Hayingen Gold verhilft nicht zum Glück

Von Reiner Frenz 07.07.2018

Es ist eines der bekanntesten Märchen der Gebrüder Grimm: „Hans im Glück“ erzählt die Geschichte des jungen Burschen, der als Lohn für sieben Jahre harte Arbeit einen kopfgroßen Klumpen Gold erhält, den er, weil zu schwer, bald gegen ein Pferd eintauscht, dieses gegen eine Kuh und so weiter. Am Ende steht Hans mit leeren Händen da – und ist erstmals glücklich.

Die Grimmsche Vorlage haben Silvie Marks und Johannes Schleker als Vorlage zu ihrem Kinderstück genommen, das am Sonntag Premiere feiert. „Im Gegensatz zu Homers Odyssee ist das Märchen im Original sehr kurz“, erzählt Schleker und fügt hinzu: „Das war für uns als Stückeschreiber eine tolle Ausgangsbasis“. Das Märchen wurde von ihnen in die heutige Zeit versetzt, den Rahmen bildet eine schrille, bunte und laute Glücksshow, bei der Hans den großen Preis gewinnt, eben jenen Goldklumpen.

„Die Frage, was Glück überhaupt ist, ist ja auch eine Frage in unserer Zeit“, betont Silvie Marks. Im Stück sucht Hans (Florian Stefanz) sein Glück und findet es zunächst doch nicht. Der belastende Goldklumpen wird gegen ein Pferd getauscht, das für Abenteuer und Freiheit steht, aber lahmt, was ihm natürlich von der die Nase sehr hoch tragenden Lady (Eva Schleker) verschwiegen wird. Die macht sich nach dem Tausch, der nur für sie ein Geschäft ist, hurtig mit ihrem Butler Johann (Robin Kopp) aus dem Staub.

Hans beschließt bald, das Pferd gegen eine Kuh zu tauschen, in der Hoffnung sesshaft zu werden, immer etwas zu Essen zu haben mit der Milch, die das Tier geben soll. Allerdings wird er auch hier betrogen, die alte Kuh gibt nichts mehr her. Und so geht die Geschichte wie bekannt weiter. Das Schaf soll Wolle liefern und Wärme beim Einschlafen, die Gans Eier legen. Am Ende will sich Hans mit einer Scherenschleiferei den Traum der Selbstständigkeit verwirklichen. „Es werden auch heute viele Träume verkauft, die sich später nicht einlösen lassen“, erzählt Silvie Marks.

Eine wichtige Rolle im Stück spielen neben den menschlichen auch die tierischen Darsteller: „Der Albtraum jeden Regisseurs sind Kinder und Tiere“, lacht Johannes Schleker. Beide seien unberechenbar. Die Tiere im aktuellen Stück seien auch für die Schauspieler eine Herausforderung, erforderten große Sensibilität.

Florian Stefanz etwa hatte zuvor mit Pferden nichts am Hut, wurde von Eva Schleker behutsam im Umgang mit ihrem Pferd Fidou vertraut gemacht: „Er muss sich aber jedes Mal aufs Neue auf die Tagesform von Fidou einstellen“, schmunzelt Silvie Marks. Aber auch die anderen Tiere haben ihren eigenen Kopf: Die Kuh, die Torben Bessler gehört, glänzte beim Pressetermin mit Abwesenheit. Die Zuschauer jedenfalls werden immer wieder auch an den Tieren ihren Spaß haben, ist sich Schleker sicher. Die Regisseure sind sich sicher, dass das Stück auch Erwachsene anspricht: „Wir wollen die Kindergeschichte so erzählen, dass sich auch Erwachsene gut aufgehoben fühlen“.

Seit jeher ist das Hayinger Naturtheater eine Spielstätte, an der der schwäbische Dialekt in Ehren gehalten wird. Eine Premiere ist es daher, dass „Hans im Glück“ in Hochdeutsch aufgeführt wird, dass freilich „produktionsbedingt Spuren von Schwäbisch enthalten kann“, wie Marks und Schleker es formulieren. „Wir haben aus den Schulen die Rückmeldung bekommen, dass man die Kinderstücke gerne mit hochdeutscher Sprache hätte und das auch von Urlaubern gehört, die etwa im Lauterdörfle zu Gast sind“, erklärt Johannes Schleker.

Für das Bühnenbild und die Kostüme zeichnete wieder Katharina Müller verantwortlich, die ein Showbühne konzipierte, dazu einen Spielplatz. Die Umbauten von der Odyssee zum Kinderstück sind mit wenigen Handgrippen erledigt, was natürlich von Vorteil ist. Die Showmusik stammt von Stefan Wurz, die Songs werden vom Showensemble vorgetragen.

Info „Hans im Glück“ wird im Hayinger Naturtheater aufgeführt am Sonntag, 8. Juli, 14.30 Uhr; Sonntag, 15. Juli, 14.30 Uhr; Mittwoch, 18. Juli, 14.30 Uhr; Sonntag, 22. Juli, 14.30 Uhr; Samstag, 11. August, 14.30 Uhr; Samstag, 18. August, 14.30 Uhr; Samstag, 25. August, 14.30 Uhr; Sonntag, 2. September, 14.30 Uhr.

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