Mörsingen Heißer Südamerikaner auf der Alb

Mörsingen / ALEXANDER ECKERT 05.09.2012
Es war ein Versuch: Lässt sich Amaranth auf der Schwäbischen Alb anbauen? Das ist zehn Jahre her. Inzwischen hat die exotische Pflanze ihren festen Platz auf dem St. Josefgut in Mörsingen.

Andrea Traub streift mit der rechten Hand über den Blütenstand der einen Meter hohen Amaranthpflanze. Schon diese leichte Berührung reicht, dass Samenkörner herausfallen. Mehr als 50 000 kann eine Pflanze tragen. Mit der linken Hand fängt sie die senfkorngroßen Samen auf. "Das ist das Zeichen, dass die Pflanze reif ist. Demnächst können wir ernten", sagt sie und probiert einige der Körner mit dem leicht nussigartigen Geschmack.

Vor zehn Jahren erblühte der erste Amaranth auf einem Mörsinger Feld. Woher die Idee dazu kam, weiß Traub nicht mehr genau. Dafür kann sie sich an die Anfänge noch genau erinnern, wie sie sich zusammen mit ihrem Mann Johannes Traub beim Landwirtschaftsamt informierte und sie bei den "ersten Schritten" von der Pflanzenzuchtanstalt Forchheim begleitet wurden. Mittlerweile hat Amaranth neben Weizen, Gerste, Mais, Raps und Hafer seinen festen Platz hier auf dem St. Josefgut gefunden.

Zufrieden blickt Andrea Traub über das rot blühende Feld, das farblich aus der Umgebung heraussticht. Diesmal wird es eine gute Ernte. Das ist nicht immer so. "Wir hatten auch schon Jahre, da gab es bei uns keinen Amaranth", erinnert sie sich. Die Pflanze, die zur Gattung der Fuchsschwanzgewächse gehört, braucht viel Sonneneinstrahlung. Für das Wärme verwöhnte Hochlandgewächs werden daher die ab September einsetzenden kürzeren Tage und der aufkommende Nebel schnell zu einem Problem, weiß Traub. "Es ist schon passiert, dass alle Pflanzen in einer Nacht kaputt waren." In diesen Fällen müssen Gaststätten, Bäckereien, Mühlen und sonstige Abnehmer auf das "Gold der Inka" verzichten, wie Amaranth auch genannt wird, denn in weitem Umkreis wird nur auf dem St. Josefgut in Mörsingen der Exot aus Mittel- und Südamerika angebaut. Existenziell bedrohlich sei ein solcher Ausfall aber nicht, sagt Traub. "Wir bauen Amaranth auf einer Fläche von einem bis maximal drei Hektar an. Das gibt pro Hektar einen Ertrag zwischen einer Tonne und zwei Tonnen. Für uns ist das somit nur ein kleines Standbein." Um das herum hat sich allerdings eine feste "Fangemeinde" gebildet.

Einmal die Woche steht Andrea Traub hinter der Theke ihres kleinen Ladens, in dem es Produkte mit Amaranth zu kaufen gibt, von der deftigen Wurst bis zum süßen Lebkuchen. Tipps für die Zubereitung gibt es gratis. "Das ist das Tolle an Amaranth, seine Vielfältigkeit. Auf dem Zwiefalter Vespermarkt haben wir Rosenküchle aus süßem Teig angeboten, das war der Renner", erzählt sie. Viele Kunden sind "Wiederholungstäter". Warum ist Andrea Traub klar: "Wer einmal den Mörsinger Amaranth probiert hat, der kommt immer wieder."