Zwiefalten Horst bietet exklusiven Münsterblick

Gewogen und für gut befunden. Der Biologe Rainer Deschle bei der Beringung der Zwiefalter Störche.
Gewogen und für gut befunden. Der Biologe Rainer Deschle bei der Beringung der Zwiefalter Störche. © Foto: Waltraud Wolf
Zwiefalten / Waltraud Wolf 28.06.2018

Dreifaches Storchenglück ist den Zwiefaltern in diesem Jahr beschert. Dieser Tage ließ sich Rainer Deschle in der Drehleiter der Riedlinger Feuerwehr ganz nah ans Nest aufs Rathausdach hieven, um den Storchennachwuchs in der Münstergemeinde zu beringen.

„Das ist in diesem Jahr keine Selbstverständlichkeit“, verrät der mit der Beobachtung der Störche Oberschwabens beauftragte Biologe, denn wegen des starken Jahrgangs sind ihm die Ringe ausgegangen. Nur dank einiger von der Vogelwarte Radolfzell nachgelieferter Exemplare können die Zwiefalter Störche später identifiziert werden. Zwischen 1970 und 2600 Gramm bringen sie auf die luftige Tuchwaage. „Ein guter Durchschnitt“, kommentiert Deschle.

Bevor die Feuerwehr vorfährt, schauen die drei Jungstörche ganz keck über den Rand des Nestes, von Mama und Papa keine Spur. Als sich der Korb der Drehleiter nähert, stellen sie sich tot, doch Deschle als erfahrener Storchenbetreuer weiß, wie sie anzufassen sind. Kaum ist die Prozedur vorbei, kreist auch schon ein Altstorch über dem Rathausdach, das seit 2014 wieder zur Heimstatt für Störche wurde.

Der Riedlinger Nachwuchs auf den inzwischen sechs Nestern in der Kernstadt dagegen bleibt dieses Jahr unberingt. Deshalb kann Deschle auch noch nicht sagen, wie viel Jungstörche geschlüpft sind. Die Zählaktion findet erst noch statt. Doch scheint es, dass es überall Junge gegeben hat. Wer sich auf dem Riedlinger Marktplatz befindet, kann das Klappern von Storch Adebar gleich aus drei Nestern hören: auf dem seit Jahrhunderten bestehenden Nest auf dem Ostgiebel des Rathauses und vom Dornerhaus. An beiden Stellen haben sich wieder die Paare des Vorjahres niedergelassen. Ihnen allerdings macht ein weiteres Paar die Aufmerksamkeit streitig. Es baute sein Nest auf die Spitze des Westgiebels und ließ sich von dort auch nicht vertreiben. Weil sich das Nest direkt über einer Bushaltestelle befindet, war eine Umsiedlung versucht worden – vergebens. Rainer Deschle staunte nicht schlecht, als er erkannte, wer dort brütete: Ein Geschwisterpaar aus Zwiefaltendorf, im zweiten und im vierten Lebensjahr stehend.

Die Krone einer Buche für ihren Nestbau ausgesucht haben wenige Meter weiter entfernt zwei Störche vor der Grundschule, die sich im Frühjahr ansiedelten. Einer der Störche stammt aus Marbach im Landkreis Sigmaringen, wie jenes Männchen, das sich erneut mit einer unberingten Storchendame auf dem Kamin der Realschule niedergelassen hat. Im zweiten Jahr in „Wolkenkratzerhöhe“ auf den Speichern der Firma BayWa brütete ein Storch, der 2017 von Zell dorthin umgezogen ist und sich mit einem zweiten zusammen getan hat. Nicht einmal die Drehleiter der Feuerwehr erreicht seine Wohnstatt.

Dennoch muss auch dieser Riedlinger Teilort nicht ohne Störche auskommen. Zell kann insgesamt vier bewohnte Nester aufweisen. Auf dem Pfarrhaus, einem Silo, einer Scheune und einem Mast an der Bushaltestelle wird geklappert. Ein begehrter Wohnplatz für Freund Adebar scheint auch die Kirche in Zwiefaltendorf zu sein. Nach ersten vergeblichen Versuchen im Spätsommer 2017 gelang es heuer einem Storchenpaar, sich auf dem nördlichen Kirchturm niederzulassen und jenem Paar Gesellschaft zu leisten, das auf dem südlichen schon länger Wohnrecht beansprucht.

Bleibt noch Daugendorf mit dem vertrauten Storchenpaar aus Markdorf und Bad Saulgau, das schon seit Jahren auf der Zehntscheuer seinen Nachwuchs heranzieht.

Angesichts der großen Zahl der Störche und ihres Bruterfolges müsse die Nahrungsgrundlage stimmen, betont Deschle. Gut gestaltet hat sich in diesem Jahr auch die Wetterlage für die Aufzucht. Genaue Zahlen gibt es in Kürze, verspricht der Biologe.

Info Informationen dazu bietet die Internetseite www.stoerche-oberschwaben.de. Dort wird unter anderem aus einer detaillierten Karte ersichtlich, wo sich überall Storchenpaare niedergelassen haben.

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