Die lokale Reutlinger Musikszene gab sich am Freitagabend ein Stelldichein auf der Münsinger Alb. Beim Kohlstetter „Char-Coal-Festival“ rockten sechs regionale Szene-Bands das hauptsächlich mit jüngeren Musikfans gut besuchte Festzelt: Gegen nur sechs Euro Eintritt gab’s dabei gut was auf die Ohren.

Gut, dass musikalische Power auch Frauenpower mit einschließt. Die gab’s gleich zu Beginn des Kohlstetter Char-Coal-Festival mit Eva Winter an der Gitarre der Eva-Winter-Band und anschließend mit Magda als Frontfrau und Sängerin von Kava Conspiracy. Während Eva Winter die Besucher mit ihren eher leisen Songs über Liebe, Leben und lyrische Einsichten fesselte, forderten Kava Conspiracy die Gehörgänge der Fans mit einer Mischung aus Metal, Psychodelic und melodisch orientalischen Einflüssen heraus. Beides konnte beim inzwischen zahlreicher werdenden Publikum punkten und ergab einen guten Einstieg in ein härter werdendes Musik-Programm.

„Bad Liver“ steht laut eigenen Angaben für laut, heiß und schmutzig. Das Reutlinger Rockquartett überzeugt mit knallendem Punkrock abseits vom Mainstream und fetzte seine Fans gnadenlos und kompromisslos in die musikalisch harte Ecke. Wummernder, powernder Rock dröhnte, gepaart mit einer dynamischen Performance, von der Bühne und brachte die Kohlstetter Fans davor zum Hüpfen, Brüllen und Feiern.

Im progressiven Sound der nachfolgenden „Stagediving Elephants“ mischen sich eine gute Prise Metal, eine Handvoll Rock und eine Messerspitze Party zu einer Party-Rock-Metal-Melange im Nu-Rock-Stil. Die Songs aus eigener Feder setzten sich mit ihren harten Gitarrenriffs, dem wummernd treibenden Bass, mit präzisem Drumming und melodiösen hooklines in die Gehörgänge der Fans. Sänger Ruben überzeugte darüber hinaus mit einer stimmlichen Bandbreite a la Fish (Ex-Frontman und Sänger der Rockband Marillion). Er verleiht damit den Stagediving Elephants ein unverkennbar eigenes Profil zwischen sanft und rau. Eine ganze Ecke härter wurde es danach mit den Hardcore-Musikern von „Drown in grey“, die ebenfalls aus dem Reutlinger Raum stammen. Hardcore, Metal und Spaß an der Musik ist ihr Credo – für alle aufgeschlossenen Musikfans. Und aufgeschlossen musste man schon sein, um die ballernden, bassbetonten Rythmen und das harte shouting des Sängers noch in eine Reihe mit Musik zu bringen. Wer sich dabei nicht pogo-mässig vor der Bühne auspowern wollte, suchte zwischendrin auch gern das Weite: Vor dem Festzelt war der schrei-betonte Powersound der Hardcore-Band noch immer gut zu hören.

Nach Pop und Trash, Punk, Metal und Hardcore setzte die Combo „x-Pack“ einen etwas ruhigeren Schlusspunkt unter das Kohlstetter „Char-Coal-Festival“. Mit ihrer Mischung aus Rock und New Metal und gut durchmischten Coversongs aus „Heaven“ und „Hell“ boten die Reutlinger zum Abschluss einen abwechslungsreichen Sound zwischen Linkin Park und Green Day, Pink und Tom Petty, Rammstein und Adele – manchmal hart, manchmal herzlich, und damit auch charakteristisch für das ganze Festival: Ein guter Querschnitt durch die lokale Musikszene, für die Fans sicher wiederholenswert.