Serie Für die Landschaftspflege zahlen alle

Besichtigung der Pflegeflächen im Naturschutzgebiet Eichhalde hoch über dem Lautertal (von links): Johanna und Lukas von Mackensen sowie Ursula Scheibe vom Landwirtschaftsamt und dessen Leiterin Elke Weidinger.
Besichtigung der Pflegeflächen im Naturschutzgebiet Eichhalde hoch über dem Lautertal (von links): Johanna und Lukas von Mackensen sowie Ursula Scheibe vom Landwirtschaftsamt und dessen Leiterin Elke Weidinger. © Foto: Ralf Ott
Münsingen / Von Ralf Ott 09.04.2018

Die Produktion von Lebensmitteln ist die Hauptaufgabe der Landwirtschaft. Seit den 50-er Jahren sind daran jedoch politische Zielsetzungen geknüpft. Zunächst ging es bei der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 1957 darum, die Produktivität zu steigern, um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, sowie den Landwirten ein angemessenes Einkommen zu gewährleisten. Damit wurden auch auf europäischer Ebene die im Deutschen Landwirtschaftsgesetz von 1955 festgelegten Ziele festgeschrieben. Ihre Erzeugnisse konnten die Landwirte zu garantierten Mindestpreisen absetzen. Lag das Preisniveau darunter, trat der Staat als Abnehmer auf. Zugleich schottete sich die EU gegenüber außerhalb der Mitgliedsländer produzierten Lebensmitteln ab. Die Folgen sind bekannt: Milchseen und Butterberge prägten den Markt in den 70er und 80er Jahren. Erst 1993 erfolgte die Trendwende durch die Abschaffung der Preis­stützungen. Künftig erhielten die Landwirte produktbezogene Prämienzahlungen, die sich an den jeweiligen Flächen orientierten. Noch einmal zehn Jahre später einigte sich die EU in den Grundsätzen ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) darauf, künftig Flächen zu fördern, sofern diese ordnungsgemäß bewirtschaftet werden und zwar unabhängig von den darauf produzierten landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Nur für Milcherzeuger galt weiter das alte System.

In den Prämienzahlungen an Landwirte spiegelt sich deren Leistung für das Allgemeinwohl mit Blick auf die Pflege und den Erhalt der Kulturlandschaft. Das sogenannte Zwei-Säulen-Modell umfasst auf der einen Seite die Förderung – und Finanzierung – durch die EU und auf der anderen Seite stehen EU-Mittel ergänzt durch Geld des Bundes, der Länder und der Kommunen zur Entwicklung des ländlichen Raums.

Die Direktzahlungen der EU orientieren sich an den bewirtschafteten Flächen. Diese wurden 2015 neu berechnet und den Landwirten entsprechende Zahlungsansprüche zugeteilt. Die EU-Prämien setzen sich aus unterschiedlichen Bestandteilen zusammen. Ausbezahlt wird das Geld nur für tatsächlich bewirtschaftete Flächen und unter der Voraussetzung, dass die Verpflichtungen des „Cross Compliance“ – also die Erfüllung bestimmter Umweltstandards – eingehalten werden.

Der Nachweis der Bewirtschaftung von Flächen und damit die sogenannte „Aktivierung“ erfolgt durch die Beantragung der Basisprämie sowie die damit verbundene Greeningprämie, erläutert Elke Weidinger, die Leiterin des Kreislandwirtschaftsamtes. Die Basisprämie wird sich in Deutschland bis nächstes Jahr einheitlich auf rund 175 Euro pro Hektar einpendeln, für konkrete Umweltleistungen, das Greening, kommen noch einmal 85 Euro hinzu. Dies bezieht sich auf den Erhalt von Dauergrünlandflächen, den Erhalt der Vielfalt beim Anbau von Kulturen und die Bereitstellung ökologischer „Vorrangflächen“ wie Pufferstreifen oder Hecken auf mindestens fünf Prozent des Ackerlands. Um kleinere Betriebe stärker zu fördern, werden für die ersten 30 Hektar als Umverteilungsprämie zusätzlich 50 Euro und für weitere 16 Hektar noch einmal 30 Euro gezahlt. Junglandwirte können bis zu einem Alter von maximal 40 Jahren maximal fünf Jahre lang eine Förderung von 44 Euro für höchstens 90 Hektar erhalten.

Hinzu kommen in der zweiten Säule die von der EU sowie Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam finanzierten Maßnahmen zur Förderung des ländlichen Raums. In Baden-Württemberg listet der Maßnahmen- und Entwicklungsplan allein 16 Förderprogramme auf, darunter auch FAKT, das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl. „Jeder Landwirt kann sich daraus die für ihn geeigneten Maßnahmen auswählen“, betonte Weidinger. Eine wichtige Rolle erfüllt auch die Landschaftspflegerichtlinie, wie sich am Beispiel des Schäfereibetriebs der Familie Mackensen zeigt. Im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde sorgen sie für die Pflege des 36 Hektar großen Naturschutzgebiets Eichhalde oberhalb von Buttenhausen im Lautertal. In 800 Meter Höhe werden 12 Hektar von Schafen und weitere 11 Hektar durch Ziegen beweidet. Zudem müssen die Wacholderheiden, um die Ausbreitung des Walds zu verhindern, maschinell wie auch manuell nachbearbeitet werden. Der Umfang der Arbeiten ist vertraglich geregelt und sie wird aus Mitteln der Landschaftspflegerichtlinie vergütet. „Wir waren eineinhalb Wochen mit vier Leuten auf der Fläche im Einsatz“, schildert Lukas von Mackensen den enormen Aufwand. Erforderlich ist die Pflege, um den Lebensraum seltener Pflanzen- und Insektenarten zu erhalten.

Unterm Strich fällt der Anteil der Zuschüsse am Gewinn des Landwirtschaftsbetriebs mit mehr als 60 Prozent im Bereich des Ackerbaus beziehungsweise bei Mischbetrieben am höchsten aus, während es bei Dauerkulturen nur rund 15 Prozent sind.

Landwirtschaftsserie: Fördersystem

Lebensmittel werden zwar täglich benötigt, doch zumeist belässt es der Verbraucher mit dem Einkauf im Supermarkt und denkt nicht über diejenigen nach, die Ausgangsprodukte für unsere Nahrungsmittel erzeugen. Mit einer  Serie möchte unsere Zeitung Einblicke in die Arbeits- und Produktionsbedingungen moderner Landwirtschaft bieten. Das Themenspektrum ist so vielfältig wie der Beruf des Landwirts. Heute geht es um das finanzielle Fördersystem. rot