Kirche Hinter den Fenstern tut sich sehr viel

Bei einem Podiumsgespräch in Verbindung mit dem Gemeindeforum ging es um die Wahrnehmung der Kirchengemiende durch die Vertreter der Kommune (von links): Gerd Söll, Tanja Bosch-Ziegelmüller, Frieder Leube, Adolf Lamparter und Egon Steudle.
Bei einem Podiumsgespräch in Verbindung mit dem Gemeindeforum ging es um die Wahrnehmung der Kirchengemiende durch die Vertreter der Kommune (von links): Gerd Söll, Tanja Bosch-Ziegelmüller, Frieder Leube, Adolf Lamparter und Egon Steudle. © Foto: Ralf Ott
Von Ralf Ott 14.03.2018

In der evangelischen Kirchengemeinde Dottingen-Rietheim findet in den kommenden Monaten eine Visitation statt. Ziel: Eine Bestandsaufnahme des aktuellen kirchlichen Lebens in den beiden Ortschaften. Auftakt war mit einem Gemeindeforum, an dem am Freitagabend auch die beiden Dekane im Kirchenbezirk Münsingen-Bad Urach, Michael Karwounopounlos und Norbert Braun, teilgenommen haben. Es stand unter der Überschrift „Unsere Gemeinde ein Haus mit vielen Zimmern!“ Bei der Vorbereitung seien die Fensterläden am Gemeindehaus ins Blickfeld gerückt, rief Pfarrerin Barbara Wurz in Erinnerung. „Diese sollen heute geöffnet werden, um zu zeigen, was dahinter alles passiert“.

Die Moderation des Abends lag in den Händen von Frieder Leube, Geschäftsführer der Evangelische Bildung im Kreis Reutlingen. Im Dialog mit Leube stellten Vertreter von insgesamt 13 Arbeitskreisen und Gruppen in der evangelischen Kirchengemeinde ihre Angebote vor.

Gleich zu Beginn setzte Wolfgang Bleher allerdings ein großes schwarzes Fragezeichen in das als erstes geöffnete Fenster, denn der Posaunenchor befindet sich derzeit „an der untersten Betriebsgröße“. Gespielt wird in Gottesdiensten oder zu anderen Gelegenheiten im Gemeindeleben. Ebenfalls musikalisch unterwegs ist „s’Eisarüttl Körle“. Gemeinsam singen Kinder aus der Grundschule und dem Kindergarten unter Leitung von Julia Renner-Petersmarck jeden Donnerstag und sind immer wieder in Gottesdiensten oder bei anderen Veranstaltungen zu hören, berichtete Heide Kracke, die Vorsitzende des Kirchengemeinderates. Ebenfalls regelmäßig findet die Kinderkirche statt – zwölf Kinder im Alter von vier bis elf Jahren basteln, singen oder bereiten das Krippenspiel vor, erzählten Ursula Groß und Lea Lutz. Jeden Mittwoch ab 16.30 Uhr ist Zeit für die Bubenjungschar – Action, Spiele und Spaß bilden den Rahmen für das Programm, berichtete Vincent Bosler im Rietheimer Gemeindehaus. Für Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren gibt es einmal pro Monat den „Jugendtreff“: Spiele, chillen und die Beteiligung an Aktionen wie dem Orangenverkauf oder der Sammlung für Kriegsgräber gehören zum Programm. „Wir passen uns den Bedürfnissen und Wünschen an“, sagte Lea Lutz. Ebenfalls einmal monatlich wird ein Seniorennachmittag veranstaltet – abwechselnd in Rietheim und Dottingen. Zur festen Einrichtung hat sich das 1998 erstmals veranstaltete Frauenfrühstück mit teilweise mehr als 80 Besucherinnen entwickelt. Die 40. Auflage fand jetzt am Samstag statt. „Wir greifen immer wieder Themen aus dem Kreis der Teilnehmerinnen auf und laden Referenten ein“, sagte Anita Röhm.

Zum Gemeindeleben gehört natürlich auch der Kirchchor, der unter der Regie von Peter Schlenker – dem Vorsitzenden der Gesellschaft der Musikfreunde – auch ambitionierte Werke umsetzt wie etwa die Mainzer Messe oder die Weihnachtskantate von Georg Philipp Telemann im vergangenen Jahr. Auf der eher offiziellen Seite der Gemeinde stehen neben den derzeit neun Konfirmanden das Pfarrbüro mit Sekretärin Traude Gröhner und der Kirchenpflegerin Emese Muerth, die Wurz bei ihrer alltäglichen Arbeit unterstützen. Für den Kindergarten gilt derzeit als Motto „Wir platzen aus allen Nähten“. Die Einrichtung unter kirchlicher Trägerschaft – „das soll auch so bleiben“ betonten die Erzieherinnen – bietet 37 Plätze und ist die einzige Krippe im Landkreis unter evangelischer Trägerschaft.

Für den Kirchengemeinderat erinnerte Georg Krauß an den „steinigen, aber richtigen“ Weg zur Fusion der beiden Gemeinden, bevor Wurz auf die Besonderheiten der „Kirche“ in Dottingen und Rietheim verwies, wie beispielsweise den Wintergottesdienst auf der Schwende in Zusammenarbeit mit dem Albverein, einen Krabbelgottesdienst oder den Gottesdienst im Grünen.

Das gute Verhältnis zur bürgerlichen Gemeinde spiegelte sich auch in den Aussagen des Podiumsgesprächs. Der Dottinger Ortsvorsteher Adolf Lamparter bezeichnete die Kirche „als wichtige Institution für den gesellschaftlichen Zusammenhalt“ und auch sein Rietheimer Kollege Gerd Söll lobte das kirchliche Engagement in den beiden Ortschaften. Die Zusammenarbeit mit der Kirche wertete die Leiterin der Grundschule Dottingen, Tanja Bosch-Ziegelmüller, als „sehr gut und routiniert“. Das bestätigte auch Egon Steudle als Albvereinschef. „Wir müssen daran arbeiten, dass das Verhältnis so gut bleibt“, zog Lamparter als Fazit.

Als nächster Schritt wird der Kirchengemeinderat den Gemeindeleitungsbericht verfassen. Dabei geht es um den augenblicklichen Stand, Fragen und Probleme sowie die Zukunftsperspektiven. „Der Bericht ist die Grundlage für die Visitationswoche“, so Braun. Diese ist vom 25. Juni bis 1. Juli geplant und endet mit einem Gottesdienst am 8. Juli. Auf der Grundlage ihrer Erfahrungen und Beobachtungen werden die beiden Dekane einen Bericht verfassen, der Ende September mit dem Kirchengemeinderat besprochen wird.

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