Upflamör Große Heuneburg wird erforscht

Heuneburg, Holz, 3 sp x 86,6, Loka 01
Heuneburg, Holz, 3 sp x 86,6, Loka 01 © Foto: Alexander Thomys
Upflamör / ALEXANDER THOMYS 27.11.2015
Die Große Heuneburg bei Upflamör soll genauer erforscht werden. Derzeit laufen Vorarbeiten, im kommenden Jahr wollen Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege dann Grabungen durchführen.

Im Gegensatz zu der gleichnamigen Heuneburg bei Herbertingen, die als Freilichtmuseum eine größere Bekanntheit erreicht hat, liegt die Große Heuneburg bei Upflamör im Teutschbuchwald relativ versteckt da. Das war auch einer der Gründe, weshalb die keltische Anlage, die wohl um das Jahr 600 vor Christus bewohnt war, lange Zeit unberührt blieb. „Im Wald ist die Anlage bestens geschützt“, sagt Dr. Leif Hansen, Mitarbeiter im Referat für Denkmalforschung des Landesamtes.

Außerdem werde heutzutage nur gegraben, wenn gezielte Forschungsfragen im Raum stehen oder aber, wenn anderweitige Baumaßnahmen die Archäologen auf den Plan rufen. Bisher war dies bei der Großen Heuneburg nicht der Fall, nun ist die Anlage aber Teil eines großen Forschungsprojektes: Über zwölf Jahre hinweg will die Deutsche Forschungsgemeinschaft finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, damit untersucht werden kann, in welchen Beziehungen die Keltensiedlungen rund um die bekannte Heuneburg bei Herbertingen zueinander standen.

„Bei Herbertingen haben wir bestimmte Keramikformen mit spezifischer Bemalung gefunden, die dort wohl hergestellt worden sind“, erläutert Dr. Hansen. Ähnliche Funde bei Upflamör könnten dann auf Handelsbeziehungen hinweisen. Generell hoffen die Forscher, während des zwölfjährigen Projektes das keltische Wegenetz und die Siedlungsstrukturen zu rekonstruieren. Dazu gehört auch, die Eingänge der Großen Heuneburg bei Upflamör zu finden. Bislang sind die Zugänge nämlich unerkannt, die heutigen Wege sind erst im Zuge des Forstbetriebes entstanden.

Erste Erfolge haben die Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege unter Leitung von Professor Dr. Dirk Krausse und Dr. Hansen bereits gefeiert: Zu Beginn des Projektes, für das die Deutsche Forschungsgemeinschaft zunächst für drei Jahre 1,2 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat, untersuchten sie im vergangenen Jahr die „Alte Burg“ bei Langenenslingen im Kreis Biberach. Dort entdeckten die Wissenschaftler vier Meter hohe Steinmauern, die bisher nur für Wälle gehalten worden waren.

Auf ähnliche Funde hoffen die Archäologen nun auch bei der Großen Heuneburg. Potenzial hat das Plateau allemal: Die Upflamörer Heuneburg ist deutlich größer als die bekanntere Herbertinger Keltenfestung. „Bei Herbertingen umfasst die Anlage drei Hektar“, sagt Dr. Hansen, „während die Große Heuneburg hier fünf Hektar groß ist“. Mit der Vorburg, deren Wälle und Gräben heute noch gut zu erkennen sind, misst die Upflamörer Heuneburg sogar fast sieben Hektar. „Das ist ein riesiges Gebiet, auf dem wir Grundlagenforschung betreiben werden“, freut sich Hansen.

Allerdings: Der Zeitrahmen ist innerhalb des Zwölf-Jahre-Projektes eng bemessen. Geplant ist derzeit, auf der Großen Heuneburg von März oder April kommenden Jahres bis in den November hinein zu graben. An drei Stellen sollen dabei die Wälle unter die Lupe genommen werden. In mindestens 1,25 Meter breiten Streifen wird die Erde vorsichtig abgegraben, an einer Stelle soll die Grabung in die Breite der Hochfläche ausgedehnt werden. Dort hoffen die Wissenschaftler, Spuren der früheren Gebäudebebauung zu finden.

Bevor die eigentlichen Grabungen beginnen, müssen aber zunächst die vielversprechendsten Punkte gefunden werden. Die dafür notwendigen Vorarbeiten haben bereits begonnen. Zunächst werteten die Wissenschaftler Luftbild-Daten aus. Per Lasertechnik aus Flugzeugen heraus wurde ganz Baden-Württemberg gescannt. Computerprogramme ermöglichen nun, die Bilder „digital abzuholzen“, also die Bäume herauszurechnen.

Entstanden sind Fotos, welche die mächtigen Wälle der Großen Heuneburg zeigen. Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass hier nicht die Natur, sondern Menschen am Werk waren. Aber sind die Wälle überhaupt Wälle? Dr. Hansen hofft, auch hier auf echte Steinmauern zu stoßen, die erst mit der Zeit von oben her einstürzten und die heutigen Wälle bildeten. Darauf deuten auch die Erkenntnisse von Gerhard Bersu hin.

Der in Schlesien geborene Archäologe führte 1921 die bis heute letzten Ausgrabungen an der Großen Heuneburg durch. An 40 Stellen suchte Bersu nach Spuren der Vergangenheit, wobei er in seinen Skizzen auch Querschnitte der Wallanlagen festhielt. Dort eingezeichnete stehende Steine lassen Dr. Hansen hoffen, dort auf Mauerreste zu stoßen. Bersu brachte damals zudem Fundstücke zu Tage, die auf eine Besiedlung der Großen Heuneburg schon in der Mittleren Bronzezeit um 1400 vor Christus hindeuten. „Die meisten seiner Funde stammen aber aus der Hallstattzeit“ – der Epoche der Kelten. Zuvor war die Große Heuneburg 1892 erstmals untersucht worden. Knochen und Keramikstücke kamen ans Tageslicht, allerdings wurden die damaligen Arbeiten kaum dokumentiert.

Heute ist das anders. Per Geomagnetik soll ein „Röntgenbild des Erdbodens“, wie es Dr. Hansen erklärt, entstehen. „Wenn alles funktioniert, sehen wir darauf vielleicht sogar die Löcher früherer Hauspfeiler“, hofft der Wissenschaftler. Diese Bilder würden dann Rückschlüsse darauf ziehen lassen, wie viele Menschen einst in der Großen Heuneburg lebten. Und ob ein darunter liegendes Plateau einst bewohnt war, oder nur als Steinbruch diente, um das Material für die Burgmauern zu gewinnen. Damit die geomagnetischen Untersuchungen durchgeführt werden können, muss das Waldrefugium, indem die Förster seit 30 Jahren nicht in die Natur eingriffen, zunächst von einem Teil des Unterholzes befreit werden. Revierförster Rüdiger Deuschle hat dazu eigens zwei Schulklassen aus dem Waldschulheim aktiviert. 47 Jungen und Mädchen aus der Gomadinger Sternbergschule und der Hummel-Schule aus Bad Saulgau helfen fleißig mit, ebenso zwei Flüchtlinge aus Gomadingen.

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