Fasnet Gürteltiergalle und Wildschweinblut

Engstingen / Von Ralf Ott 05.02.2018

Unter dem Motto „Stelldichein im Zauberwald…“ feierte die Großengstinger Narrenzunft „hurra de ausre“ am Samstagabend die mittlerweile 29. Auflage des beliebten Bürgerballs. In der mit Tarnnetzen, Tüchern sowie grünen und braunen Luftballons stilgerecht dekorierten TV-Halle war die Stimmung schon gut, als der Zunftrat mit Chef Peter Brendle, musikalisch unterstützt von der Liveband „Hüttensound“, grüßend und winkend durch die bis auf den letzten Platz besetzte Halle in Richtung Bühne marschierte. Kein Wunder, heißt es doch im Refrain des Fasnetslieds „In der Narren-Scheune, auf Engstinger Land, send die Narra heut wieder außer Rand und Band“ – und genau das bewiesen die rund 160 Akteure in ihrem mehr als vierstündigen fulminanten Feuerwerk mit tollen Tänzen, witzigen Sketches oder zum Beispiel der hervorragend inszenierten Sequenz aus der Komödie „Schuh des Manitu“, die von den Akteuren der Bremszieg auf die Bühne gebracht wurde.

„Ein Luxus in unserer Zunft sind die zahlreichen Gardetänzerinnen“, freute sich der gut gelaunte und um keine Anspielung verlegene Moderator Martin Böhmler, dem dank großer Hilfsohren auch sonst während des Abends nichts entgehen konnte.

So war es eingangs die Bambini-Garde unter Leitung von Lena Minde und Celina Wiehl, die das Publikum zum ersten Applaus mit einem gekonnten Tanz verführte ehe die drei Akteure von „S’Zonftrotskäschtle“ genüsslich ihre Geschichten ausbreiteten. Sie berichteten von dem Herrn, der beim Sehtest schon in der ersten großen Reihe Zahlen anstatt von Buchstaben liest oder vom Zunftmeister, der es schon zwei Mal geschafft hat, den Hochzeitstag zu vergessen – allerdings war es seiner Frau auch nicht aufgefallen.

Es folgte ein musikalisch tänzerischer Doppelschlag mit der Mini-Garde 1 und der Mini-Garde 2: Die Mädchen im Alter zwischen 9 und 11 Jahren werden trainiert von Corinna Hipp, Sonja Held sowie Stephanie Hipp und stellten unter Beweis, dass sie schon viel gelernt haben.

Weil ihr Navi versagte, verloren Agathe und Frieda alias Sigrid Fromm und Gerlinde Leippert die Orientierung, ließen den Wagen stehen und gingen per Pedes weiter. „Der Kopf tut weh, die Füße stenkat, höchste Zeit, das mir was trenkat“. Allein woher nehmen? In der Not halfen sie sich mit einer Zauberformel – und tatsächlich schwebte ein gefüllter Korb von der Decke. Auf der Zutatenliste stehen Gürteltiergalle, Wildschweinblut sowie gemahlene Wurzeln und Käfer. Auch wenn es trockeneisig brodelt, das Duo misstraut letztlich trotz des Zauberspruchs „Erde und Wind, gib uns Geist geschwind“ der Rezeptur und reicht das Gebräu lieber an die Zunfträte weiter: „Die Männer brauchet au a bissle Geist“.

Als tänzerische Krönung in der ersten Runde vor der Pause verwöhnte die Große-Garde (Chefinnen: Daniela Lehner und Franziska Leippert) mit dem Marschtanz die Augen und Sinne des Publikums, dessen Lachmuskeln anschließend arg strapaziert wurden bei den verzweifelten Versuchen von Paule (Manuel Hummel), eine Reisebekanntschaft mit Lina (Leonie Reiff) zu schließen. Mit Josef Münch am grün illuminierten Dirigentenstab heizten die Albra-Gugga den Besuchern und sich selbst schwungvoll ein – und eröffneten die Pause. Nach der war es die Jugend-Garde, die von Katharina Reiff und Claudia Richter trainiert wird, die für einen tänzerisch glanzvollen Auftakt sorgte bevor die Lombakapell eine fulminante Musik-Comedy-Zaubershow hinlegte. „Mir waret übrigens in Berlin politisch unterwegs“, erzählte Michael Hipp, „au beim Doohnd, ond zwar an ganze Stoohnd“. Gekonnt auch die Vertonung eines grundlegenden menschlichen Bedürfnisses bei Blähungen.

Mit Corinna Hipp als Leiterin brachten „14 Mädels und ein Mann“ den Tanz der Engstinger Masken als „Traum vom Zauberwald“ auf die Bühne ehe Elisabeth Thum und Heike Hummel ihre original Engstinger „Gschiechta aus dem Zauberwald“ von der fälschlicherweise alarmierten Feuerwehr, Unmengen an bestelltem Klopapier und dem innerörtlichen Rotlichtquartier auftischten. Schwungvoll, fetzig und mit viel schauspielerischem Witz brachten die „Bremszieg“ bei ihrem elften Auftritt eine Sequenz aus „Der Schuh des Manitu“ auf die Bühne und das Publikum zum Brüllen. Als Überraschungsgäste tauchten sodann die Honauer Zwiebelbäuch Jürgen Eidt als Richter sowie Thomas Biffart in der Rolle als Angeklagter auf – und die Zuschauer widersetzen sich natürlich der richterlichen Anordnung, den Saal zu räumen. Sonst hätten sie ja nicht nur das bühnenerprobte Duo verpasst sondern auch den „Starlight Express“ als Showtanz der Große-Garde, die mit einer heuer schon mehrfach preisgekrönten Choreographie begeisterten. Den Boden bereitet hatten ihnen übrigens wie auch vielen anderen Akteuren zuvor die „Kulissenschieber“ Harald und Lothar Enderle sowie Rainer Rupp. Traditionell sangen alle Akteure auf der Bühne und die Gäste im Saal zuletzt gemeinsam das Engstinger Narrenlied.

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Akteure sorgten beim Bürgerball der Großengstinger „hurra de ausre“-Narrenzunft am Samstagabend für ein Feuerwerk an tollen Gags, fetziger Musik und wunderbaren Tänzen. rot