Gomadingen Ganz neue Ideen für das Feriendorf

Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft (v. l.): Die beiden Architekten Ralph Ameis und Heide Höche sowie der Mediengestalter Doric Ljubomir.
Sie blicken zuversichtlich in die Zukunft (v. l.): Die beiden Architekten Ralph Ameis und Heide Höche sowie der Mediengestalter Doric Ljubomir. © Foto: Joachim Lenk
Gomadingen / Joachim Lenk 24.06.2018

Die Spatzen haben es schon längere Zeit von den Dächern gepfiffen. Jetzt ist es offiziell. Die Biovitalpark GmbH, an deren Spitze Investor Wolfram Wäscher steht, stößt das Feriendorf in Gomadingen nach knapp fünf Jahren unverrichteter Dinge wieder ab. Eine Gruppe von 30 Menschen plant als Genossenschaft das 8,5 Hektar große Areal zu kaufen, um daraus das „Mehrgenerationenprojekt am Sternberg“ zu machen. Am Wochenende haben sie ihr Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Jetzt geht es aufwärts, jetzt wird alles besser“, sagen die Sprecher des Projektteams selbstbewusst. Das sind die beiden Architekten Ralph Ameis und Heide Höche sowie der Mediengestalter Doric Ljubomir. Sie und ihre Mitstreiter, zu denen Handwerker, Therapeuten, Gartengestalter, Fitnesstrainer, Energietechniker und Tanzlehrer zählen, haben das Hickhack der vergangenen Jahre mitbekommen. Sie sehen das Potenzial des Geländes unterhalb des Sternberges und wollen es wieder mit Leben erfüllen.

„Wir haben ein gemeinsames Bild vom Leben in der Gemeinschaft entwickelt, in dem Jung und Alt, Singles und Familien, Alleinerziehende und Hilfsbedürftige sich nachbarschaftlich unterstützen“, sagt Heide Höche. „Ohne die Eigenständigkeit aufgeben zu müssen“, ergänzt Ralph Ameis. Dieses soziale Engagement soll über die Gemeinschaft hinaus leben, in gemeinsamen Projekten mit Menschen aus der Umgebung. „Unsere Räume sollen lebendige Orte der achtsamen Begegnung für alle sein“, sagt Doric Ljubomir. Die in die Jahre gekommenen Gebäude werden nach und nach „ökologisch und nachhaltig saniert“. Alles, was im Feriendorf gebaut, verändert und gemacht wird, werde „transparent“ über die Bühne gehen. „Wir sind Menschen, keine Investoren“, unterstreicht Höche.

Unter dem Motto „Achtsam mit Mensch und Natur“ planen sie im Feriendorf vielfältige Projekte in den Bereichen sanfter Tourismus, Ökologie, Gesundheit. Naturerfahrung und Kreativität. Seminare und Tagungen, Freizeitprogramme, Vorträge, ein Gesundheitshaus für Therapie und Fitness, Kinderbetreuung und Altenpflege sind im Gespräch. Außerdem ein Bioladen und eine Cafeteria. Die touristische Nutzung stehe im Vordergrund.

Tourismus im Vordergrund

Einige der Macher wollen bereits in den nächsten Wochen in leer stehende Ferienhäuser einziehen. Sie erinnern an die 30-Prozent-Regelung im Bebauungsplan, der längerfristiges Wohnen erlaube. „Der Kaufvertrag ist noch nicht unterschrieben“, räumt das Projektteam ein. Trotzdem darf es schon auf dem Gelände arbeiten, die Häuser nutzen und mit den Umbauarbeiten beginnen. Man habe eine Projektentwicklungsvereinbarung mit Investor Wäscher abgeschlossen, sagt das Trio, das kein Wort über den Kaufpreis verliert. Es sei geplant, noch dieses Jahr zum Notar zu gehen. Die Gemeinde, an deren Spitze Bürgermeister Klemens Betz steht, unterstütze das Mehrgenerationenprojekt im Ortskern, freuen sich Ameis, Höche und Ljubomir.

Die Geschichte des Feriendorfes Gomadingen

Das Feriendorf Gomadingen gehörte einst der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde in Stuttgart. Der erste Bauabschnitt wurde 1970, der zweite 1973 eingeweiht. Dort stehen jetzt 40 Ferienhäuser- und Wohnungen für jeweils bis zu sechs Personen. Zudem gibt es zwei Jugendgästehäuser mit knapp 60 Betten. In der Anfangszeit zählte das Feriendorf am Fuße des Sternberges bis zu 40 000 Übernachtungen pro Jahr. Seit 1. Januar 2014 gehört das 8,5 Hektar große Areal der Biovitalpark GmbH, die damals den Abriss der alten Gebäude vorgesehen hatte, um auf dem Gelände eine „Wohlfühl-Oase im Einklang mit der Natur“ für zahlungskräftige Investoren zu schaffen. Im Gespräch waren Investitionen in Höhe von 25 bis 30 Millionen Euro. Von 2015 an standen die Gebäude für Asylbewerber zur Verfügung. Für rund 60 000 Euro ließ das Landratsamt 24 Wohnungen in Schuss bringen. Bis zu 120 Menschen waren hier bis Ende 2017 untergebracht.Heute leben dort noch einige Familien in der Anschlussunterbringung. Das jetzt vorgestellte „Mehrgenerationenprojekt am Sternberg“ soll im Frühjahr 2019 seine Pforten öffnen. lejo

 

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