Sonnenbühl Frischer Wind aus Sonnenbühl

Die Firma Sowitec aus Sonnenbühl ist zu einem der größten Windkraft-Entwickler der Welt aufgestiegen. Foto: Jürgen Spieß
Die Firma Sowitec aus Sonnenbühl ist zu einem der größten Windkraft-Entwickler der Welt aufgestiegen. Foto: Jürgen Spieß
Sonnenbühl / JÜRGEN SPIESS 18.01.2014
Seit mehr als 20 Jahren sind Windmühlen seine Leidenschaft: Frank Hummel und seine Firma Sowitec in Sonnenbühl haben sich zu einem weltweit agierenden Windkraft-Unternehmen entwickelt.

Regierungen kommen und gehen - doch erneuerbare Energien werden sich in Deutschland über kurz oder lang durchsetzen. Davon ist Frank Hummel überzeugt, obwohl es in Baden-Württemberg bisher gerade mal 700 Windanlagen gibt - rund 1700 weniger als im kleineren Rheinland-Pfalz.

1993 gründete der Diplomingenieur der Luft- und Raumfahrttechnik das Unternehmen Sowitec mit Sitz in Sonnenbühl und begann zwei Jahre später mit der Planung und dem Aufbau von drei Windkraftanlagen auf dem 820 Meter hohen Himmelberg in Melchingen, die mit einer Leistung von je 600 Kilowatt mehr als 800 Haushalte mit Strom versorgen. Die Basis dafür schafften der Bund und das Land, die das schwäbische Windpark-Projekt über Fördergelder unterstützen: "Zu Beginn musste ich vor allem die Bedenken der Bevölkerung ausräumen und mich gegen die heftige Anti-Windkraftstimmung durchsetzen", schildert Hummel seinen Einstieg ins Windkraft-Geschäft, "mit der Nuklearkatastrophe in Fukushima kippte jedoch die Stimmung".

Für den Aufbau des größten Windparks in Baden-Württemberg erhielt Sowitec bereits 1997 den Umweltpreis des Landes. Doch dies war erst der Anfang, denn 2005 entschied Hummel, sein Haupt-Betätigungsfeld ins Ausland zu verlagern. Er gründete Tochtergesellschaften in Frankreich, Uruguay, Brasilien, Argentinien, Chile, Mexiko, Russland und Peru. Bis 2007 hatte der Windkraft-Unternehmer bereits 30 Projekte in Deutschland realisiert und entwickelte sich in Lateinamerika zum führenden Windenenergie-Entwickler mit über 400 Projekten und einem Investitionsvolumen von 100 Milliarden Euro, die mehr als 50 000 Megawatt Strom erzeugen. Mittlerweile beschäftigt Sowitec mehr als 200 Mitarbeiter und ist zu einem der größten Windkraft-Entwickler der Welt aufgestiegen.

Vor allem durch die Registrierung eines Klimaschutz-Schirmes eröffnet Sowitec Windpark-Eignern im Ausland -derzeit vor allem in Lateinamerika - die Möglichkeit, ihren Beitrag zum Klimaschutz auch auf wirtschaftlicher Basis zu nutzen. Das Prinzip lautet: Nimmt ein Windpark am Klimaschutz-Schirm teil, bekommt sein Eigner CO2-Gutschriften für die treibhausgasfreie Windenergie zugeteilt. Das bedeutet auf der einen Seite zusätzliche Einnahmen, auf der anderen Seite macht es den Windpark gegenüber herkömmlicher Kraftwerke konkurrenzfähiger.

Während in Deutschland und vor allem im Ländle der Windkraft-Ausbau aufgrund komplexer Planungsverfahren, strenger Naturschutz-Auflagen und Artenschutz-Verordnungen immer wieder verzögert und verhindert wird, zeigen andere Länder wie Uruguay, wie ein Energieprogramm umgesetzt werden kann, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Ein großer Windpark mit 27 Windkraftanlagen (Kapazität: 81 Megawatt) in Castillos Norte im Südosten Uruguays beteiligt sich bereits an dem Sowitec-Projekt und leistet dadurch seinen Beitrag zum weltweiten Klimaschutz. Konkret heißt das: Alle Parteien in Uruguay setzen in einer konzertierten Aktion auf erneuerbare Energien: "Von dieser Einstellung könnten sich hierzulande Politiker und Gegner der Windkraft durchaus eine Scheibe abschneiden", begründet Frank Hummel sein starkes Engagement im Ausland. Doch der Sowitec-Chef ist auch Pragmatiker. Er weiß, dass Windkraft nicht nur in Uruguay, Brasilien oder Russland enormes Wachstumspotenzial bietet. Auch in Baden-Württemberg schätzt er die Windbranche auf Dauer als positiv ein: "Windkraftprojekte werden hier im Zuge der Energiewende zunehmend realisiert, wenn auch nicht so viele, wie gewünscht", blickt der Windpark-Entwickler aus Sonnenbühl optimistisch in die Zukunft.

Die Sowitec group
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