Bernloch Im Alltag so autonom wie möglich bleiben

Freuen sich über den offiziellen Start der Seniorenwohngemeinschaft „Im Adler“ in Bernloch (von links) Günter Braun, Gabriele Hönes, Verena Münch und Jochen Zeller.
Freuen sich über den offiziellen Start der Seniorenwohngemeinschaft „Im Adler“ in Bernloch (von links) Günter Braun, Gabriele Hönes, Verena Münch und Jochen Zeller. © Foto: Sabine Herder
Bernloch / Von Sabine Herder 12.06.2018

Viele Gäste konnte die Bruderhaus-Diakonie am Sonntag in Bernloch begrüßen, um den Startschuss für die neue Seniorenwohngemeinschaft „Im Adler“ zu feiern. Jetzt unter neuer Trägerschaft stellten die Verantwortlichen den interessierten Gästen am Sonntag das neue Konzept vor und öffneten die Türen zur Besichtigung. „Wohnen im Alter in lebendiger Nachbarschaft“ lautet das Motto der Seniorenwohnanlage „Im Adler, die bereits seit dem ersten Mai „wohnbereit“ ist. Es handelt sich dabei um eine ambulant betreute Wohngemeinschaft, in der insgesamt acht ältere Menschen mit Hilfs- und Unterstützungsbedarf leben und wohnen können.

Das Konzept der ambulanten Wohngemeinschaft, das Verena Münch von der Altenhilfe der Bruderhaus-Diakonie ausgearbeitet hat, verfolgt in erster Linie die Möglichkeit, auch im Alter selbstbestimmt und selbstständig zu wohnen sowie am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

„Älter werden im Dorf ist nicht immer ganz einfach“, eröffnete Günter Braun, fachlicher Vorstand der Bruderhaus-Diakonie, am Sonntag den offiziellen Teil der Feier und lobte die Gemeinde Hohenstein als gutes Beispiel dafür, dass ältere Menschen trotz einer nicht alles abdeckenden Infrastruktur im angestammten, heimischen Umfeld bleiben können. Mit der Seniorenwohngemeinschaft „Im Adler“ wurde die Möglichkeit geschaffen, am Ort Pflege zu finden und ein wichtiger Schritt dazu getan, eine kleinräumige Versorgungsstruktur aufzubauen. Für alle, die ländlich wohnen, sei dies ein gutes Modell für die Zukunft, betonte Braun und wünschte dem Projekt neben gutem Gelingen auch „Strahlkraft im Landkreis“ und darüber hinaus. Kern des Konzeptes der ambulanten Wohngemeinschaft ist es, den Senioren ein möglichst großes Maß an individueller Lebensführung zu erhalten, sie sozial einzubinden und bei Bedarf zu unterstützen. Daher ist diese Wohnform auch für Menschen mit Demenz sehr gut geeignet, unterstreicht das Konzept. Die familienähnliche Struktur bietet Sicherheit, Geborgenheit und vertraute Atmosphäre, eine sogenannte „Präsenzkraft“ unterstützt die Bewohner 24 Stunden in allen Alltagsdingen.

Über den Neustart gemeinsam mit der Bruderhaus-Diakonie und mit dem neuem Betreuungskonzept freute sich auch Hohensteins Bürgermeister Jochen Zeller und zeigte sich dankbar für das Engagement, das alle Beteiligten dafür aufgebracht haben. „Auf dem Land braucht man Mut, Kreativität und Beharrlichkeit, um neue Projekte anzugehen.“ Auf längere Sicht soll das Wohnprojekt mit acht betreuten Wohnungen, einer Seniorenwohngemeinschaft und öffentlichem Veranstaltungsraum zum „Begegnungsort und Kommunikationszentrum im Ort“ werden, wünscht sich Zeller.

Diesem Wunsch schloss sich auch Leonore Held-Gemeinhardt von der Altenhilfefachberatung des Landkreises an und beleuchtete kurz die sozialen und gesellschaftlichen Strukturen in der Pflege. Die ambulante betreute Wohngemeinschaft ersetze kein Pflegeheim, biete aber die Möglichkeit zur „Pflege in geteilter Verantwortung“.

Also eine Lösung „zwischen Heim und Daheim“, so formulierte es Gabriele Hönes, Leiterin des Dienstes „Bruderhaus-Diakonie mobil“. Damit schließt das Projekt eine Lücke und bietet den Senioren ein Leben in der Gemeinschaft, einen selbstbestimmten Alltag und dennoch individuelle Betreuung. Denn „es kommt nicht darauf an, wie alt man wird“, zitierte Hönes abschließend die Gerontologin Ursula Gehr, „sondern wie man alt wird.“

Im Anschluss an den offiziellen Teil wurden Führungen durch die Räume der Wohngemeinschaft angeboten, zur Stärkung für die zahlreichen Interessierten gab es ein Weißwurst-Frühstück, Kaffee und Kuchen.

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