Mit 19 hast du dein erstes Album "Colours of Guitar" fertig gestellt. Wie lange hast du in etwa daran gearbeitet?

JULIAN KEHRER: Es gab vor dieser CD eine Demo-CD mit eigenen Stücken. Jetzt bei dieser CD hat es ungefähr ein Jahr gedauert, bis wirklich alles fertig war. Es sind auch einige Lieder drauf, die schon ein bisschen älter sind. Es sind auf jeden Fall alles Eigenkompositionen, akustische filigrane Gitarrenklänge. Das Cover hat eine Freundin von mir gemacht, und auch das Design ist selbst entworfen. Ich habe keinen Produzent, das ist eine komplette Eigenproduktion, angefangen bei den Liedern bis zum fertigen Endprodukt - mein eigenes Werk quasi.

Bei deinen vielen Band- und Solo-Projekten verliert man leicht den Überblick. In welchen Bands spielst du aktuell?

KEHRER: Aktuell gibt es erstmal mein Solo-Projekt, mit dem ich zur Zeit viele Auftritte habe. Dann habe ich noch ein Duo-Projekt, da waren wir jetzt im Studio und haben auch eine CD aufgenommen. Da mache ich mit einer Sängerin aus Tübingen, Cosma Sophia Leiner, Musik: Zusammen sind wir Cosmic July. Eine kleine Maxi-CD mit vier Liedern ist daraus entstanden. Das sind auch alles eigene Lieder. Privat, an Geburtstagen beispielsweise, spielen wir auch Coverstücke. In diesem Projekt singe ich auch ab und zu. Dazu spiele ich seit etwa zwei Jahren im Trio Matador. Da sind Vincent Knupfer, als Sänger und Bassist, mein Bruder Johannes Kehrer am Schlagzeug und ich als Lead- und Sologitarrist dabei. Vergangenen Dezember haben wir den ersten Platz beim Musikwettbewerb "Regio Music Spot" in Tübingen belegt. Das war ein großer Erfolg für uns. Das nächste Projekt soll ein Musikvideo sein. Außerdem habe ich noch ein Projekt mit Ingrid Schulz, dabei schreibt sie Gedichte und ich untermale diese mit meiner Gitarrenmusik.

Es braucht eine gute Organisation deinen Beruf als Jugend- und Familienhelfer und die Musik unter einen Hut zu bringen. Fehlt dir denn manchmal die Zeit für deine Musik?

KEHRER: Als Jugend- und Familienhelfer bin ich relativ frei in der Organisation meiner Einsatzstunden. Daher mache ich mir jede Woche aufs neue einen Plan und lege dann meine Termine so, dass immer ein Zeitfenster für die Musik bleibt.

Hast du ein persönliches Vorbild?

KEHRER: Musikmäßig ist das auf jeden Fall der US-amerikanische Musiker J.J. Cale. Er hat ziemlich großen Einfluss auf mich. Mir gefällt, dass das, was er macht, er auch selbst so erlebt hat. Er hat alles Mögliche durchgemacht und bringt das Erlebte absolut authentisch rüber. Und Musik muss authentisch sein, sonst wird sie unglaubwürdig.

Schreibst du selbst Texte?

JULIAN KEHRER: Es ist so, dass Vincent Knupfer die Texte für die Band schreibt, wir sie dann zusammen durchsprechen und dann Text mit Musik verbinden. In Cosmic July texten wir gemeinsam.

Gibt es innerhalb der Band Matador manchmal Meinungsverschiedenheiten was die Inhalte der Texte angeht?

KEHRER: Nein, kaum. Wir haben alle die gleiche politische Richtung und es läuft eigentlich immer ziemlich harmonisch ab. Am Ende wenn das Lied fertig ist, steht dann schon jeder hinter dem Text und dessen Aussage.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?

KEHRER: Am Besten wäre es, den Absprung zu schaffen, das ist ja das Ziel von jedem Musiker, dass er in ein großes Management reinkommt und letztendlich von der Musik leben kann. Das wäre toll, dann hätte man die Zeit für anderes wie Kunst zum Beispiel. Ist vielleicht auch Glückssache gerade diesen Durchbruch zu schaffen.

Du hast mit elf Jahren begonnen, Gitarre zu spielen. Hattest du damals schon dieses Ziel vom Absprung, vor Augen?

KEHRER: Nein, überhaupt nicht. Es war eher ein lockeres weiterspielen ohne viel Erwartungen. Mein Vater zeigte mir die ersten Griffe und dann habe ich mir alles selbst angeeignet.

Spielst du auch andere Instrumente?

KEHRER: Ich probier gerade viel aus, vor allem mit Schlagzeug und Klavier. Was mich gerade auch sehr mitnimmt ist Blues mit E-Gitarre.

Wie funktioniert das bei dir mit dem Komponieren? Hast du manchmal Melodien und Rhythmen ganz unvermittelt im Kopf oder kommt das dann beim Spielen?

KEHRER: Sowohl als auch. Manchmal habe ich neue Ideen im Kopf und dann das dringende Bedürfnis, sie gleich so aufzunehmen wie sie mir in den Kopf gekommen sind. Oft überlagern andere Melodien dann die eigentliche, deshalb nehme ich gerne sofort auf. Andererseits kommen auch viele Ideen beim Jammen (gemeinsamen, freien Spielen) selbst. So entstehen die Lieder auch meistens, indem wir zusammen in der Band zum Beispiel einfach beginnen etwas zu spielen oder ich das alleine tue.

Info Mehr zur Veranstaltung und über den Künstler gibt es unter www.julian-kehrer.de