Buttenhausen Hörend in die Geschichte eintauchen

Hans Hs Winkler (links) und Tilmann Neuffer haben die Hörskulptur beim Jüdischen Museum in Buttenhausen aufgestellt und mit Geschichten von und über Buttenhausen bespickt.
Hans Hs Winkler (links) und Tilmann Neuffer haben die Hörskulptur beim Jüdischen Museum in Buttenhausen aufgestellt und mit Geschichten von und über Buttenhausen bespickt. © Foto: Maria Bloching
Buttenhausen / Von Maria Bloching 11.06.2018

Insgesamt 150 Geschichten aus Münsingen samt Ortsteile haben die beiden Künstler Tilmann Neuffer und Hans Hs Winkler vergangenes Jahr im Originalton zusammengetragen und digitalisiert. Mit der Eröffnung der Hörskulptur im Oktober hatte nun die Öffentlichkeit Zugang für zunächst 25 Erzählungen und Anekdoten – von der Alb und über die Alb, von Menschen für Menschen aus der Region, von Begebenheiten aus vergangenen Zeiten zur Erinnerung und zum Weiterbestand in der Zukunft.

Nachdem die Hörskulptur jetzt nach Buttenhausen umgezogen ist, sind 25 neue Geschichten zu hören: Erinnerungen von ehemaligen jüdischen Bürgern, die von Eberhard Zacher auf Kassette aufgenommen und archiviert wurden, aber auch Erzählungen von Walter Ott, Elisabeth Kraft und Ulrich Krehl über das Zusammenleben in Buttenhausen unter den Nazis, über Mischehen und Deportationen, über Widerstand und Denunzianten. In kurzen Geschichten berichten Zeitzeugen auf berührende Weise vom Leben, von den Schwierigkeiten und den Menschen in Buttenhausen. Was sie zu sagen haben geht unter die Haut. Wie etwa die Aussage „Schweigen“ von Ulrich Krehl, dem es ein Anliegen war, Sprachrohr aus der Vergangenheit für die junge Generation zu sein.

Viele Wortbeiträge stammen auch von Harry Lindauer aus einem Interview, das er 1990 Eberhard Zacher gegeben hatte. Der 1918 in Buttenhausen geborene und 1936 in die USA emigrierte Lindauer erzählt darin von seiner Herkunft und von der Zigarrenfabrik seines Vaters, von der Mode und Eleganz der 1920er Jahre in Buttenhausen, vom jüdischen Leben vor 1933 und von der Naziherrschaft sowie von seiner Flucht und Rückkehr.

Wer sich an die Hörskulptur setzt oder stellt und sich ein klein wenig Zeit nimmt, der erfährt auch, wie sich einmal im Monat ehemalige Buttenhausener Juden in den USA beim Altenheim trafen, um sich über ihr zurückgelassenes Leben auszutauschen. „Im Kopf sind sie das ganze Dorf abgeschritten und bei ihrem nächsten Treffen ging es wieder zurück“, so Lindauer. Er berichtet auch über zwei jüdische Personen, die kurz vor ihrer Deportation Selbstmord begingen und über die Reaktion einiger Bürger: „Da sieht man ja, wie feige Juden sind“, habe es geheißen.

Für Tilmann Neuffer und Hans Hs Winkler ist es eine große Sache, hier mit den Geschichten und mit der Geschichte aus Buttenhausen präsent zu sein. Jeder hat zur Hörskulptur Zugang und kann unabhängig von den Öffnungszeiten des Jüdischen Museums in die Historie hinein hören. „Wir sehen uns nicht als Geschichtsforscher, aber Buttenhausen ist geschichtsträchtig und man wird mit diesem Thema immer wieder konfrontiert“. Was jetzt noch fehlt sind Wegweiser, denn Ausflügler kommen hier nicht zufällig vorbei.