Genau 1779 Wählerinnen und Wähler können ihre Stimme bei der anstehenden Bürgermeisterwahl abgeben - oder haben das bereits getan: Denn rund 150 Briefwahl-Unterlagen sind bis gestern Mittag im Hayinger Rathaus angekommen. Ein besonderes Interesse an der Wahl von Riehles Nachfolger lässt sich daraus aber noch nicht ablesen. "Das liegt ganz normal im Rahmen", erklärt Margit Ranz vom Hayinger Einwohnermeldeamt. "Es ist sogar eher einen Tick weniger als etwa bei den letzten Bundestagswahlen."

Während bei Wahlen im Sommer aber zumeist viele Wähler selbst unterwegs sind, dürften nun deutlich mehr Hayinger am Wahlsonntag vor Ort sein, vermutet Ranz. "Viele ziehen es sicher vor, direkt zu wählen", hofft die Rathausmitarbeiterin auf eine hohe Wahlbeteiligung. Schließlich kann die Wahl durchaus als historisch bezeichnet werden - nach rund 40 Jahren haben die Hayinger nun die Wahl zwischen drei Kandidaten. Einzig der Name von Robert Riehle, der nun seinem Ruhestand entgegensieht, fehlt auf dem Wahlzettel.

Dass das Interesse an dieser zukunftsweisenden Bürgermeisterwahl groß ist, zeigte das rege Interesse an den beiden Kandidatenvorstellungen - bei der offiziellen Veranstaltung platzte die Festhalle aus allen Nähten und auch das Wahlfrühstück unserer Zeitung war mit rund 200 Gästen im Ehestetter Haus der Lilie sehr gut besucht.

Elmar Bechtle, Kevin Dorner und Michael Lainer hoffen nun am Sonntag auf möglichst viele Wählerstimmen. Als erstes hatte Elmar Bechtle seinen Hut in den Ring geworfen und sich für das Bürgermeisteramt beworben. Sieben Wochen ist das nun her. Den Wahlkampf und seine Gespräche mit den Bürgern sieht der 56-Jährige als eine "wunderbare Bereicherung" an. "Jede Begegnung bestärkte mich, mit meiner Kandidatur den richtigen Weg eingeschlagen zu haben", betont der Kaufmann im Ruhestand, der in Bad Buchau lebt und dort für die freien Wähler im Gemeinderat tätig ist.

Den Kontakt mit seinen Mitbewerbern sei "von Respekt und Freundlichkeit" geprägt gewesen, berichtet Bechtle. Eines ist dem früheren Verkaufsleiter im Außendienst dabei deutlich geworden: "Nach 40 Jahren einen neuen Bürgermeister zu wählen ist für viele Bürger eine ungewöhnliche Situation und große Herausforderung."

Direkt aus dem Rathaus bewarb sich Kevin Dorner. Seit fünf Jahren ist er Hayingens Kämmerer, nun will er die Geschicke der Stadt grundsätzlich und nicht nur in finanzieller Hinsicht mitbestimmen. Von einem "regen Interesse der Bürger" an der Wahl berichtet der 35-Jährige. "Die Resonanz auf die Gesprächstermine war sehr gut, das freut einen natürlich", erzählt der in Unlingen wohnende Vater zweier Kinder. Der Diplom-Verwaltungswirt habe "viele Ideen und Anregungen mitnehmen können". Und wie verbringt Dorner den Wahl-Sonntag? "Zunächst nervös zu Hause", gesteht der 35-Jährige. "Dann werde ich nach Hayingen hochfahren und warte das Ergebnis ab."

Michael Lainer ist der einzige Hayinger aus dem Kandidaten-Trio. Im Oktober vergangenen Jahres zog er mit seiner Frau Simone nach Schloss Ehrenfels. "Unabhängig vom Wahlausgang habe ich durch meine Kandidatur viel gewonnen", erklärt der Polizeihauptkommissar. Da der Neu-Hayinger seine Kandidatur erst spät bekanntgegeben hatte, ist er nun umso aktiver. "Ich bin die ganze Woche dran, habe noch etwas aufzuholen", ist sein Eindruck.

Geärgert hat sich der 51-Jährige allerdings über seinen Mitbewerber Elmar Bechtle. Der habe angekündigt, auch für eine zweite Amtsperiode zur Verfügung zu stehen. "Noch gilt in Baden-Württemberg aber eine Altersgrenze von 68 Jahren", erinnert Lainer. Zwar beabsichtige die Landesregierung, diese Grenze zu überdenken, entschieden sei dies aber noch nicht. "Für mich ist das schon ein bisschen Wählertäuschung", so Lainer weiter.

Am Sonntag sind die Wähler gefragt. Gewählt wird in fünf Wahlbezirken mit jeweils einem Wahllokal. In Hayingen im Stadthaus Kaplanei, in Anhausen im Rubin im Tal, in Ehestetten im Haus der Lilie, im Indelhausener Rathaus und im Münzdorfer Bürgerhaus. Unterlagen für eine Briefwahl können zudem noch bis Freitag, 18 Uhr, beantragt werden. In Notfällen - etwa bei einer plötzlichen Erkrankung - ist dies auch noch direkt am Wahlsonntag von 8 bis 15 Uhr möglich.

In den Wahllokalen wird am Sonntag von 8 bis 18 Uhr gewählt, anschließend werden die Stimmzettel vor Ort öffentlich ausgezählt. Die Fäden laufen anschließend in Hayingen zusammen: Im Rathaus tagt der Wahlausschuss, ehe das Ergebnis vor dem Rathaus am Marktplatz verkündet wird. Dies sollte gegen 19 Uhr geschehen, schätzt Bürgermeister Robert Riehle.

Falls einer der Kandidaten in diesem ersten Durchgang die absolute Mehrheit erreicht, ist die Wahl damit entschieden und Riehles Nachfolger gefunden. In diesem Fall wird die Stadtkapelle aufspielen, Riehle eine kurze Ansprache halten und der Wahlsieger sicherlich einige Hände zu schütteln haben.

Hat dagegen keiner der drei Kandidaten die absolute Mehrheit der Stimmen erreicht, bleibt die Verkündung des Wahlergebnisses der einzige Programmpunkt am Hayinger Rathaus. Dann folgt am 22. März ein zweiter Wahlgang, indem die einfache Mehrheit der Stimmen reicht, um den nächsten Hayinger Bürgermeister zu küren.

Ein KOMMENTAR unseres Redakteurs Alexander Thomys