbeit als Bürgermeisterin, wer hat beim Einarbeiten geholfen?

Grundsätzlich war nicht viel neu. Ich habe ja geahnt, was auf mich zukommt. Auch, dass eine 60 bis 70 Stunden-Woche die Regel ist. Aber natürlich hatte ich Vieles noch nicht selber gemacht, zum Beispiel Repräsentationsaufgaben übernehmen.  Das mache ich  aber sehr gerne.  Bei Vereinsfesten zum Beispiel. Da lernt man viele Leute kennen, erfährt, was die Mehrstetter bewegt. Und ich gehe meist zweimal in der Woche in die Wirtschaften zum Mittagessen. Da gibt es auch viel Gelegenheit zum Austausch mit den Bürgern. Das hat mir beim Einarbeiten ebenso geholfen wie die Unterstützung meiner Mitarbeiter und der Gemeinderäte.

Welche Aufgaben haben Sie als erstes in Angriff genommen?

Das Rathaus umgekrempelt. Wir haben die Räume neugestaltet und umfunktioniert, es gibt jetzt zum Beispiel einen Sozialraum. Aber auch der Gemeinderat hat sofort mitgezogen. Keine 24 Stunden nach meiner Einsetzung hatten wir einen Klausurtagungstermin. Wir haben sofort im November über vieles gesprochen, was wir heute bereits umgesetzt haben oder momentan umsetzen.

Das größte Projekt ist zurzeit das DORV-Zentrum.  Was steht  außerdem auf der To-Do-Liste?

Das DORV-Zentrum ist ja mehr als nur ein Laden mit allen möglichen Angeboten dazu. Mir gefällt der Projektname „Marktplatz 11“ besser. Damit findet eine Umgestaltung und Belebung des Marktplatzes als Ortsmittelpunkt statt. Da ist noch viel zu tun. Aber es läuft. Das DORV-Team arbeitet sehr engagiert. Erst gestern Nachmittag hatten wir wieder einen Workshop. Ich gehe davon aus, dass wir im Februar 2019 Einweihung feiern können. Und dann laufen natürlich ein paar große Projekte parallel.  Zum Beispiel  weisen wir gerade 22 neue Bauplätze aus, sechs sind schon reserviert. Der Kindergarten wird erweitert, der Friedhof neu gestaltet. Bei diesen Vorhaben ist es auch wichtig, dass wir Zuschüsse bekommen. Da kümmere ich mich intensiv darum.

Was soll man nach acht Jahren über ihre Amtszeit sagen?

Dass  wieder  Leben in den Ortskern gebracht wurde, und dass  wir das gemeinsam entwickelt und geschafft haben. Auch das sollte nach acht Jahren heißen: Wir sind einen großen Schritt weiter bei alternativen Alterswohnformen, die Menschen können so lange wie möglich im Ort bleiben.

In die Gemeinderatssitzungen kommen viele Bürger. Wie sieht das im Alltag aus. Gibt es Wünsche und Beschwerden aus der  Bürgerschaft, die direkt an Sie herangetragen werden?

Ja, es wird viel an mich herangetragen  per E-Mail oder direkt bei Gesprächen. Meist sind es private Anliegen oder Beschwerden. Und da bin ich  froh darum. Es ist mir wichtig, dass man über alles redet.

Was war Ihre größte Enttäuschung im Bürgermeisterinnenalltag.

Es gibt gute und weniger gute Tage. Aber eine richtige Enttäuschung hab ich hier noch nicht erlebt.

Wie  wurden Sie von ihren  Bürgermeisterkollegen –  wohl die jüngste und die einzige Frau im Albsprengel –   aufgenommen?

Sehr gut. Wir kommen prima klar, treffen uns regelmäßig. Es gibt einen guten Austausch, schließlich haben wir ja alle die gleichen Probleme.

Zum Ausgleich zum Verwaltungsjob spielen Sie im Juze Dart. Machen Sie bei Wettkämpfen mit und wie sind Ihre Platzierungen?

Ich hab jetzt zwei Mal in der Liga-Runde mitgespielt. Im Moment verliere ich noch, aber ich arbeite dran, versuche regelmäßig zum Training zu gehen.  Es macht mir  einfach  Spaß, das Spiel und die Gruppe.   Morgen spiele ich wahrscheinlich mein erstes Turnier.

Sie pendeln von Ehingen hierher. In Mehrstetten gibt es demnächst wieder Bauplätze. Planen Sie einen Umzug?

Mein Lebenspartner und ich sind  noch am Überlegen, wie wir es halten werden. Klar ist, dass wir in den nächsten Jahren nach Mehrstetten möchten.

Haben Sie einen Lieblingsort im Dorf?

Ich fühle mich im Juze wohl. Da kann ich mitten im Ort und  auch mal privat sein.

Mehrstetten ist für mich . . .

. . . eine unglaublich rührige Gemeinde mit starkem Zusammenhalt. Ich freue mich sehr, ein Teil davon zu sein.